Wer im Trading erfolgreich sein will, muss die Ziele und Funktionen der Zentralbanken kennen. Besonders im Forexhandel ist dieses Fachwissen wichtig.

 

Trader, die schon ein paar Jahre Erfahrung mitbringen, wissen, dass man ein Währungspaar oder eine Assetklasse nie isoliert betrachten sollte. Währungen, Rohstoffe, Aktien und Anleihen korrelieren mehr oder weniger miteinander.

Zinsen spielen eine große Rolle bei Investitionen und Kapitalverschiebungen. Das wiederum sorgt für Bewegungen im Forex- und Anleihemarkt. Wer entscheidet, ob Zinsen steigen oder fallen? Zentralbanken im Rahmen des Leitzinsentscheides.

Ob eine Zentralbank die Zinsen anhebt oder senkt und damit für Angebot oder Nachfrage in einer Währung sorgt, hängt maßgeblich mit der geldpolitischen Ausrichtung des Instituts zusammen. Wie die einzelnen Ziele der wichtigsten Noten- und Zentralbanken aussehen, erläutere ich dir in diesem Artikel.

Welche Ziele verfolgen die Zentralbanken?

Nach dem sehr ruhigen August ist der September endlich wieder vollgepackt mit Meetings der Notenbanken und weiteren wichtigen Wirtschaftsdaten.

Von der FED und EZB über die RBA bis hin zur BoE haben sämtliche Notenbanken der Major Währungspaare Sitzungen für den kommenden Monat geplant.

Nur was sind eigentlich die genauen Ziele der Notenbanken? Verfolgen alle genau dasselbe Ziel oder gibt es doch wesentliche Unterschiede? Und welche Wirtschaftsdaten werden dabei genau mit welcher Priorität beobachtet und haben damit große Auswirkungen auf die Kurse der einzelnen Währungen?

Ich habe mir dafür einmal genau angeschaut wie die einzelnen Notenbanken Ihre aktuellen Ziele definiert haben und bin dabei doch auf Unterschiede gestoßen. Natürlich verfolgen alle im Allgemeinen das Ziel der Preisstabilität aber wie genau werde ich zu jeder Notenbank einmal hier auflisten.

Ich werde mir im folgenden Beitrag aber auch die etwas exotischeren Notenbanken wie u.a. die SARB, Norges Bank oder Riksbank anschauen.

Insgesamt werden in diesem Artikel die folgenden Währungen behandelt:

Major Währungspaare: EUR, FED, GBP, JPY, CHF, CAD, AUD, NZD

„Exoten“: SEK, NOK, TRY, ZAR

In diesen Währungen liegt das größte Handelsvolumen und die größte Liquidität vor. Das wiederum ist wichtig für Trader.

 

Europäische Zentralbank (EZB)

Beginnen wir einmal mit der Europäischen Zentralbank und dem Euro.

Das primäre Ziel hat die EZB in Artikel 127 Absatz 1 des AEU-Vertrags (Arbeitsweise der EU) definiert: „Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken ist es, die Preisstabilität zu

gewährleisten. “Eine Preisstabilität liegt für die EZB vor wenn die Inflationsrate bei 2,0% p.a. liegt.

Hierzu muss diese aber nicht jeden Monat bei 2,0% liegen, sondern im Durchschnitt auf Jahressicht. Das bedeutet, dass geringe Veränderung auf Monatsbasis, z.B. Werte von 1,9% oder 2,2% nicht dramatisch sind sofern auf Jahressicht alles im grünen Bereich ist.

Hierzu schaut die EZB einmal im Monat auf die Daten des Verbraucherpreisindex (VPI) und dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), welche beide drei Wochen nach Monatsende veröffentlicht werden. Im Harmonisierten Verbraucherpreisindex werden im Vergleich zum „normalen“ Verbraucherpreisindex Ausgaben für selbstgenutztes Wohneigentum, Glücksspiel und die Kfz-Steuer nicht berücksichtigt.

