Hier lernst du die wichtigsten Begriffe und Hinweise zu Marktkorrekturen und einem möglichen Aktien Crash kennen.

Das Wiki ist eine Art Vokabelheft, dass dir die Fachbegriffe aus der Börsenwelt erläutert und darüberhinaus hilft, einzelne Marktphasen richtig einzuordnen. Damit triffst du zukünftig (hoffentlich) bessere Entscheidungen.

In den letzten Wochen kam es immer mal wieder zu kleineren Turbulenzen am Aktienmarkt.

In den Medien war schnell etwas von einem „Aktien Crash“ zu lesen. So weit sind wir natürlich noch nicht und es zielte wohl eher darauf ab Leser zu generieren. „Crash“ klingt nun einmal spannender als „Abverkauf“ oder „Korrektur“.

Aber auch ich gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen und Monaten etwas ungemütlicher an den Märkten zugehen wird.

Man muss natürlich sofort dazusagen, dass wir in den letzten Jahren sehr verwöhnt worden sind. Von einigen wenigen Ausnahmen wie dem Brexit oder der Trump-Wahl mal abgesehen, ging es in den letzten Jahren bei sehr geringer Volatilität stetig bergauf.

Die Märkte kannten nur eine Richtung und die Stimmung der Trader, Investoren und Anleger war fast durchweg positiv.

Für den Fall, dass es aber schon bald wieder etwas rauer an den Märkten zugeht, habe ich mich einmal mit den häufigsten Begriffen befasst, welche dann an den Märkten und in den Medien immer wieder auftauchen werden.

Ausverkäufe ein notwendiges Übel?

Ausverkäufe an den Aktienmärkten, wie wir sie in der Vergangenheit immer mal wieder erlebt haben, sind für fast jeden Anleger und die eigene Psyche schwierig.

War es dann nun schon? Kann ich schon erste Positionen aufbauen oder bin ich vielleicht doch noch viel zu früh und es war nur ein erster kleiner Schock?

Aber sie sind ein notwendiges und natürliches Element eines funktionierenden Marktes. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage sowie der Appetit der Investoren nach Rendite treiben Aufwärts- und Abwärtstendenzen gleichermaßen an.

Wir müssen diese Gesetze als Trader und Investoren kennen um entsprechend planen zu können.

Sell-offs, also Abverkäufe, bringen auch immer ein spezielles Vokabular aus der Finanzwelt mit sich. Schnell ist von Volatilität, Leerverkäufen und Crash die Rede.

Und warum schaut die Finanzwelt eigentlich in solchen Phasen immer darauf wie sich die Anleihen(-renditen) verhalten?

Und genau dafür ist der Artikel gemacht.

Dies ist ein kleiner Spickzettel mit einigen dieser Begriffe.

Wenn es also das nächste Mal etwas hektischer an den Märkten zugeht und die ganzen Begriffe auf die Finanzseiten und in den restlichen Medien auftauchen weißt du bescheid und kannst die Aussagen für dich interpretieren.

Noch eine Korrektur oder doch schon ein Crash?

Korrektur:

Einfach ausgedrückt, ist es ein 10%iger Rückgang des Kurses eines Wertpapiers, Marktes oder Indizes von seinem letzten Hoch. Verwechsele es nicht mit einem Crash oder einem schlechten Tag auf dem Markt.

Korrekturen kommen recht häufig vor und können von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern. Aus vielen Korrekturen machen die Medien nur leider immer wieder einen „Crash“.

Natürlich darf man auch hier nicht allzu kleinlich sein.

Im Dow Jones ging es Ende Februar/Anfang März von ca. 26.700 Punkten bis auf ca. 23.140 Punkte abwärts. Dies ergibt prozentual einen Wert von etwa -13,33%. Natürlich kann man es nun trotzdem nicht als Crash oder sonstiges bezeichnen. Es war immer noch eine begründete Korrektur! Also nicht jeder Wert größer 10,1% ist gleich ein Crash.


Quelle: CMC Markets

Crash:

Was ist aber dann ein Crash und wann wäre es „richtig“ davon zu sprechen?

Für einen Crash gibt es viele Beispiele:

Schwarzer Montag: 19. Oktober 1987 Dow Jones brach an einem Tag um knapp 23% ein. Die Folgen der Pleite von Lehman Brothers 2008 oder aber auch der Zusammenbruch des „Neuen Marktes“ Anfang der 2000er.

Ein Crash kann durch viele Ereignisse hervorgerufen werden.

