Ein Flash Crash an der Börse vernichtet regelmäßig Existenzen. Was genau passiert bei einem Flash Crash und wie kann man sich schützen?

 
 
Es ist wieder passiert. Ein Flash Crash im Great Britain Pound. Der Kurs stürzte am 07.10.2016 um 1.00 Uhr deutscher Zeit, also zu Beginn des Asienhandels, um mehr als 6% ab.

Nun könnte man meinen 6% Kurssturz sind an der Börse doch leicht zu verkraften. Generell ist das nicht falsch, doch wenn man bedenkt, dass am Forexmarkt in LOT gerechnet und mit teils exorbitant hohem Hebel gehandelt wird, dann sind 6% eine heftige Größenordnung.

Für so eine Strecke benötigen die Major Währungspaare in der Regel Wochen und Monate.

Damit ist ein Flash Crash der Alptraum eines jeden Traders, sofern man auf der falschen Seite steht. Ein Schritt Richtung finanzieller Unabhängigkeit, wenn man auf der richtigen Seite steht.

Und wenn man gar nicht investiert ist, kann es einem eigentlich ziemlich egal sein.
 
 

Doch was genau ist ein Flash Crash an der Börse?

 
Bei einem Flash Crash handelt es sich um einen sekunden- bis minutenschnellen Absturz eines Assets wie einem Währungspaar, einer Aktie oder einem Index. Oftmals erholen sich die Werte von den Kursstürzen noch am selben Tag.

Der Auslöser für solche Börsencrashs sind oftmals Algotrader, die große Verkaufsorders auslösen. Der Prozess des Absturzes beschleunigt sich durch das Eintreffen neuer Algotrader, deren Algorithmen das ungewöhnliche Volumen erkennen und auf den Zug aufspringen.

Durch den sekundenschnellen Absturz haben „manuell“ agierende Trader kaum eine Möglichkeit, ihre Positionen zu retten. Ebenso werden nach und nach die Stopps der Long-Trader gezogen, sodass auch dadurch wieder Verkaufsorders ausgelöst werden.
 
 

Beispiele für vergangene Flash Crash

 
Der berühmteste Flash Crash passierte am 06.05.2010 im Dow Jones. Innerhalb von 20 Minuten sank der Index um 1000 Punkte und erholte sich danach wieder völlig.

Am 07.10.16 kam es zu einem Flash Crash im Forexpaar GBP/USD. Das Ereignis passierte um 1.00 Uhr deutscher Zeit. Um diese Uhrzeit ist der Markt trotz des 24h Handels eher ruhig, da die Big Boys aus London und New York fehlen. Gerade diese Illiquidität führte den Absturz ins Extreme.

Anbei einmal der Chart:

Flash Crash

 

Man sieht anhand der Proportion der enormen 1h-Kerze zu den anderen Kerzen, welche unnormale Volatilität vorherrschte.

Die gelben Linien markieren die sogenannten Double-Zero-Level. Diese Zonen fungieren zu „normalen“ Zeiten oft als Unterstützungs- und Widerstandszonen. In diesem Fall wurden sie schlichtweg ignoriert.
 
 

Warum ist ein Flash Crash gefährlich für private Trader?

 
Der oben aufgeführte Chart zeigt schon ansatzweise, wie es Longtradern während eines Flash Crash ergeht.

Ein Rechenbeispiel so das potenzielle Desaster für einen Trader verdeutlichen.

Nehmen wir an, ein privater Trader handelt mit seinem Trading Konto am Forexmarkt. Er handelt durchschnittlich 1 Lot. Zur Erinnerung: 1 Lot sind 100.000 Geldeinheiten, die bewegt werden. Er hinterlegt eine geringe Margin als Sicherheitsleistung, die Differenz erhält er vom Broker.

Stellen wir uns nun vor, er ist im Währungspaar GBP/USD Long gewesen mit 1 Lot bei einem Kaufkus von 1,2650.

Sofern er keinen Stop Loss und keinen Hedge gewählt hat, war er der vollen Wucht des Flash Crashs ausgesetzt. Wie sah sein Kontostand im Tiefpunkt bei ca 1,1500 GBP/USD aus?

