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Brexit – Überblick, Zukunftsaussicht und Auswirkung auf das GBP

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Brexit kurz vor Abschluss? Welche Chancen ergeben sich für Trader und Investoren rund um das GBP?

Eines der brisantesten und kontroversesten Themen, welches teilweise die Nachrichtenwelt beherrschte, ist der Austritt des Vereinigten Königreich aus der Europäischen Union, oder kurz: Brexit.

Politische Verhandlungen und Aussagen, die oft von großen Differenzen geprägt waren, sorgten auch für erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten. Vor allem die Auswirkungen auf das Britische Pfund (GBP) waren und sind immer noch deutlich zu erkennen.

Hier boten sich Chancen, aber auch Risiken für Trader. Da das Thema in den letzten Wochen wieder an Aktualität gewonnen hat und es einige Verhandlungen gab, habe ich euch hier eine kurzen Überblick über den Brexit, auch mit Bezug auf den GBP, zusammengestellt.

 

Brexit-Verlauf:

  • 2016: Am 23. Juni stimmten 51,9% der Wahlberechtigten für den Austritt des Vereinigten Königreich aus der Europäischen Union. Damit ist der EU-Austritt nach dem Referendum, welches bereits 2013 ausgerufen wurde, beschlossene Sache.

 

  • 2017: Die Brexit-Verhandlungen begannen bereits am 19. Juni in Brüssel und gestalteten sich schon von Anfang sehr schwierig.

 

  • 2019: Im März stimmte das britische Parlament über einen „No-Deal-Brexit“ ab. Es wurde jedoch dagegen gestimmt. Zusätzlich spricht sich das britische Unterhaus zum ersten mal für einen Terminaufschub des Brexit aus. Die Europäische Kommission bewilligt den Antrag, steht ihm allerdings kritisch gegenüber. Es sollte nicht der letzte Antrag gewesen sein und so vermehrten sich die Terminaufschübe. Im Juli folgt die offizielle Ernennung von Boris Johnson als neuer Premierminister Großbritanniens. Auch er setzt weiterhin auf einen EU-Austritt, notfalls auch ohne Handelsabkommen. Die Gefahr eines ungeordneten oder auch „harten“ Brexit, ist durch die Wahl Johnsons somit gestiegen. Im Dezember stimmt das britische Unterhaus für Johnsons Austrittsvertragsentwurf und bestätigen so seinen Brexit-Kurs.

 

  • 2020: Nach dem Unterhaus, stimmte nun auch das britische Oberhaus dem Brexit-Abkommen zu. Auch das EU-Parlament stimmte eindeutig für das Brexit-Abkommen. Am 31. Januar verlässt Großbritannien dann schließlich offiziell die EU und nach 47 Jahren Mitgliedschaft, stellt dies einen historischen Tag für beide Seiten dar. Zudem beginnt eine Übergangsphase, die bis zum 31. Dezember 2020 andauert. In den folgenden Monaten stehen schwierige Verhandlungen zwischen der Europäischer Union und Großbritannien über die weiteren Beziehungen beider Parteien an. Die Verhandlungen sind weiterhin von Unstimmigkeiten geprägt und auch die Gefahr eines „harten“ Brexit besteht immer noch.

 

  • September – Oktober 2020: Am 29. September hat das britische Unterhaus für ein neues Binnenmarktgesetz gestimmt. Allerdings widerspricht das Gesetz mit dem von der EU vereinbarten Sonderregelungen für Nordirland. Laut dieser Regelung, ist das Land nach dem Brexit weiter eng an den EU-Binnenmarkt und die Zollunion gebunden. Nun muss das Gesetzt noch vom britischen Oberhaus verabschiedet werden. Die EU droht mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und fordert die Änderung zurückzunehmen. Boris Johnson setzt der EU außerdem ein Ultimatum und verschärft damit die ohnehin schwierigen Verhandlungen. Johnson fordert eine Einigung über die künftigen Beziehungen bis zum 15. Oktober. Sollte dies nicht gelingen, werde es kein Freihandelsabkommen geben, warnte er.