Mit dem primären Ziel der Preisstabilität verfolgt die EZB aber „nebenbei“ noch drei andere Ziele.

Das wären einmal ein „stetiges und ausgewogenes Wirtschaftswachstum“, welches aber nicht genau von der EZB definiert wurde. Ökonomen sehen dies aber bei einem jährlichen BIP-Wachstum von 3-5% p.a. gegeben.

Das dritte Ziel wäre die „Vollbeschäftigung“. Hierfür schaut man auf die Arbeitslosenquote. Da heutzutage eine Quote von 0% nicht mehr zu erreichen sein wird, spricht man in den modernen Volkswirtschaften bei einer Arbeitslosenquote von < 5% von Vollbeschäftigung.

Das vierte und letzte Ziel wäre ein „Außenwirtschaftliches Gleichgewicht“, d.h. ein Zahlungsbilanzausgleich. Ein Zahlungsbilanzausgleich ist dann erreicht, wenn die Importe gleich den Exporten sind und sich beide Zahlungsströme, wie das Wort auch sagt, genau ausgleichen. Hierfür schaut die EZB einmal pro Monat auf die Handelsbilanz der einzelnen EWU-Staaten und der gesamten Europäischen Währungsunion.

Als nächstes betrachten wir die FED und den USD.

 

Federale Reserve (FED)

Die Ziele der FED sind im Federal Reserve Act festgelegt. Als primäres Ziel steht auch hier die Preisstabilität, diese wurde von der FED wie folgt definiert:

„Die Preise gelten als stabil, wenn sich Verbraucher und Unternehmen nicht über steigende oder fallende Preise bei der zukünftigen Planung oder bei einer längerfristigen Kreditaufnahme Sorgen

machen müssen.“ Quelle: www.federalreserve.gov

Auch hier gilt, wie bei der EZB, dass die Preisstabilität bei einer Inflation von 2% p.a. erreicht ist. Das zweite Ziel der FED auf dem Federal Reserve Act ist eine Maximale nachhaltige Beschäftigung

„maximum sustainable employment“.

„Maximale nachhaltige Beschäftigung ist das höchste Beschäftigungsniveau, das die Wirtschaft

unter Beibehaltung einer stabilen Inflationsrate erhalten kann.“ Quelle: www.federalreserve.gov

Ziel Arbeitslosenquote 4,5-5%.

Das dritte und hier auch schon letzte Ziel der FED sind Moderate langfristige Zinsen.

„Wenn die Preise stabil sind, bleiben die langfristigen Zinsen auf moderaten Niveaus, so dass die

Ziele der Preisstabilität und moderate langfristige Zinsen zusammengehen.“

Quelle: www.federalreserve.gov

Die Verweise bei den Zielen der Beschäftigung und Zinsen auf die Preisstabilität verdeutlichen auch noch einmal die Wichtigkeit dieser für die Notenbank.

 

Bank of England (BoE)

Auch hier steht ganz oben und als einziges schriftliches festgehaltenes Ziel auf der Liste die Preisstabilität. Sie ist bei einer Inflation von 2,0% p.a. gegeben. Jedoch räumt die BoE der Inflation dort einen Spielraum von einem Prozentpunkt nach oben oder unten ein.

Sollte die Abweichung von den 2% höher ausfallen ist der Direktor der BoE (aktuell Carney) verpflichtet sich vor dem englischen Schatzkanzler dafür zu rechtfertigen und zu erklären mit welchen Maßnahmen er meint das Ziel zukünftig wieder zu erreichen.

Zur Einhaltung des Inflationsziels werden folgende Daten genauer beobachtet:

  • Arbeitslosenquote
  • Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima
  • Wirtschaftswachstum
  • Häuserpreise
  • Lohnwachstum und Durchschnittsgehälter

 

Nachdem wir in England nur ein Ziel zu definieren hatten geht es auch schon nach Japan und mit der Bank of Japan (BoJ) weiter.

