Erfahre, welche bewährten Daytrading Indikatoren von Daytradern genutzt werden und wie du sie in dein Trading Setup integrieren kannst.

Ich habe lange gezögert, ob ich den Artikel zum Thema Daytrading Indikatoren überhaupt schreiben soll.

Das liegt hauptsächlich daran, dass viele Trader und insbesondere Einsteiger, ihre komplette Trading Strategie auf Trading Indikatoren aufbauen.

Diese Herangehensweise ist sehr bequem, aber nicht profitabel. Wer im Börsenhandel erfolgreich sein will, der benötigt mehr als ein paar Daytrading Indikatoren.

Ich habe mich dennoch dazu entschieden, die für mich sechs praktikabelsten Trading Indikatoren vorzustellen und zu zeigen, wie ich sie täglich nutze. Dazu gebe ich dir direkt den Hinweis, dass ich diese Indikatoren nur als Optimierung für meine Trades, aber niemals zur alleinigen Begründung für einen Trade, benutze. Mit anderen Worten: Ich gehe niemals in einen Trade, nur weil mir ein Indikator ein Signal gibt.

Wir starten mit einer kurzen Auffrischung und gehen dann in die einzelnen Tools.

 

Was sind Daytrading Indikatoren?

Weißt du, was der größte Wunsch eines Investors, Spekulanten oder Traders ist? Er will die Kurse vorhersagen können. Sofern er dass kann, ist er reich und der Markt tot. Daraus lässt sich bereits schließen, dass niemand den Preis eines Assets vorhersagen kann. Weder die Entwicklung in den nächsten Sekunden, noch in den nächsten Monate. Es bleibt Zufall.

Mit der Hilfe von Trading Indikatoren versuchen Trader, dem Wunsch der Sicherheit ein Stück näher zu kommen. Es geht also darum, Kursbewegungen zu prognostizieren. Um diese Prognosen sinnvoll herleiten zu können, müssen Indikatoren aus historischen Kursen Muster ableiten und der Trader daraus wiederum Analysen ziehen, die zu einem Trade führen (können).

Generell lassen sich Indikatoren in Kategorien wie Oszillatoren, Moving Averages (Durchschnitte), Trendlinien, etc. einordnen. In diesen Kategorien gibt es wiederum viele einzelne Indikatoren, deren Parameter ich auch noch unterschiedlich einstellen kann.

In Summe ergeben sich für den Trader sehr viele Ausprägungen, die aus der gewünschten Sicherheit für schnelle Überforderung sorgen. Wie findet man also den passenden Indikator?

Dazu musst du wissen, dass es unter allen Indikatoren keinen „heiligen Gral“ gibt. Du wirst keinen Daytrading Indikator finden, der dir die zukünftige Kursentwicklung (und damit sichere Gewinne) vorhersagt. Wie eingangs beschrieben, dienen Indikatoren nur dem Zweck, das eigene Trading Setup zu optimieren und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Welche Indikatoren in meinem täglichen Trading Beachtung finden, zeige ich dir jetzt Schritt für Schritt.

 

1. Daytrading Indikator – Moving Averages (Gleitende Durchschnitte)

Bei Moving Averages (übersetzt: Gleitende Durchschnitte) handelt es sich um einen Indikator, der in einer betrachteten Periode den Mittelwert aller erzielten (Schluss-)Kurse abbildet. Die meistgenutzten Durschnitte sind „Exponential Moving Average“ und Simple Moving Average, in der 100er oder 200er Skalierung.

Beim SMA 200 werden die letzten 200 Schlusskurse addiert und durch 200 geteilt. Dadurch erhalte ich einen Durchschnittswert der Kurse an den letzten 200 Börsentagen und an diesem Wert verläuft dann der SMA 200.

Der EMA wird ähnlich berechnet. Allerdings werden die letzten Kurse höher gewichtet (daher exponentiell gleitender Durchschnitt). Durch die höhere Gewichtung der letzten Daten, reagiert der EMA sensibler und schneller auf Kursänderungen als der SMA. Die Darstellung erfolgt bei beiden Varianten anhand einer Linie oder Kurve im Chart. Notiert der Kurs unterhalb des Moving Averages, ist der Trend Short, notiert der Kurs oberhalb des Moving Average, ist der Trend Long.

Trader und Investoren nutzen, in Einklang mit dem eigenen Tradingstil, die Durchschnitte gerne für Käufe und Verkäufe. Der nachfolgende Chart zeigt, wie sicher der Kurs an den Moving Averages in der Vergangenheit verhalten hat.

Widerstand Unterstützung Charttechnik Daytrading lernenDie rote Kurve zeigt den EMA200 im AUDUSD 4h-Chart (eine Kerze = 4 Stunden). Man sieht, dass der Kurs eine Zeit lang unter dem EMA200 verlief und bei Berührung immer wieder abprallte. Erst nach einigen Anläufen, konnte er durchbrochen werden. Er bildet eine Art Widerstand und Unterstützung.