 

 

Vorteile für Großbritannien:

1. Einwanderung

Ein Hauptargument der Briten für den Brexit, ist das Thema Einwanderung. Man fürchtet  erhöhte Konkurrenz für Arbeits- und Schulplätze und eine Überlastung des Gesundheitssystem. Deshalb würde die britische Regierung gerne die Zahl der Einwanderer aus der EU minimieren.

2. keine bürokratischen Vorschriften der EU und Kosteneinsparungen

Die Briten sehen durch die Überregulierung der EU eine Gefahr für die eigene Wirtschaft und dass diese dadurch „gelähmt“ werde. Außerdem hat Großbritannien bei sämtlichen Regularien und Rechtsprechungen eigene Entscheidungsfreiheit. Dadurch erhalten sie wieder volle nationale Souveränität. Des Weiteren geht man von Kosteneinsparungen in Höhe von ungefähr 25 Milliarden Euro aus, da sie zum Beispiel keine Hilfskredite für EU-Krisenländer aufbringen müssen und die Europawahl wegfällt.

3. wirtschaftliche und geldpolitische Selbständigkeit:

Die Bank of England (britische Notenbank) kann unabhängig von der EZB agieren und eigene geldpolitische Maßnahmen ergreifen. Dies kann vor allem in (Finanz-) Krisen sehr nützlich sein. Einige Stimmen behaupten zudem, dass der Finanzsektor vom Austritt profitieren könnte, da durch das Wegfallen der EU-Regulierung noch offensiver um Investoren geworben werden kann.

 

Nachteile für Großbritannien:

1. Rekrutieren von Arbeitnehmern aus dem EU-Ausland

Ein Wettbewerbsnachteil, kann das Rekrutieren von Personal aus dem EU-Ausland sein, da die Freizügigkeit für EU-Arbeitnehmer wegfällt.

2. Unstimmigkeiten mit London, Schottland und Nordirland

Schottland, Nordirland und auch Wales profitieren vor allem von der finanziellen Unterstützung der EU. Sie profitieren mehr als England und haben deshalb auch gegen den Brexit gestimmt. So gab es in Schottland beispielsweise ein Referendum über die schottische Unabhängigkeit, im Falle eines Brexit. Es könnten weitere Länder folgen, sodass England am Ende alleine mit der Entscheidung dasteht.

London gilt immer noch als Finanzmetropole in Europa und könnte auch über eine Abspaltung nachdenken. Dieser Sektor könnte nach dem Brexit fast vollständig wegfallen und er macht immerhin acht bis zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung in Großbritannien aus. Viele Unternehmen und Großbanken haben bereits davor gewarnt, ihre Geschäftsaktivitäten in andere EU-Länder zu verlagern. Der Verlust würde jährlich bei rund 10 Milliarden Pfund liegen, laut einer Studie der Beratungsfirma Capital Economics.

3. Kein freier Zugang zum EU-Binnenmarkt

Einer der größten Vorteile der Mitgliedschaft in der Europäischen Union, ist der freie Zugang zum EU-Binnenmarkt. Großbritannien müsste diesen spätestens zwei Jahre nach dem Austritt verlassen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, den Zugang in Gesprächen mit der EU-Kommission zu behalten. Die Verhandlungen haben sich aber in der Vergangenheit, sowie auch in der Gegenwart, als ziemlich schwierig herausgestellt.

 

Auswirkungen auf das britische Pfund (GBP)

Im Falle eines harten Brexit, wird es langanhaltende Abwärtsrisiken für das Pfund geben.

Experten der US-Bank J.P. Morgan rechnen in diesem Szenario mit einer Abwertung des Pfunds um 6 bis 7 Prozent gegenüber dem Euro. Sollte man sich jedoch noch auf ein Abkommen mit der EU verständigen, wäre eine Aufwertung in Höhe von 2 bis 3 Prozent drin.

Solche Prognosen sind allerdings immer mit hoher Vorsicht zu genießen und mit Unsicherheit verbunden, da es im Laufe der Brexit-Entwicklungen immer wieder zu überraschenden Wendungen kommen kann.

