Für Trader und Börsianer ist es zu einer Art Droge geworden. Ein Leitzinsentscheid, verbunden mit Meeting Minutes sorgt für hohe Volatilität. Doch wie handelt man diese Veröffentlichungen?

Der monatliche Leitzinsentscheid von relevanten Zentralbanken ist immer wieder ein berauschendes Risikoevent für Trader.

Generell kommt es zu hoher Volatilität. Genau das wünschen sich Trader, denn es ermöglicht schnelle Gewinne (oder Verluste).

Mittlerweile hat die Geldpolitik der meisten Zentralbanken aber dazu geführt, dass der Leitzins auf einem Rekordtief gelandet ist. Der Spielraum ist denkbar klein geworden, speziell wenn man Negativzinsen meiden möchte.

So ist es im Laufe der letzten Jahre zu weiteren Maßnahmen seitens der Notenbanken gekommen, auf die der Markt sehnsüchtig wartet.

Eine dieser marktbewegenden Maßnahmen der Notenbanken ist ein Kommentar, dass zeitgleich (oder mit leichter Verzögerung) zum Leitzinsentscheid veröffentlicht wird.

Die Rede ist von einem Rate Statement oder den Meeting Minutes.

Ganz einfach übersetzt handelt es sich dabei um ein Sitzungsprotokoll.

Die Bank of England und auch die Federal Reserve bedienen sich der Meeting Minutes, um Erläuterungen zu Ihrer Geldpolitik öffentlich zu machen.

Wie oft kommt ein Leitzinsentscheid vor?

Je nach Arbeitsintensität der Zentralbank kommen Leitzinsentscheide und demnach auch Meeting Minutes 8-12 mal pro Jahr vor.

Als Trader müssen wir wissen, ob die Kommentare zur Geldpolitik zeitgleich mit dem Leitzinsentscheid herauskommen oder verzögert.

Die EZB hält Ihre Pressekonferenz beispielsweise 45 Minuten nach dem Zinsentscheid. die Bank of England verkündet den Zinssatz gleichzeitig mit den Minutes und gibt zusätzlich 30 Minuten später eine Pressekonferenz.

Nicht immer kommt es zu klaren Tradingchancen, da die Geldpolitik nicht immer geändert wird oder der Markt bereits viele Nachrichten und Maßnahmen eingepreist hat.

Warum sind Meeting Minutes wichtig für Trader?

Schauen wir uns die letzten Leitzinsentscheide von bedeutsamen Notenbanken wie der BoE oder der FED an, dann konnten wir beobachten, dass der Leitzinsentscheid an sich nur für mäßige Volatilität sorgte, aber das anschließende Kommentar der Geldpolitiker dann doch für stärkere Ausschläge verantwortlich war.

Das liegt einerseits daran, dass der Spielraum bei Leitzinsveränderungen für die Notenbanken immer kleiner wird (zumindest nach unten). Andererseits können die Entscheidungen über Leitzinsänderungen bereits sehr gut vom Markt antizipiert werden.

Und wenn Neuigkeiten oder Nachrichten eingepreist sind, kann es nicht nur zu ausbleibenden Bewegungen in die angedachte Richtung kommen, es kann auch ins Gegenteil führen (z.B. Gewinnmitnahmen).

Die Meeting Minutes geben anders als der Leitzinsentschied, bei dem es nur um die Veröffentlichung einer einzigen Zahl geht, Aufschluss über die Gründe, die zur der aktuellen Entscheidung beigetragen haben, sowie auch einen Ausblick auf die künftige Ausrichtung der Zentralbank.

Da wir an der Börse immer Zukunftserwartungen handeln, ist dieser Ausblick wichtig.

Beispiel:

Würde der Vorsitzende einer Zentralbank in den Meeting Minutes sagen, dass der Leitzins aktuell unverändert bleibt, aber bei der nächsten Sitzung mit hoher Wahrscheinlichkeit angehoben wird, dann hat das in der Regel folgende Auswirkung:

  • Währung des Landes steigt an
  • Heimischer Aktienindex fällt
  • Heimischer Anleihemarkt fällt

Es ist wichtig zu wissen, dass die Marktteilnehmer diese Nachricht über einen potenziellen Zinsanstieg bei der nächsten Notenbanksitzung mit diesem Statement eingepreist haben.

Das heißt nicht, dass das Asset in wenigen Sekunden rapide ansteigt/fällt und danach wieder in die Ursprungslage zurückgeht.