 

Bank of Japan (BoJ)

Auch die BoJ hat nur ein schriftlich festgelegtes, primäres Ziel und zwar auch das, genau du wirst es schon ahnen, der Preisstabilität. Die BoJ hat wie die Mehrheit der Notenbanken der Major Währungspaare auch ihren Zielwert bei der Preisstabilität bei einem Wert der Inflation von 2% p.a. festgelegt.

Hierzu schaut die BoJ sich auch u.a. das Lohnwachstum, die Durchschnittsgehälter und Arbeitslosenquote an.

 

Schweizer Nationalbank (SNB)

Nach dem Ausflug nach Asien geht es auch schon wieder zurück nach Europa, genauer gesagt in die Schweiz wo wir die geldpolitischen Zielen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) betrachten.

Auch diese hat als oberstes Ziel die Preisstabilität, hat aber im Gegensatz zu den bisher kennengelernten Notenbanken den größten Spielraum für diese eingeräumt.

So lautet der Zielwert für die Inflation ≤ 2,0% p.a. Diese darf aber dabei auch nicht ≤ 0% p.a. betragen. Sie hat also einen Spielraum zwischen 0,1-2,0% p.a.

Das zweite Ziel der SNB sind gleich zu dem der EZB ein stetiges und ausgewogenes Wirtschaftswachstum, wobei auch hier kein genauer Zielwert angegeben wurde.

Damit kommen wir auch schon nach Kanada und der dortigen Notenbank der Bank of Canada (BoC).

 

Bank of Canada (BoC)

Hier steht mal wieder die Preisstabilität an oberster Stelle und der Zielwert wurde von der BoC bei rund 2,0% p.a. festgelegt. Auch wird von der BoC ein stetiges und ausgewogenes Wirtschaftswachstum gefordert, wobei auch hier wie bei den anderen Notenbanken mit diesem Ziel kein genauer Zielwert definiert wurde.

Und schon geht es nach Ozeanien weiter und wir schauen uns einmal die Notenbanken an, welche für den Australischen – und Neuseeländischen Dollar verantwortlich sind.

 

Reserve Bank of Australia (RBA)

Starten möchte ich mit der Notenbank aus Australien der Reserve Bank of Australia (RBA). Die RBA verfolgt insgesamt drei Ziele von denen aber auch wieder die Preisstabilität die höchste Priorität einnimmt.

Der Zielwert ist hier etwas höher als für die bisher kennengelernten Volkswirtschaften. So verfolgt die RBA einen Zielwert bei der Inflation von 2-3% p.a. Auch hat die RBA, wie die EZB, das Ziel der Vollbeschäftigung und hat dieses auch der modernen Gesellschaft geschuldet, mit einer Arbeitslosenquote < 5% definiert.

Das dritte und letzte Ziel der RBA ist „Wirtschaftlicher Wohlstand für die Menschen in Australien“. Wobei hier kein Zielwert angegeben ist und auch nicht klar ist, auf welche Wirtschaftsdaten genau geachtet wird.

Ich könnte mir vorstellen, dass man hier auf den Häusermarkt, das Verbrauchervertrauen und auf die Entwicklung der Löhne und Gehälter schaut.

Das war es auch schon für Australien und wir springen einmal rüber nach Neuseeland und zur Reserve Bank of New Zealand (RBNZ).

Reserve Bank of New Zealand

Die RBNZ verfolgt auch das Ziel der Preis- und Währungsstabilität und hat dabei einen Zielwert für die Inflation von 1-3% „über einen mittleren Zeitraum“ festgelegt. Wobei der genaue Zeitraum nicht definiert ist.

Das zweite und auch schon letzte offiziell verfolge Ziel ist die Förderung und Aufrechterhaltung eines soliden und effizienten Finanzsystems.