Dieser Indikator wird auch von institutionellen Händlern genutzt. Wichtig ist bei der Verwendung, dass man verschiedene Zeiteinheiten beachtet. EMA und SMA verlaufen im 5 Minutenchart beispielsweise an einer anderen Stelle als im Stunden- oder Tageschart.

Einen separaten Beitrag zu gleitenden Durchschnitte findest du hier.

 

2. Daytrading Indikator: Widerstand und Unterstützungen

Zu den bekanntesten Hilfsmitteln im Daytrading gehören einfache Widerstands- und Unterstützungslinien. Auch, wenn es keine klassischen Indikatoren sind, möchte ich dir dieses einfache Konzept nicht vorenthalten – denn es funktioniert (für mich).

Ähnlich wie bei den Moving Averages können Widerstands- und Unterstützungslinien ein mächtiges Werkzeug sein. Sie verdeutlichen solche Zonen im Chart eines Assets, bei denen der Kurs in der Vergangenheit nicht weiterkam. Ein Aufwärtstrend (Widerstand) oder ein Abwärtstrend (Unterstützung) wurden dort gestoppt.

Ich kann Widerstände und Unterstützungen mit horizontalen Linien kennzeichnen, in dem ich die Hoch- und Tiefpunkte, die auf das selbe Preislevel fallen, verbinde, oder alternativ einen ganzen Trendkanal einzeichnen (siehe Bild).

Widerstand und Unterstützung

Auch hier macht es Sinn, mehrere Zeiteinheiten abzugleichen. Wer nur im 5 Min-Chart unterwegs ist, kann unter Umständen nicht sehen, ob ein geplanter Trade zum Scheitern verurteilt ist, weil ein massiver Widerstand, sichtbar im 4 Stunden-Chart, nicht beachtet wurde.

Ich selbst nutze Widerstände und Unterstützungen, um Zielzonen für meinen Take Profit und meinen Stop Loss zu finden. Damit kann ich das Ergebnis meiner Trades maßgeblich optimieren.

Einen ausführlichen Beitrag zu Unterstützungen und Widerständen findest du hier.

 

3. Daytrading Indikator – Fibonacci Retracements

Fibonacci Retracements sind ein ebenfalls beliebtes Mittel im Day- und Swingtrading. Der Name „Fibonacci“ stammt vom gleichnamigen Erfinder und Mathematiker, der im Mittelalter lebte. Die Fibonacci-Zahlen sind eine der bekanntesten Zahlenfolgen. Sie fangen mit 0 und 1 an, und dann ist jede Fibonacci-Zahl gleich der Summe der beiden vorhergehenden Fibonacci-Zahlen.

Für Trader und Investoren sind die Fibonacci Retracements interessant, da sie relativ zuverlässig Wendepunkte im Kursverlauf anzeigen können. Als Trader können wir das nutzen, in dem wir auf Abpraller, genau wie bei Widerstands- und Unterstützungslinien, vorbereitet sind.

In der Praxis nutze ich dieses Tool wenn der Kurs eines Basis eine lange Strecke in eine Richtung (Long oder short) absolviert hat. Er befindet sich dann irgendwann in einer Korrektur zu dieser Langstrecke. Mit Hilfe der Fibonaccir Ebenen suche ich im Chart nach Bereichen, an denen der Kurs nun wieder drehen könnte.

Es gibt drei wichtige Marken, die von großer Bedeutung sind. Neben 38,2% sind es sowohl 50% als auch 61,8%, die vom Markt Beachtung finden. Trader positionieren sich gerne dort, wo wieder mal zwei wichtige Indikatoren zusammenlaufen. Im nachfolgenden Chart ist das der Bereich um das 50er Retracement, da auch hier der EMA200 verläuft.

Trade Einstieg

Als Trader spekuliert man an dieser Zone mit einem Abpraller. Dort können Short Trader (Teil-)Gewinne realisieren und Longtrader neu einsteigen.

Wenn du mehr über Trading mit Fibonacci Retracements erfahren möchtest, hilft dir dieser Beitrag hier.

 

4. Daytrading Indikator: Der Trend

Er ist der wohl bekannteste Indikator unter Tradern und Investoren, da er für viele Investments mit unterschiedlicher, zeitlicher Betrachtung genutzt werden kann. Ein Trend im Börsenhandel bezeichnet ein Muster historischer Kurse in einem Basiswert. Der Trend kann in der Regel in drei Richtungen verlaufen:

  • Long (Aufwärtstrend)
  • Short (Abwärtstrend)
  • Neutral (trendlos)

Anhand von einfachen Trends erkenne ich, wie die Stimmung in einem Asset ist. Die goldene Regel im Trading: „Follow the trend.“ Die Preisentwicklung in einem Basiswert wechselt immer wieder zwischen Trends, volatilen Phasen und trendlosen Phasen. Das kannst du im nachfolgenden Chart erkennen.

Trading Trend Chart Aktie

Trends treten in jeder Zeiteinheit auf. Du wirst sie im 1-Min Chart aber auch im Wochenchart erkennen und deinen Tradingstil entsprechend ausrichten. Doch wann positioniert man sich?