Speziell im Forexhandel sieht man, dass der Markt diese Nachricht über Stunden, Tage oder Wochen verarbeitet (es kommt zu einem Trend), sofern sich das Sentiment nicht ändert.

Wie die Meeting Minutes in der Praxis aussehen, zeige ich dir anhand eines Auszugs vom 03.11.16 auf forexlive.com:

Meeting Minutes

In diesem Fall hat die BoE Ihren Leitzins unverändert belassen, was auf Grund der „Votes“, also der Wahlen von 9-0 eindeutig ausgefallen ist.

Ebenso finden wir in diesem Statement Informationen über die Anleihekäufe (QE). Das interessanteste Kommentar ist aber das folgende:

„…Drops call for further Action by year end (now)…“

Damit ist gemeint, dass die Bank of England ihr ursprüngliches Statement bezüglich weiterer Zinssenkungen oder anderer lockernder Maßnahmen verworfen hat.

Der abschließende Satz „..rates can go in either directions..“ rundet das Bild ab, denn damit ist gemeint, dass es nicht mehr nur zu Zinssenkungen kommen kann, sondern auch zu Zinsanhebungen.

Diese klare Aussage gibt uns sehr gute Tradingmöglichkeiten im Forexmarkt, aber auch im Aktienmarkt, speziell im Indexhandel sind fachlich begründete Trades möglich. Da die Leitzinsen aber stärkere Auswirkungen auf die Währungen haben, bevorzuge ich den FX-Handel.

Wie und wann handeln wir nach Leitzinsentscheiden und Meeting Minutes?

Zunächst einmal ist eine saubere Tagesplanung notwendig. Dazu gehört sowohl eine saubere Analyse der letzten (relevanten) Wirtschaftsdaten, des vorliegenden Sentiments als auch eine Chartanalyse.

Über den fundamentalen Aspekt suche ich mir das Währungspaar aus. Um genauer zu sein suche ich mir zwei Währungspaare. In beiden kommt die Währung vor, dessen Leitzinsentscheid wir erwarten. Bleiben wir beim o.g Beispiel der Bank of England, dann ist der GBP die betrachtete Währung.

Nun benötigen wir noch zwei weitere Währungen, um insgesamt zwei Paare bilden zu können.

Nehmen wir an, dass das aktuelle Sentiment im EUR schwach und im USD stark ist, dann habe ich zwei Währungspaare (EUR/GBP und GBP/USD), die ich als potenzielle Tradingkandidaten für dieses Risikoevent gefunden habe.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie ich dieses Risikoevent handeln kann:

  1. Ich trade in das Risikoevent hinein
  2. Ich trade aus dem Risikoevent heraus

Im Fall 1 gehe ich den Trade VOR der Verkündung, also dem Risikoevent, ein und antizipiere somit die Entscheidung.

Im Fall 2 WARTE ich den Leitzinsentscheid und die Meeting Minutes ab und treffe dann auf Basis der veröffentlichten Daten und Kommentare meine Trade-Entscheidung.

Je nachdem, wie das Event ausgeht und ob der GBP gestärkt oder geschwächt wird, entscheide ich mich dann für eins der beiden Währungspaare.
Ist der GBP stark, nehme ich das Währungspaar mit der schwachen, zweiten Währung und kaufe den Pound. Ist der GBP schwach, nehme ich das andere Währungspaar mit der starken, zweiten Währung und verkaufe den Pound.

Über die Chartanalyse zeichne ich bereits vor dem Trade wichtige Marken wie Unterstützungs- und Widerstandszonen in den Chart, um potenzielle Ein- und Ausstiege zu erkennen.

Abschließend wird festgelegt, ob es sich bei dem potenziellen Trade um einen Scalptrade, Daytrade oder Swingtrade handelt.

Diese Entscheidung wird auch auf Basis der kursbeeinflussenden Faktoren festgelegt. Dazu gehören weitere Kommentare im Rahmen der Pressekonferenz und Wirtschaftsdaten und News zu der zweiten Währung, die im ausgesuchten Währungspaar ebenfalls gehandelt wird.

Fazit:

Leitzinsentscheide und Meeting Minutes geben uns regelmäßige Trading-Gelegenheiten mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis. Je klarer die Aussagen der Notenbanker ausfällt, desto größer ist meine Gewinnchance.

Eine saubere Vorbereitung ist ebenso wichtig, wie das Verständnis  für geldpolitische Zusammenhänge.

Die gute Nachricht: Beides ist für private Trader erlernbar und kann erfolgreich umgesetzt werden!

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Gute Trades!

Tim

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