Eine Katastrophe beispielsweise wie die Anschläge des 11. September 2001, Wirtschaftskrisen wie 2008 (Lehman Brothers) oder 2011 (Euro/Griechenland) oder auch der Zusammenbruch einer Spekulationsblase (Tulpen 1637, Telekom Aktie 2000).

Dazu kommt die Panik vieler Anleger die ihr Geld abziehen und „in Sicherheit“ bringen wollen.
Auch hat eine Crash Auswirkungen auf die jeweilige Wirtschaft und kann die dortige Situation noch verschlimmern. Dies ist bei einer Korrektur nicht ansatzweise der Fall.

Quelle: dpa

Volatilität:

Technisch gesehen ist sie ein statistisches Maß, nämlich die Standardabweichung, der Veränderungen (auch Renditen/Returns) für einen bestimmten Basiswert. Den Anlegern dient die Volatilität als Risikomaß.

Die Volatilität ist ein Maß für die Veränderung eines Wertpapiers oder Indizes gegenüber seinen normalen Mustern oder Benchmarks.

An der Börse besteht eine Möglichkeit, diese Volatilität zu messen.

Hierfür wird der VIX (Chicago Board of Options Volatility Index) betrachtet. Wir betrachten die Volatilität als eine Messung der Veränderungsrate, die Unsicherheit oder Risiko widerspiegelt.
In der folgenden Grafik ist der VIX Anstieg in diesem Jahr, speziell Februar/März, sehr gut zu erkennen.

Implizite Volatilität:

Diese bezieht sich auf die geschätzte Volatilität des Kurses eines Wertpapiers und wird in der Regel bei der Bewertung von Optionen verwendet. Im Allgemeinen steigt die implizite Volatilität, wenn der Markt bearish ist, d.h. wenn die Anleger glauben, dass der Kurs des Basiswertes im Laufe der Zeit sinken wird. Umgekehrt sinkt die implizite Volatilität, wenn der Markt bullish ist, also wenn die Anleger glauben, dass der Kurs im Laufe der Zeit steigen wird.

CNBC hat einen eigenen „Fear and Greed“ Index entwickelt in welchem die Volatilität teilweise auch gewichtet ist. Vielleicht für dich eine gute Alternative um die Stimmung an den Märkten im Auge zu behalten: https://tradingfreaks.com/trading-angst-und-gier/

Leerverkauf:
Grundsätzlich ist ein Leerverkauf (Short Selling) eine „Wette“ darauf, dass ein Basiswert sinken wird. Hierbei leiht sich ein Investor beispielsweise Aktien, um diese sofort zu verkaufen.

Er hat durch den Verkauf sofort Geld eingenommen. Sollten diese Aktien nun wirklich fallen, kann er sie später zu einem günstigeren Preis zurückkaufen. Diese Aktien gibt er wieder demjenigen zurück von dem er sie sich geliehen hat. Die Differenz zwischen seinem ursprünglichen Verkaufskurs und dem Rückkaufkurs der Aktien ist sein Gewinn.

Beispiel (vereinfacht):

Er leiht sich eine Aktie die aktuell bei 100€ notiert und verkauft diese sofort.
Als Folge hat er 100€ eingenommen und auf seinem Konto. Nun fällt diese Aktie tatsächlich um 10% auf 90€. Da er noch jemanden die geliehen Aktie schuldet muss er sie natürlich irgendwann zurückkaufen. Er beschließt das 90€ ein fairer Kurs für die Aktie ist, kauft diese an der Börse und gibt sie dem Verleiher zurück. Hierfür muss er von den zunächst eingenommenen 100€, 90€ für die Aktie ausgeben.
Er hat also 100€ eingenommen, anschließend 90€ ausgegeben und hat so einen Gewinn von 10€ erwirtschaftet.

Zu Leerverkäufen sei aber auch sofort gesagt, es ist definitiv keine Strategie für Anfänger.
Da der Leerverkäufer Verluste macht, sobald die Aktie über seinem „Ausleihkurs“ notiert und es bei Kursen nach oben keine Begrenzung gibt, können die Verluste theoretisch unbegrenzt sein.

Circuit Breaker:

Circuit Breaker (auch Volatilitätsunterbrechung) kommen vereinfacht gesagt zum Einsatz, wenn es in zu kurzen Zeiträumen zu volatil und hektisch wird. Sie gönnen den Börsenteilnehmern eine Art Pause.