Ein weiterer Punkt der dafür sorgen könnte, dass das Pfund weiter abschwächt, ist das hohe Leistungsbilanzdefizit von Großbritannien. Die britische Wirtschaft ist also auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen, um das Defizit zu decken.

Im Falle eines harten Brexit könnte die Bereitschaft ausländischer Investoren allerdings abnehmen. Außerdem steigt die Verschuldung immer weiter an. Der Verschuldungsgrad in Relation zum BIP liegt mittlerweile bei über 100 Prozent.

Ein Analyst der US-Bank Bank of America fasste den aktuellen Zustand und die Zukunftsaussicht des Pfunds treffend zusammen: „Wir glauben, das Pfund ist auf dem Weg sich zu einer Währung zu entwickeln, die der Realität der britischen Wirtschaft ähnelt: Klein und schrumpfend mit einem wachsenden Defizit-Problem.“

Auch was die Geldpolitik der Bank of England angeht, könnte der Brexit beträchtliche Folgen haben. In der Coronakrise wurde der Leitzins auf ein Rekordtief von 0,1% gesenkt. Zudem kauft sie im großen Umfang Staats- und Unternehmensanleihen.

Des Weiteren wurde über die mögliche Einführung von Negativzinsen diskutiert. Andrew Bailey, der Vorsitzende der Bank of England, erläuterte, dass Negativzinsen durchaus zum Instrumentarium der Notenbanken gehören, auch wenn es gegenwärtig noch keine Pläne gibt sie einzuführen. Dies könnte sich im Falle eines harten Brexit allerdings ändern. Wenn das Pfund zu stark abwertet, könnte es aber auch zu Zinserhöhungen kommen.

Der britische Aktienindex FTSE100 hat sich von der ganzen „Brexit-Saga“ eher unbeeindruckt gezeigt und stieg seitdem kontinuierlich an. Zwischenzeitlich wurde ein Höchstwert von mehr als 7500 Punkten erreicht.

Die Finanzgeschäfte mit dem Vereinigten Königreich scheinen also aktuell noch sehr stabil zu sein. Ein Analyst von J.P. Morgan stellte fest, dass nahezu 80 Prozent der Umsätze aller FTSE 100-Unternehmen aus dem Ausland stammen. Seiner Ansicht nach, hätte das positive Auswirkungen auf den Gewinn, sollte das Pfund weiter abwerten. Dennoch könnten sich die langfristigen Folgen für Investoren durchaus bemerkbar machen. Das wäre dann der Fall, wenn es zu intensiven Zollauflagen oder zu stockenden Lieferketten käme. Diese würden für Unternehmen eine höhere Belastung darstellen und sich letztlich auch auf die Investoren auswirken.

Allerdings sorgt ein schwaches Pfund auch dafür, dass britische Produkte im Ausland billiger sind, was die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft erhöht. Zudem wird von einigen Stimmen behauptet, dass das Pfund nach dem Brexit „neu bewertet“ werde. Sobald es Klarheit über den Kurs des Landes gibt, soll es durch die zuvor angestaute Nachfrage zu Investitionen kommen, wovon auch das Pfund profitieren soll.

 

Auswirkungen auf den Euro

Die Auswirkungen auf den Euro sollten sich eher langfristig bemerkbar machen. Denn durch die eigene Währung, ist die EU größtenteils unabhängig von den Entwicklungen in Großbritannien. Allerdings gibt es ohne eine verlässliches Austrittsabkommen, keine zuverlässige Grundlage für Verträge und Zusammenarbeit.

Es gibt nämlich viele EU-Mitgliedsstaaten, die mit Großbritannien Handel betreiben und durch die Kooperation profitieren. Ein harter Brexit würde diese Zusammenarbeit erschweren oder ganz unmöglich machen. Dieses Szenario hätte massive Umsatzeinbrüche bei den Unternehmen zur Folge und könnte kleinere Unternehmen zur Existenzangst führen. So etwas hätte dann wiederum auch Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der EU und somit auch auf den Wert des Euro.

