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Trading Short-Attacken von Hedgefonds: Chance oder Risiko?

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Viele Hedgefonds üben regelmäßig Short-Attacken auf einzelne Unternehmen aus. Wie kannst du als Trader diese Attacken erkennen und sogar profitieren? Dieser Beitrag zeigt es dir.

Immer wieder kommt es an den Börsen zu Attacken von Hedgefonds auf einzelne Unternehmen.

Diese sogenannten „Short-Attacken“ verursachen bei einem Großteil der Privatanleger meist einen großen Schaden, zunächst durch Buchverluste, später dann möglicherweise durch einen panischen Verkauf auch real.

Aber sind diese Attacken der Hedgefonds immer „gerechtfertigt“ oder ergeben sich dadurch vielleicht auch gute Kaufgelegenheiten?

An einem von mir persönlich erlebten Angriff auf eines meiner Aktieninvestments möchte ich dir gerne berichten und zeigen, dass Ruhe und Disziplin das wichtigste in solchen Fällen sind.

Doch zunächst einmal, wie erfolgt überhaupt so ein Angriff und wie profitieren die Personen, die für diese Short-Attacke verantwortlich sind davon?

Wir gehen gleich näher auf die Frage ein, müssen aber erst einmal das Basiswissen auffrischen.

Was ist überhaupt ein Leerverkauf?

Ein Leerverkauf erfolgt nach diesem Schema (vereinfacht):

1. Der Leerverkäufer leiht sich die Wertpapiere auf deren Kursverfall er setzen möchte.
Diese Wertpapiere bekommt er von einem Verleiher (oft Banken, Broker etc.). Bei dem Verleih wird eine Leihgebühr vereinbart und der Termin zu welchem die Aktien spätestens zurückgegeben werden müssen.
2. Anschließend verkauft der Leerverkäufer die geliehenen Aktien und erhält im Gegenzug den Wert der Papiere.
3. Nach einem Preisverfall deckt der Leerverkäufer sich wieder mit den zuvor verkauften Wertpapieren ein.
4. Der Leerverkäufer gibt die geliehenen Wertpapiere an den Verleiher zurück. Seine Rendite ergibt sich aus der Differenz aus dem Verkaufskurs und dem Kurs zu dem die Aktien wieder erworben wurde abzüglich der Provision für den Verleiher.

Hedgefonds Short-Attacken

Quelle http://boerse.ard.de

Beispiel (vereinfacht):

Der Leerverkäufer leiht sich 1000 Aktien einer Firma deren Kurs aktuell bei 100€ steht. Die vereinbarte Leihgebühr beträgt 1% des Gesamtvolumens.
Der Verleiher erhält also 1.000€ an Provision. Der Leerverkäufer verkauft die Aktien sofort und erhält die 100.000€.

Wenn beispielsweise die Aktie auf 90€ fällt kann er die 1000 Aktien für 90.000€ zurückkaufen und gibt diese anschließend vor Ende der Leihfrist zurück. Er bezahlt also zunächst 1.000€, bekommt durch den Verkauf 100.000€ und für den Erwerb bezahlt er nochmal 90.000€.

Dadurch hat er -1.000€ (Provision) + 100.000€ – 90.000€ = 9.000€ (= 9%) verdient.

Ein Hedgefonds greift an

Eine Aktie die in der Vergangenheit immer mal wieder gerne von Hedgefonds unter Beschuss genommen wurde und schon viele Angriffe aushalten musste, ist die des TecDax Konzern Wirecard.

Ich bin selber schon einige Jahre Aktionär von Wirecard und würde euch im folgenden gerne schildern was an diesem Tag passiert ist, wie ich es miterlebt habe und mich letztendlich dazu entschied diesen Angriff als Kaufchance zu nutzen.

Der letzte große Angriff auf Wirecard erfolgte am 24.02.2016. Ein Researchhaus namens „Zatarra“ hat an diesem Tag eine 101 Seiten lange Studie veröffentlich. Auf diesen Seiten haben die Zatarra Analysten festgehalten, was Sie an der Bilanz und der Struktur von Wirecard stört. Auffällig hierbei war schon, dass die Autoren anonym blieben und niemand wusste, von wem diese Studie wirklich kam.

In dem Bericht war u.a. von
– Geldwäsche
– Bilanzmanipulation
– Beteiligung an illegalem Glücksspiel
– Korruption die Rede.

Zitat: „Wegen des signifikanten Risikos einer Strafverfolgung durch US-Behörden, von Strafzahlungen sowie der Beendigung der Geschäftsbeziehungen durch Visa und MasterCard, sehen wir Wirecards Firmenkapital als wertlos an“.

Als Kursziel gaben Sie einen Wert von 0€ an. Die Aktie hatte den Handel an diesem Tag bei etwas unter 43€ begonnen. Das Durchschnittliche Kursziel der Analysten von Banken wie Goldman Sachs, JP Morgan, Warburg Research, etc. lag bei etwa 55€.