An der Wall Street gilt es dabei drei Level zu beachten:

Level 1: Fällt der S&P500 7% unter seinen gestrigen Schlusskurs wird der Handel für 15 Minuten unterbrochen.
Level 2: Fällt der S&P500 anschließend weiter und notiert mit 13% unter seinem Schlusskurs folgt wieder eine Pause von 15 Minuten.
Level 3: Wenn der S&P 500 nun noch weiter fällt und 20% unter dem Schlusskurs notiert wird der Handel für den restlichen Tag gestoppt.

Börsen wie die NYSE und die Nasdaq sind manchmal gezwungen, den Schalter umzulegen, wenn ein zu großes Ungleichgewicht zwischen Kauf- und Verkaufsaufträgen besteht. Da immer mehr Geschäfte über Computeralgorithmen abgewickelt werden, können diese Ungleichgewichte häufiger auftreten (Stichwort Flash-Crash).

Diese Maßnahmen kommen zum Einsatz, sobald die Märkte nicht mehr hundertprozentig effektiv arbeiten.

Buy the Dip:

Nach solchen hektischen Phasen ist schnell die Rede von „Buy the Dip“.

Dies ist ein Händler-Begriff für den Kauf von Wertpapieren nach einem Kursrückgang. Primär wenn es keinen ersichtlichen Grund für den Abverkauf der Aktie gibt und diese „nur“ im allgemeinen Marktgeschehen mit abverkauft wurde. Wenn es also keine fundamentalen Gründe gab, sondern rein psychologische.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Brexit gewesen. An diesem Morgen herrschte erst einmal Hektik und Panik da kaum jemand mit dem Ergebnis gerechnet hatte. Die Folge war teilweise die, dass Aktien mit einem zweistelligen Minus eröffneten.

Aber warum sollte der Ausstieg aus der EU bei vielen Unternehmen mehr als ein Zehntel des Wertes vernichten? Zum Teil auch bei Unternehmen die mit dem United Kingdom überhaupt nichts geschäftlich zu tun haben. Es kam was fast schon kommen musste, die meisten Werte erholten sich tagsüber wieder, holten den Großteil der Verluste wieder auf und manche schlossen den Handelstag sogar schon wieder positiv ab.

Inflation:

Kein wirklicher Begriff der Panik, aber auch diese gilt es zu beachten.

Die jüngsten Marktverkäufe wurden zum Teil auf Befürchtungen über eine zu stark steigende Inflation in den USA zurückgeführt.

Einfach ausgedrückt ist die Inflation die Rate, mit der das Preisniveau für Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft steigt. Dies kann die Kaufkraft einer Währung senken.

Die US-Notenbank FED schenkt der steigenden Inflation besondere Aufmerksamkeit, wenn sie die Tagesgeldsätze bzw. die Federal Funds Rate festlegt. Da die FED in letzter Zeit die Zinsen erhöht hat und dies zumindest noch einige Male tun will, verteuert sie so die Fremdkapitalkosten, was das zukünftige Wachstum und damit die Gewinne beeinträchtigen kann.

Das Ziel einer Notenbank ist Preisstabilität. Diese ist von der FED und EZB mit einem Anstieg der Kerninflation (Inflation abzgl. Nahrungsmittel und Energie) auf knapp aber unterhalb von 2% pro Jahr definiert.

Sollten die Inflationsdaten nun positiv überraschen und man ist diesem Ziel näher als angenommen, könnte auch der nächste Zinsschritt schon etwas eher kommen. Auf Grund steigender Zinsen werden alternative und sicherere Anlagen wieder interessanter und Anleger ziehen Geld aus den Aktienmärkten ab.

Anleiherenditen:

Steigende Anleiherenditen werden auch für den Ausverkauf von Aktien verantwortlich gemacht. Da die FED die Kreditzinsen über Nacht erhöht und so die Rendite der US-Staatsanleihen steigt, macht sie diese für große und kleine Investoren attraktiver, die nach einem sichereren und weniger volatilen Ort für ihre Geldanlage suchen.

Die Anleiherenditen sind schon lange sehr niedrig, aber langsam fangen sie an, sich zu erholen und ziehen so mehr Geld an. Dieses Geld muss irgendwo herkommen und man schichtet es aus dem spekulativeren Aktienmarkt um.

Ich hoffe mit diesem kleinen Guide bist du zukünftig gut für die hektischen Phasen an den Märkten gewappnet. Wenn noch irgendwelche Begriffe unklar sein sollten oder du einen kennst der hier erläutert und hinzugefügt werden sollte, nutze einfach die Kommentar Funktion.

Grüße und eine gute Handelswoche
Andreas

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