Das Trading Risikomanagement ist unglaublich wichtig für eine erfolgreiche Trader Karriere. Hier zeige ich dir 5 Tipps, wie du dein Risikomanagement erfolgreich berechnen und anwenden kannst.

 
 
 
Eine altbekannte Regel aus dem klassischen Börsenhandel lautet: „Verluste begrenzen. Gewinne laufen lassen.“

Wenn das immer so einfach wäre…

Speziell im Trading müssen wir zu jederzeit das Risiko für unser Portfolio einschätzen und kontrollieren können.

Wir müssen wissen, wie viel ich bei dem anstehenden Trade maximal verlieren darf und wie groß die Chance auf einen potenziellen Gewinn ist.

Dafür gibt es nützliche Tools, die ich dir heute vorstellen werde und die dein Trading Risikomanagement optimieren können.

Bevor wir damit starten, möchte ich erst mit einer grundlegenden Frage beginnen.
 
 
 
 

Warum brauche ich überhaupt ein funktionierendes Risikomanagement?

 
Risikomanagement gibt es nicht nur im Trading, sondern in nahezu allen Firmen dieser Welt.  Wikipedia formuliert es unter anderem so:

Risikomanagement ist nach der Norm ISO 31000: 2009 eine Führungsaufgabe, im Rahmen derer die Risiken einer Organisation identifiziert, analysiert und bewertet werden. Hierzu sind übergeordnete Ziele, Strategien und Politik der Organisation für das Risikomanagement festzulegen.“

In einem Unternehmen gilt es, interne und externe Risiken zu minimieren bzw. geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den potenziellen, monetären Schaden aus einem Ereignis, niedrig zu halten.

Das Trading Risikomanagement befasst sich im Grunde mit einer identischen Zielsetzung.

Im Trading ist unser Konto bei jedem eingegangenen Trade einem Risiko ausgesetzt. Da wir Derivate handeln sind die folgenden Risiken maßgeblich:
 
 

  • Marktrisiko: Das Marktpreisrisiko entsteht durch die fortlaufende Veränderung von Preisen/Kursen eines Assets, wie Rohstoffe, Forex, Aktien, etc. Wenn ich Long im DAX bin und der DAX aber fällt, dann verringert sich mein Kontostand. Bei Anleihen drückt sich das Marktpreisrisiko primär durch das Zinsrisiko aus.
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  • Liquiditätsrisiko: Bei Unternehmen ist mit dem Liquiditätsrisiko eine drohende Zahlungsunfähigkeit gemeint. Im Trading ist damit jedoch ein ausgetrockneter Markt gemeint. Wenn ich in einer Währung, einer Aktie, etc. kaum Angebot und Nachfrage habe ist mein Liquiditätsrisiko hoch, da ich entweder einen schlechten Kurs oder sogar gar keinen gestellt bekomme.
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  • Emittentenrisiko: Wenn der Broker in die Insolvenz rutscht, habe ich ggf. die Sicherheit der Einlagensicherung, doch die greift nicht in unbegrenzter Höhe und ob das Geld zeitnah erstattet wird, ist zweifelhaft.

 
 
Man könnte jetzt noch ergänzen, dass der Trader als Person ebenfalls ein tägliches Risiko für sein Konto darstellt. Das drückt sich in der Regel durch Emotionen wie Angst, Gier und mangelnde Disziplin aus.

Hauptsächlich werden wir uns aber mit dem Marktrisiko beschäftigen, denn das ist allgegenwärtig und kann über einfache Tipps & Tricks beim nächsten Trade bereits drastisch reduziert werden, wogegen die Tradingpsychologie tendenziell längere Entwicklungsphasen fordert.

Ein sauberes Trading Risikomanagement ist zwingend notwendig, um das Marktrisiko kalkulieren zu können. Das wiederum ist wichtig um das eigene Konto vor großen Verlusten zu schützen. Wie das geht, schauen wir uns gleich an.
 
 
 

Welche Parameter kann ich im Trading Risikomanagement steuern?

 
Wir können zwar keine Börsenkurse vorhersagen, doch wir können unser Chance-Risiko-Verhältnis für einen Gewinntrade beeinflussen. Oft helfen uns Indikatoren der Charttechnik zur Optimierung von Trade Einstieg und Ausstieg.

Doch auch das ist keine Garantie auf konstante Gewinne. Da wir bei jedem Trade davon ausgehen müssen, dass wir Geld verlieren werden, müssen wir jede einzelne Position vorsichtig kalkulieren.

Ich gebe dir den Tipp, alle Trades gedanklich gleich zu behandeln. Auch die vermeintlich „sicheren“ Trades sollten nicht mit höherem Risiko eingegangen werden.

Der Parameter, der dieses Risiko in erster Linien bestimmt, ist die Positionsgröße.