Es bringt dir nichts, wenn der Trend schon weit fortgelaufen ist, denn du weißt ja, dass jeder Trend einmal ein Ende hat. Gleichzeitig ist die frühe Spekulation á la „hier könnte doch jetzt ein Trend entstehen“ gefährlich. Es kommt also auf das Timing an. Mehr dazu findest du hier in diesem Artikel.

5. Daytrading Indikator: Pivot Points

Die Pivot Punkte werden sowohl von privaten als auch institutionellen Tradern gerne verwendet, wodurch diese Marken natürlich von vielen Marktteilnehmern beobachtet werden und sich dadurch an diesen Punkten gute Chancen ergeben.

Pivot Punkte sind ebenfalls Unterstützungs- bzw. Widerstandslinien im Chart. Dabei gibt es einmal den  Haupt-Pivot-Punkt und zusätzlich noch jeweils zwei weitere Unterstützungs- und Widerstandslinien. Diese Unterstützungslinien sind im Chart als S1 und S2 eingezeichnet. Die Abkürzung „S“ steht für „Support“ (Unterstützung). Die Widerstandslinien sind im Chart als R1 und R2 eingezeichnet. Die Abkürzung „R“ steht für „Resistance“ (Widerstand).

Diese Punkte markieren einen Wendepunkt, in welchem das technische Sentiment von bullish zu bearish wechselt, bzw. umgekehrt.

Auch kann man die Punkte nutzen, um mit einem Blick eine grobe Einschätzung der aktuellen Marktlage zu erhalten. Dabei deutet ein Kurs oberhalb des Haupt-Pivot-Punktes darauf hin, dass das aktuelle Sentiment eher bullish ist. Wenn der aktuelle Kurs sich unterhalb des Haupt-Pivot-Punktes befindet, so ist die Tendenz eher bearish.

Bricht der Basiswert durch den Pivot Punkt nach oben aus, so interpretiert man dies als ein bullishes Signal, wenn er nach unten durch den Pivot Punkt ausbricht, wird dies genau umgekehrt gewertet und als bearishes Signal interpretiert.

 

Die oben genannten Unterstützungs- und Widerstandslinien (S1, S2, R1 und R2) können zum Beispiel dafür verwendet werden, sich vor einem Trade Marken für die Stop Loss bzw. Take Profit Platzierung herauszusuchen. Hier gibt es einen detaillierten Beitrag über Pivot Points.

 

Daytrading Indikator 6: Relative Strength Index (RSI)

Der Relative Strength Index ist ein Indikator aus dem Segment der Oszillatoren. Dargestellt wird der RSI in einer Kurve, die Extremwerte zwischen 0 und 100 annehmen kann. Besondere Bedeutung haben dabei die Werte 30 und 70.

Allgemein spricht man bei einem RSI kleiner 30 von überverkauftem Zustand und bei einem RSI größer 70 von überkauft. Ein Durchschreiten der 30 signalisiert, dass der Basiswert bisher von Verkäufern dominiert wird und eine baldige Erholung des Kurses möglich sein kann.

Im umgekehrten Fall rechnet man mit Rückschlägen, sobald der RSI die obere Markierung bei 70 durchbricht. Auch hier sollte der Indikator als Orientierung für den Trader dienen und nicht zwingend ein Handelssignal generieren.

In diesem Bild sehen wir sowohl einen Trendkanal, als auch im unteren Bereich den RSI Indikator. Wer den Verlauf des RSI mit dem tatsächlichen Kurs (hier: Dow Jones) vergleicht, sieht dass der RSI durchaus ein Vorläufer für den Markt sein kann. Ebenso sieht man auch, dass eine zu frühe Positionierung Geld kosten kann, besonders beim Trading mit Hebel.

Ich nutze diesen Indikator ab und an, um zu prüfen, ob sich ein Swingtrade noch lohnt, oder ob in kurzer Zeit mit einer Korrektur zu rechnen ist. Dann warte ich diese ab.

 

Fazit:

Daytrading Indikatoren sind Fluch und Segen zugleich. Sie vermitteln einen Eindruck von Sicherheit, die es leider nicht gibt. Speziell Tradingeinsteiger stützen sich gerne auf Indikatoren und machen diese zum zentralen Parameter ihrer Trading Strategie. Wenn eine Reihe an indikatorbasierten Trades schief geht, sucht man den nächsten Indikator. Es droht ein Teufelskreis.

Dieser Beitrag hat dir gezeigt, wie Indikatoren in ein Trading System implementiert werden sollten und welche Indikatoren ich in meinem Handelsansatz nutze.

In der Tat sind es oft die einfachen Indikatoren, wie Trends, Widerstände und Unterstützungen, die am besten funktionieren. Ich selbst nutze sie zur Optimierung der bestehenden Trades und nicht zur Begründung eines Trades. Dafür müssen nämlich marktrelevante News vorliegen, die das Sentiment beeinflussen.

Wie ich dabei täglich vorgehe, zeige ich dir in meinem Webinar. Dort lernst du, wie und wann ich trade, welches Ergebnis ich in der Regel erziele und wie du das ebenfalls nutzen kannst.

Jetzt Newstrading Webinar ansehen

 

Bis gleich im Webinar!

Tim

 

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here