Es ist nicht so, dass ich Kursziele für meine Kaufentscheidungen mit berücksichtige, aber in diesem Fall gaben sie mir ein wenig Rückendeckung wenn die Analysten von etwa 15 bekannten Großbanken sich auch mit dem Unternehmen beschäftigt haben und es positiv bewerten.

Eigene Wahrnehmung des Angriffs

An dem besagten Tag war ich mit einem Freund unterwegs und habe zufällig mal einen Blick auf meine Watchlist geworfen um mir einen groben Überblick zu verschaffen.

Da sah ich wie es bei Wirecard immer weiter am blinken war und der Kurs nach und nach einbrach. Zunächst waren es -8%, ein paar Sekunden später waren wir bei -10%. Wieder ein paar Minuten vergingen und wir standen bei gut -20%. Mit jedem neuen aufblinken des Kurses stand dieser plötzlich ein gutes Stück tiefer. Der Höhepunkt war dann bei etwa -25% erreicht.

Ich habe sofort versucht über sämtliche Seiten im Internet und Apps herauszufinden, was da gerade vor sich geht. Zunächst konnte ich jedoch nichts finden. Im Hinterkopf die ganze Zeit die Gedanken was ich mit meiner eigenen Position am besten machen soll. Aber solange ich keinen Grund für diesen Abverkauf kannte habe ich mich geweigert zu handeln.

Nach ein paar Minuten kamen dann die Nachrichten. Händler aus Frankfurt berichteten, dass dieser Absturz auf Grund der oben genannten Studie von Zatarra erfolgte. Man hörte erste Worte von der veröffentlichten Studie und den Vorwürfen samt dem genannten Kursziel von 0€.

Was jedoch sofort einige, mich eingeschlossen, stutzig machte war die Tatsache, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch nie jemand den Namen „Zatarra Research“ zuvor jemals gehört hatte.

Selbst Google hatte keinen einzigen Treffer angezeigt bei dem dieser Name auftaucht der weiter zurückliegt als wenige Tage vor Veröffentlichung dieses Artikels.

Die Website von Zatarra auf der der Bericht veröffentlicht wurde, wurde genau eine Woche zuvor am 17.02.2016 von einer unbekannten Agentur registriert.

Es war damals die Erste und bis heute einzige Studie die jemals von diesem Research-Haus veröffentlicht wurde.

Im Disclaimer dieser Studie geben die Herausgeber sogar noch bizarrerweise zu, dass der Leser annehmen solle, dass Zatarra wohl über Positionen verfügt, die „von einer Bewegung der in diesem Report besprochenen oder erwähnten Aktie profitieren werden“.

Nachdem man versucht hat die Beratung ausfindig zu machen, fand die Financial Times heraus, dass die zur Beratung gehörende LLC wohl auf den Britischen Jungferninseln registriert wurde. Dies war aber nur eine Vermutung, da die Offshore-Inselgruppe kein durchsuchbares Handelsregister hat.

Auch haben verschiedene Medien versucht Kontakt zu Zatarra aufzunehmen und Anfragen gestellt. Bis heute ohne Erfolg.

Die Aktie von Wirecard die morgens noch bei knapp 43€ eröffnete stand mittlerweile bei etwa 32€, was einen Verlust von etwa -25% entsprach und das in wenigen Minuten.

Hedgefonds

Finale Entscheidung zum Kauf

Aber was wusste ich zu diesem Zeitpunkt?

Ein bis dahin vollkommen unbekanntes Research-Haus, deren Homepage eine Woche zuvor online ging, das bis zu dem Zeitpunkt nicht eine einzige Studie veröffentlich hat, die auch noch zugeben von Unterstellungen und daraus resultierenden Kurseinbrüchen zu profitieren, veröffentlicht eine Studie mit wilden Unterstellungen und gibt ein Kursziel von 0€ aus….

Für mich waren das alles Gründe nicht auch noch meine Aktien auf den Markt zu schmeißen, sondern dieses „Event“ zu nutzen und mich mit mehr Aktien zu einem wunderbaren Preis einzudecken. Ich habe meine Position an dem Tag mehr als verdoppelt.

Ganz nach Warren Buffett: „Gute Gelegenheiten kommen nur unregelmäßig. Wenn es Gold regnet Stelle einen Eimer raus und keinen Fingerhut“

Noch etwas bestärkt bei dieser Kaufentscheidung hat mich weniger die Tatsache, dass der CEO und CFO von Wirecard den Vorwürfen sofort widersprochen haben (mal ehrlich, was sollen sie auch anderes machen?!) sondern dass der CEO sofort eigene Aktien im Volumen von mehreren Millionen Euro gekauft hat.