Viele Tradinganfänger scheitern an zu hohen Positionen. Ebenso wissen viele überhaupt nicht, wie viel Geld sie bei einer bestimmten Positionsgröße gewinnen oder verlieren können. Diese Unwissenheit bzw. Faulheit wird regelmäßig bestraft. In letzter Konsequenz mit dem Margin Call des Brokers.

Im weiteren Verlauf gebe ich dir nun 5 Tipps an die Hand, die du bei der Erstellung deines Trading Setups berücksichtigen kannst.
 
 
 

1. Welche Positionsgröße wähle ich im Trading?

 
Diese Frage habe ich bereits ein paar Mal beantwortet, deshalb möchte ich für alle neuen Leser nur kurz darauf eingehen.

Es gibt im Trading die 1% Regel. Diese Regel besagt, dass man pro Trade nur 1% seines Kontokapitals riskieren sollte. Wenn ich das berücksichtige, könnte ich mir theoretisch 100 Fehltrades am Stück leisten, bis das Konto „leer“ wäre.

In der Praxis lege ich meinen Stop Loss also an die Stelle, wo ich bei einer Positionsgröße x einen in EUR umgerechneten Verlust erreiche, der 1% meines aktuellen Kontostands widerspiegelt. Nun kann man darüber streiten, ob es exakt die 1% sein müssen, oder ob man eine gewisse Ungenauigkeit zulässt.

Auf jeden Fall dient die 1% Regel als Orientierung für jeden Trade.
 
Positionsgröße Hebel

Mache dir klar, dass die einzelnen Parameter zusammenhängen und von dir als Trader festgelegt werden müssen.
 
 
 

2. Trading Risikomanagement mit einem Positionsgrößenrechner

 
Je nachdem, welches Finanzinstrument du handelst, helfen dir kostenlose Positionsgrößenrechner zur Bestimmung der „optimalen“ Positionsgröße.

Für den Forexhandel nutzen wir einen Pip-Rechner. 1 Pip ist die kleinste Veränderung des Fx-Paares.  Bei den meisten Paaren ist das die 4.Stelle hinter dem Komma, bei den JPY Paaren die 2.Stelle hinter dem Komma.

Auf investing.com findet man den Gewinnrechner, über den ich ebenfalls die optimale Positionsgröße ausrechnen kann, da ich hier ermittele, wie viel EUR ich bei einem geplanten Trade gewinne oder verliere. Hier geht es zum Gewinnrechner.
 
Gewinnrechner Forex
 
Um den Rechner nutzen zu können, musst du die Umrechnung von LOT in Einheiten kennen. 1 LOT sind 100.000 Einheiten, 0,01 LOT sind 1.000 Einheiten.

Damit kannst du nun im Chart nach einem Bereich für einen Stop Loss und ein Take Profit suchen. Wenn du diese Marken festgelegt hast, schaust du mit welcher Positionsgröße du den Trade eingehst, um die 1% Regel abbilden zu können.

Als Ergänzung für diese Kalkulation biete sich auch der Pip-Rechner an. Dort findest du die monetäre Veränderung pro Pip für viele FX-Paare. Hier geht es zum Piprechner von investing.com. 
 
 
 

3. Muss das CRV immer positiv sein?

 
Es gibt Trader, die sich immer an exakte Prozentsätze im Risikomanagement halten. Da sind zum einen diejenigen, die immer exakt 1% riskieren und solche, die immer ein festes Chance-Risiko-Verhältnis von z.B. 2:1 anstreben.

Meines Erachtens entscheidet der Markt bzw. der Chart, wo ich meinen Stop Loss und mein Take Profit hinlege. Demnach habe ich auch mal Trades, in denen das CRV negativ ist.

Das nachfolgende Bild verdeutlicht diesen Gedankengang.
 
Forex Chart Einstieg
 
Wenn ich hier am blauen Kreis einen Einstieg wähle, weil ich von einem Rebound am Moving Average ausgehe, im grünen Kreis mein Take Profit sehe und im roten Kreis meinen Stop Loss, dann habe ich für diesen Trade ein negatives CRV.

Den ca. 200 Pips Gewinnpotenzial stehen hier ca. 400 Pips Verlustpotenzial gegenüber. Doch obwohl ich hier mehr verlieren als gewinnen kann, könnte dieser Trade Sinn machen. Eben dann, wenn ich eine starke Marktmeinung auf Basis des vorliegenden Sentiments oder anderer Umstände habe.

Sofern ich bei allen meinen Trades ein negatives CRV von 1:2 habe, kann ich trotzdem erfolgreich traden und in Summe Kontozuwächse erreichen, wenn ich eine Gewinnquote > 2 habe. Dann würde ich z.B: bei 3 Gewinntrades und 1 Verlusttrade trotzdem mehr gewonnen als verloren haben.