 

Auswirkungen auf den US-Dollar

Die Abhängigkeiten zwischen Großbritannien und den USA sind deutlich kleiner, als die zwischen der EU und Großbritannien. Daher wird auch der Dollar vermutlich weniger von einem harten Brexit betroffen sein. Möglicherweise könnte sich das Szenario eines harten Brexit sogar positiv auf Währung der USA auswirken.

Donald Trump und Boris Johnson betonten immer wieder, dass sie nach dem Brexit ein gemeinsames Freihandelsabkommen anstreben. Falls so ein Abkommen erfolgreich sein würde, hätte dies eine stärkere wirtschaftliche Anbindung Großbritanniens an die USA zur Folge. Wenn es beiden Seiten Vorteile bringen sollte, hätte das wiederum positive Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und die Währung. Es gibt jedoch einige Experten, die bezweifeln, dass so ein Handelsabkommen die gewünschten positiven Auswirkungen mit sich bringt, geschweige denn, dass es überhaupt zustande kommt.

 

Chancen und Risiken für Trader

Die Nachrichten und Aussagen zum Brexit waren oftmals marktrelevant und sorgten für deutliche Kursreaktionen im Pfund. Für uns als Newstrader ist diese Volatilität sehr wichtig, da sie uns Chancen für Trades ermöglicht. Das Risiko ist aber dementsprechend genauso hoch.

Falls du wissen möchtest, wie du mit dem Risiko richtig umgehst, dein Trading-Konto  schützt und mit erprobten Trading-Strategien langfristig profitabel bist, dann schau gerne mal bei unserem kostenlosen Newstrading Webinar vorbei oder nutzte das kostenlose Erstgespräch mit einem erfahrenen Trader von den TradingFreaks.

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Mittlerweile liegt das Währungspaar GBP/USD an dritter Stelle der meist gehandelten Währungspaare weltweit. Wenn wir uns den Wochenchart (W1) anschauen, gibt es einige bemerkenswerte Kursreaktionen, die meistens auch mit Brexit-Entwicklungen in Verbindung stehen.

Am 23. Juni 2016 wurde für den Austritt gestimmt. Daraufhin hat das Pfund gegenüber dem US-Dollar kurzfristig um ungefähr 10% abgewertet.

 

 

Aktuelles Beispiel für eine Brexit-Nachricht und Kursreaktion im Pfund:

Am 6. Oktober 2020 gegen 12:55 Uhr deutscher Zeit wurde eine Nachricht zu den Brexit-Verhandlungen veröffentlicht: „Die EU bekräftigt ihre Haltung und bleibt nicht kompromissbereit bei den Brexit-Verhandlungen. Sie scheint die von Großbritannien auferlegte Frist zum 15. Oktober für eine Einigung zu ignorieren.“

Wenn wir uns den Minutenchart (M1) im GBP/USD anschauen, ist eine deutliche Abwärtsbewegung von ungefähr 35 Pips (0,35%) zu erkennen.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Briten sich nicht grundlos für einen Austritt aus der EU entschieden haben.

Die Vorteile werden sich aber höchstwahrscheinlich erst langfristig bemerkbar machen.

Die Nachteile sind allerdings nicht außer Acht zu lassen und werden einige politische und wirtschaftliche Unsicherheiten mit sich bringen.

Was die Situation des Pfunds angeht, gehe auch ich von weiterer Abwertung aus. Für das Trading eignen sich solche Ereignisse sehr gut, da durch die immer neu entfachte Dynamik, erhöhte Volatilität entsteht. Umso wichtiger ist es dann aber, das Risiko richtig einzuschätzen und zu wissen, wie man damit umgeht.

Bis demnächst und Gute Trades!

Lukas

 

Lukas Godau
Lukas ist Analyst bei TradingFreaks. Er erstellt Artikel zu allen relevanten Tradingthemen sowie tägliche Watchlists mit Trade Ideen für das Trading Team, wovon auch die Mitglieder des Top Trader Programms profitieren.

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