 

Damit haben wir jetzt auch schon alle Ziele der acht Major-Währungspaare kennengelernt und wissen auf welche Wirtschaftsdaten die Notenbanken achten und welche wir also auch in Zukunft genauer beobachten sollten.

Kommen wir nun noch zu den zu Beginn angesprochenen vier „Exoten“. Starten möchte ich dabei mit den Skandinaviern.

 

Riksbank, Norges Bank, TCMB und SARB

Zuerst haben wir da einmal die Nationalbank aus Schweden die Riksbank.

Diese hat wie auch die Preisstabilität als wichtigstes Kriterium in der Agenda stehen und hat den Zielwert bei der Inflation bei rund 2,0% p.a. festgelegt.

Das zweite Ziel, welches verfolgt wird sobald das erste gegeben ist, befasst sich mit der Förderung und Aufrechterhaltung eines soliden und effizienten Finanzsystems.

Hierfür kontrolliert und reguliert die Riksbank die zu ihr gehörigen Banken und achtet auf die Einhaltung diverser Regeln für diese.

 

Damit geht es auch schon weiter nach Norwegen und der Norges Bank die für die Norwegische Krone verantwortlich ist.

Auch die Norges Bank achtet hierbei zuerst auf die Preisstabilität und hat Ihren Zielwert mit rund 2,5% p.a. angegeben.

Sobald diese Stabilität gewährleistet ist schaut sie als nächstes ihr zweites Ziel einzuhalten.

Dies wäre ein Stabiler Arbeitsmarkt und wurde mit einer Arbeitslosenquote von < 5% festgelegt.

 

Damit kommen wir zum Schluss zu den beiden Volkswirtschaften welche zwar auch die Preisstabilität als höchstes Ziel haben, deren Zielwerte bei der Inflation sich aber am meisten von den anderen abheben.

Starten wir dabei mit der Türkei und der dortigen Zentralbank der TCMB. Die Abkürzung stammt aus der türkischen Übersetzung wo die Zentralbank Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankasi genannt wird.

Diese hat als erstes und einziges festgelegtes Ziel die Preisstabilität und hierbei für die Inflation einem Zielwert von 5% p.a. festgelegt.

Zum Abschluss geht es dann noch einmal schnell nach Südafrika und der dortigen South African Reserve Bank (SARB).

Auch hier hat man die Preisstabilität ganz oben auf der Liste der Ziele stehen und für die Inflation eine breite Spanne von 3-6% p.a. festgelegt.

Als letztes Ziel hat die SARB eine nachhaltige und ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum, wobei auch hier wie in den anderen Volkswirtschaften von offizieller Seite kein genauer Zielwert definiert wurde.

 

Ich hoffe ich konnte dir mit diesem Beitrag die einzelnen Ziele der wichtigsten Volkswirtschaften und Noten-/ Zentralbanken etwas näherbringen und du kennst nun die kleinen aber feinen Unterschiede, vor allem bei den genauen Zielwerten der Inflation. Auch wenn natürlich oberflächlich erst einmal überall Preisstabilität als oberstes Ziel steht, sollte man die genauen Zielwerte kennen, um bei den jeweiligen Veröffentlichungen der Wirtschaftsdaten zu wissen ob es nun eine große Abweichung von den Zielen der Notenbank gegeben hat und ob es dadurch volatil werden kann.

Auch sollte man die sekundären Ziele der Notenbanken im Hinterkopf behalten und in ruhigen Tagen/Wochen in den nur Daten zu diesen veröffentlicht werden und es nicht um Verbraucherpreise geht, bei möglichen volatilen Phasen dabei sein zu können.

Wie man Wirtschaftsdaten und Zentralbankentscheide handeln kann, wird in diesem Beitrag von Tim zum Forex Newstrading genauer erläutert.

Ich wünsche noch eine gute Handelswoche

Grüße

Andreas

 

[ABTM id=4920]

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