Es gibt also auch flexible Ansätze im Rahmen des Risikomanagements, die aber in Summe wiederum zu mehr Gewinnen als Verlusten führen müssen.

Auf Godmode-Trader gibt es dazu auch einen passenden Blogbeitrag.
 
 
 

4. Orientierung an der durchschnittlichen Handelsspanne

 
Es gibt Trader, die im DAX ein Ziel für einen Trade bei +500 Punkten anvisieren. Der Stop Loss liegt bei 100 Punkten, also ein positives CRV.

Nach einigen Stunden werden sie dann aber nervös, weil der Trade gerade mal eine Tagesspanne von 50 Punkten absolviert hat und sie erklären den Trade für gescheitert. Selbst wenn sie 10 Punkte vorne liegen.

Schade, denn eigentlich ist nichts verloren und die Ausgangsbasis hat sich nicht wirklich verändert.

Der Fehler liegt hier in der falschen Erwartungshaltung. Der DAX bewegt sich nämlich selten um 500 Punkte am Tag. Ein Daytrade ist mit einem solchen Ziel nicht vereinbar. Ein Swingtrade schon eher, aber halt mit der Perspektive von mehreren Tagen oder Wochen.

Du kannst dir bei der Zielsetzung für einen Trade helfen, in dem du dir die durchschnittlichen Handelsspannen für diverse Zeiteinheiten anschaust.

Wenn du Daytrader bist und zum Ende des Handelstages „flat“ sein willst (also den Trade geschlossen), dann kannst du dich an der täglichen Handelsspanne orientieren.  Das zugehörige Tool nennt sich Average Daily Range.

Es gibt die ein oder andere Charting Software, die die ADR automatisch abbildet, andererseits kann man aber auch den Chart begutachten und aus 30-40 Kerzengrößen den Mittelwert überschlagen.

Wenn du weißt, wie viel Punkte oder Pips ein Wert durchschnittlich an einem Handelstag absolviert, dann kannst du auch ungefähr einschätzen, wie realistisch dein anvisiertes Ziel ist.

Ausnahmen bilden natürlich volatile Ereignisse wie Zinsentscheide von Notenbanken.
 
 
 

5. Der persönliche Rumrutschfaktor im Trading

 
Diesen Begriff habe ich das erste Mal bei Michael Voigt aufgegriffen. Er bezeichnet einen mentalen Faktor, der sich in Geld ausdrückt und bei jeder Person unterschiedlich ist. Man könnte ihn auch Wohlfühlfaktor nennen.

Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, ab welchem Buchverlust (in EUR) du nervös wirst? Welche Minusbetrag ist für dich schmerzhaft?

Nehmen wir an, 2 Trader haben beide ein 10.000 EUR Konto. Beide gehen Long im DAX mit 3 CFDs bei 12.000 Punkten. Der DAX fällt kurz darauf auf 11.150, Buchverlust -150 EUR.

Trader A ist ruhig und kümmert sich nicht besonders viel um den aktuellen Buchverlust.

Trader B ist bereits nervös und hat Angst, dass der aktuelle Verlust bald bittere Wahrheit wird. Er rutscht nervös auf seinem Bürostuhl hin und her. Bei -50 Punkten fühlte er sich noch gut, kurz darauf begann die Nervosität.

Was lässt sich aus diesen Gedanken schließen?

Wir erkennen, dass Trader A einen persönlichen Rumrutschfaktor hat, der irgendwo über 150 EUR liegt. Bei Trader B liegt dieser Wert definitiv unter 50 EUR.

Wenn der persönliche Rumrutschfaktor erreicht ist, wird der Trader zunehmend nervöser und neigt zu emotionalen Entscheidungen. Das sind häufig Fehlentscheidungen!

Damit du ruhig und unemotional handeln kannst, musst du deinen persönlichen Rumrutschfaktor bestimmen. Auch das ist Teil des Trading Risikomanagements, denn dieser Faktor geht in die Überlegungen mit ein, welche Positionsgröße die richtige ist.
 
 
 

Fazit:

 
Das Ziel eines jeden Traders muss in erster Linie immer der Schutz des Kontos sein. Es geht im Trading nämlich nicht um die großen, sondern um die konstanten, kleinen Gewinne.

Das Trading Risikomanagement ist einer von vier Schlüsselfaktoren, die du auf deinem Weg zum erfolgreichen Trader zwingend berücksichtigen musst.

Die heutigen Tipps zu Positionsgrößenrechner, CRV, Handelsspanne und Rumrutschfaktor beleuchten das Thema Risikomanagement einmal von einer anderen, als der in Lehrbüchern üblichen Methode. Kurzum: Sie sind praxisnaher!

Nimm dir ausreichen Zeit für die Entwicklung deines Risikomanagements. Du wirst es nicht bereuen!

Dabei wünsche ich dir viel Erfolg!

 

 

 

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