Dies hat nochmal das Vertrauen des CEO in sein eigenes Unternehmen gezeigt, denn wenn er wüsste, die zuvor genannten Vorwürfe stimmen und es wird wirklich u.a. Geldwäsche betrieben, würde er wissentlich sein eigenes Geld verbrennen.

Im Nachhinein war es bis heute eine meiner besten Entscheidungen an der Börse und ich habe dadurch selbst eine wichtige Lektion gelernt.

Selbst wenn an den Märkten oder bei einzelnen Unternehmen Panik herrscht muss man sich immer zuerst darauf besinnen, die gegebenen Fakten zu sortieren und richtig einzuordnen.

In diesem Fall: was sind die Vorwürfe? Von wem kommen sie? Wie stichhaltig sind die aufgeführten Argumente und wie reagiert letztendlich der Beschuldigte?

Natürlich war es zunächst erschreckend mit anzusehen, wie das investierte Kapital mit jeder Sekunde an Wert verlor, aber ich war von meiner eigenen Analyse und Einschätzung dieses Unternehmens überzeugt und habe mich nicht von der Panik und dem zunächst riesigen Buchverlust verrückt machen lassen.

Natürlich muss man seine eigenen Einschätzungen und Wahrnehmungen immer wieder hinterfragen und an die neuen Gegebenheiten und Informationen anpassen.

Ganz wichtig dabei: Natürlich ist nicht jeder Angriff ungerechtfertigt und der Angreifer auf schnellen Profit aus. Es kommt natürlich auch vor, dass die Anschuldigungen der Hedgefonds stimmig sind und ein Kursverfall damit gerechtfertigt.

Ich hoffe, ich konnte dir mit dem Schildern meiner eigenen Erfahrung ein wenig helfen, sofern du zukünftig auch mal in eine ähnliche Situation geraten solltest und von Short-Attacken eines Hedgefonds betroffen bist.

Wenn du mal nachschauen willst, ob vielleicht auch eine deiner Aktienpositionen von einem Leerverkäufer im Moment unter Beschuss genommen wird kannst du das einfach auf der Seite vom Bundesanzeiger recherchieren.

Dort werden alle Leerverkaufspositionen angegeben die größer sind als 0,5% der gesamten Aktienanzahl.

Einfach in der Suchmaske die gewünschte Aktie eingeben und sofort werden dir Informationen zu den jeweiligen Fonds genannt, du kannst die Größe der Position einsehen und dir eine Historie anzeigen lassen um nachzuschauen ob sich die Position vielleicht im Auf- oder Abbau befindet.

https://www.bundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet?page.navid=to_nlp_start

Bist du vielleicht auch schon einmal in der Vergangenheit ein „Opfer“ einer solchen Short-Attacke geworden und wie bist du mit der Situation umgegangen?

Benutze doch einfach unten die Kommentarfunktion zum Austausch!

Grüße Andi

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Andreas
Andreas ist gelernter Bankkaufmann und Analyst bei Tradingfreaks. Seine mikroökonomischen und makroökonomischen Fähigkeiten sind goldwert für Trader und Investoren! Er handelt mit Aktien, CFDs und ETFs. Dabei wird eine Strategie bestehend aus "Buy and Hold" und Aktien-Daytrading auf News-Basis verfolgt.

3 KOMMENTARE

  1. Hallo lieber Andi,
    wie ist es mit deinem Kauf bei Wirecard weitergegangen? Du schreibst oben es war die beste Entscheidung? Was wurde aus der besten Entscheidung? Was hast du gemacht.

    • Hallo Lukas,

      ich hatte meinen kompletten Bestand im Februar/März 2019 verkauft.
      Es gab danach zwar auch nochmal ein wenig höhere Kurse, aber insgesamt war es von der Performance her doch mehr als in Ordnung.
      Ich hatte also zum Glück die letzten rund 1,5 Jahre nichts mehr mit dem Unternehmen direkt zu tun.

      Mir hatte die Öffentlichkeitsarbeit überhaupt nicht mehr gefallen.
      Man agierte nur noch komplett unsouverän und konnte keine Gegenargumente mehr liefern.

      Dazu kam der Gedanke „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“

      Ich habe dann ähnlich attraktive Unternehmen gefunden, welche auch ein gutes Geschäftsmodell für die Zukunft haben.
      Zusätzlich haben diese Unternehmen dann auch noch ein souveränes Management, gute Öffentlichkeitsarbeit und keine ständigen Anschuldigungen.

      Vor allem im Bereich der Finanzen gibt es ja nichts wichtigeres als Vertrauen und dieses Vertrauen hatte bei Wirecard meiner Meinung nach immer stärker gelitten.

      Grüße

  2. Bin aktuell wg. Shop Apotheke beunruhigt – legte sich aber wieder nach diesem Bericht 🙂 Vielen Dank für die Aufklärung!

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