Der (Buch-)Verlust bei 1,1500 läge bei -11.120 EUR. Sofern er nicht über ein Eigenkapital in gleicher Höhe verfügte (was ich nicht hoffe auf Grund der Lot-Zahl), vollzieht der Broker mit Sicherheit den Margin Call.

Infolgedessen kommt es zur automatischen Glattstellung der Position durch den Broker und der Trader sitzt auf dem Verlust. Das ganze ist umso ärgerlicher, wenn man sieht, dass der Kurs Minuten oder Stunden später wieder das Ursprungslevel erreicht.

Sofern das Konto ins Minus gerutscht ist, muss der Trader sogar noch den Ausgleich zahlen (Nachschusspflicht).

Leider ist auch ein Stop Loss oder ein Hedge keine Garantie für ein glimpfliches Ende im Falle eines Flash Crash. Denn je nach Intensität und Schnelligkeit, wird der SL zwar gezogen, aber erst mit dem nächsten gehandelten Kurs verrechnet.

Erinnern wir uns an das Desaster im Schweizer Franken im Januar 2015, wissen wir was passieren kann (trotz SL). In diesem Fall ist ein privater Trader in die Privatinsolvenz gerutscht.

Abschließend noch ein paar Worte zum Mysterium „Fat Finger„.

Ein Fat Finger kann die Ursache für einen Flash Crash sein. Auf Grund des stetig wachsenden High-Frequency Trading ist der Fat Finger eher seltener anzutreffen.

Bei einem Fat Finger (übersetzt: Fetter Finger) handelt es sich um eine Fehleingabe in der Orderabwicklung. Ein Trader einer Bank oder eines Hedgefonds, der die Möglichkeit hat, sehr große Volumen zu handeln, vertippt sich bei der Ordereingabe und handelt ein exorbitant hohes Volumen.

Zu den bekanntesten Beispielen zählt ein Vorfall aus dem Jahr 2006, als ein Fehler von einem Händler bei Mizuho Securities in Japan den Broker mit einer übergroßen Short-Position beauftragte, sodass dieser umgerechnet einen Gegenwert von 40 Milliarden Yen abzuwickeln hatte.
 
 

Fazit

 
Ein Flash Crash vernichtet jedes Mal ein enormes Vermögen. Leider sind Hedging oder Stop Loss nicht immer eine saubere Lösung, da es durch negative Slippage zu äußerst schlechten Ein- bzw. Ausbuchungen kommen kann.

Das wirksamste Mittel zum Schutz vor einem Flashcrash ist wie immer das eigene Risikomanagement.

Die Kurse erholen sich oft genauso schnell wieder wie sie zunächst gefallen sind. Wer diese extremen Szenarien in sein Risikomanagement einrechnet und demnach seine Positionsgrößen wählt, kann einen Flash Crash idealerweise aussitzen.

Die eigene Positionsgröße sollte also so gewählt sein, dass ein 6-10% Absturz in einem Währungspaar oder in einem Index schadlos überstanden werden kann, ohne das der Broker die Position zwangsauflöst.

Andererseits könnte man aber doch auch in jedes Währungspaar eine Buy-Order ca. 5% unter den aktuellen Kurs legen und wäre somit ein Gewinner des Flash Crash, oder? 😉

 

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2 KOMMENTARE

  1. ein interessanter und logischer Ansatz mit der buy-order 5% unter dem aktuellen Kurs. Gibt es evtl. Langzeitstatistiken, aus denen hervorgeht, bei welchen Währungspaaren oder Indices solche flash-crash’s am häufigsten vorkommen? Das wäre natürlich sehr hilfreich.

  2. Gibt es bestimmt, liegen mir gerade nicht vor. Ich glaube aber nicht, dass es schon die nötige Relevanz mitbringt. Zumal dieses Thema erst durch den Algo-Handel gekommen ist und daher wahrscheinlich noch nicht genug Datenmaterial vorliegt, um realistische Annahmen bzw Prognosen treffen zu können.

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