Tradingfirmen und Banken handeln verschiedene Forexstrategien basierend auf Trading Nachrichten. Als Retail Trader haben wir ebenfalls die Möglichkeit, mit Hilfe von Newsfeeds und Marktanalysen erfolgreich zu traden. Folge diesem Beitrag und du erfährst wie es geht.

 
 
In einer meiner ersten Vorlesungen im Studiengang Banking&Finance behauptete mein Professor, es lohne sich nicht, an den Börsen zu spekulieren, denn alle Marktteilnehmer hätten Zugang zu den selben (legalen) Informationen und das würde sich im aktuellen Kurs widerspiegeln.

Er verknüpfte diese These mit der Theorie der Markteffizienz.

Nach der Theorie der Markteffizienz bzw. effizienter Märkte werden alle Informationen, die für die Preis-oder Kursbildung an der Börse relevant sind, sofort und vollständig in den Kursen eingepreist.

Alle zur Zeit gehandelten Kurse entsprechen ihrem „wahren“ Wert.

Eine logische Schlussfolgerung dieser Theorie ist, dass es niemals zu Blasenbildungen kommen könnte.
 
 

Und nun widerlege ich die These der Theorie effizienter Märkte und sage:

Märkte sind nicht effizient, da ihre Teilnehmer Menschen sind, die nicht rational sondern emotional handeln. Wenn jeder tatsächlich Zugang zu identischen Informationen hätte, bleibt da immer noch die unterschiedliche Entscheidungsfindung.

Zudem gibt es tatsächlich Blasen, denn wir erkennen durchaus Überhitzungen in einem Markt, sind jedoch oft nicht in der Lage, den richtigen Ein-/Ausstieg zu finden.

Die Verwendung von Informationen ist also durchaus unterschiedlich.
 
 

Wie können Trading Nachrichten in den Handel einbezogen werden?

 
Auf unser tägliches Trading bezogen gibt es somit Chancen, aufkommende Trading Nachrichten bzw. Wirtschaftsnachrichten auch nach der Veröffentlichung gewinnbringend zu verwerten.

Wie das funktioniert und welche Möglichkeiten sich bieten, Trading Nachrichten effizient zu nutzen, zeige ich dir im weiteren Verlauf des Artikels.

Wir widmen uns nun wie angekündigt dem Forex Trading.

Forex Trading bedeutet, dass wir zwei Währungspaare gegeneinander handeln. Wenn ich das Devisenpaar EUR/USD handeln möchte, dann kaufe ich EUR und verkaufe zeitgleich USD.

Wer erfolgreich Forex traden möchte, der muss zunächst einmal verstehen, welche Marktteilnehmer es gibt und welche Institutionen Einfluss auf die Wechselkurse haben.

Wir beginnen mit den Marktteilnehmern:

Neben uns kleinen Spekulanten gibt es natürlich noch weitere Teilnehmer mit unterschiedlichen Absichten, die im Haifischbecken „Forexmarkt“ mit schwimmen:
 

  • Zentralbanken
  • Investmentbanken
  • Internationale Konzerne
  • Broker und Hedgefonds

 
Der Devisenmarkt ist wohl der liquideste Markt auf dem man traden kann. Die Handelszeiten sind anders als im Aktienhandel von Montags-Freitags rund um die Uhr möglich. Die Kurse verändern sich also auch in der Nacht.

Wer beeinflusst Devisenkurse?

Den größten Einfluss auf eine Währung haben Zentral- und Notenbanken des jeweiligen Landes bzw. Währungsraums.

Je nach wirtschaftlicher Lage und preispolitischen Zielen dieser Institute ergeben sich Veränderungen am Devisenmarkt. Bei vielen Zentralbanken steht beispielsweise das Inflationsziel von ca. 2% an oberster Stelle. Durch Quantitative Easing oder Leitzinsänderungen kann man dieses Ziel erreichen.

Um den Wechselkurs in eine bestimmte Richtung zu bewegen und eine vermeintliche Marktströmung zu korrigieren, handeln Zentralbanken am Devisenmarkt oder verfassen entsprechende Nachrichten, um die restlichen Marktteilnehmer zu beeinflussen..

Wenn wir die Trading Nachrichten für uns nutzen wollen und im Forexmarkt agieren, müssen wir unbedingt auf die Aktionen und Aussagen von Zentralbanken und deren Mitgliedern achten.

Den größten Einfluss auf eine Währung hat die Veränderung des Leitzinses.

Die meisten Zentralbanker treffen sich dazu zwischen 10-12 mal im Jahr und entscheiden, ob der Leitzins verändert oder beibehalten werden soll.

 
 
Was passiert nun mit der Währung bei einer solchen Maßnahme?
 

  • Leitzinssenkung: Die Währung des Landes wird geschwächt – Der Kurs sinkt
  • Leitzinserhebung: Die Währung des Landes wird gestärkt – Der Kurs steigt

 
Für Trader bieten sich dadurch gute Möglichkeiten, den Anstieg oder Fall einer Währung für Spekulationsgewinne zu nutzen.

Da durch ein solches Event aber nur eine Währung betroffen ist, im Devisenhandel aber immer nur Paare gehandelt werden können, brauchen wir noch eine zweite Währung.

Diese zweite Währung sollte die entgegengesetzte Eigenschaft haben. Das heißt: Rechne ich bei Zentralbank A mit einer Anhebung des Leitzinses (starke Währung), suche ich mir als Gegenpart Zentralbank B mit einer schwachen Währung.

In der aktuellen BREXIT-Lage wäre das starke Paar zum Beispiel USD und das schwache Paar GBP.

Während die FED über Zinserhöhungen nachdenkt (was den USD stärkt), muss die BoE die Wirtschaft durch Quantitative Easing und Zinssenkungen stimulieren. Der GBP wertet also ab.
 
 

Wie kann man wichtige News wie z.B. Leitzinsentscheide handeln?

 
Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man ein solches Notenbank Event traden kann.
 

  1. Trade in das Event hinein
  2. Trade aus dem Event heraus

 
Wenn ich einen Trade in das Event hinein platzieren möchte, dann eröffne ich den Trade einige Stunden/Tage vor dem Event.

Das mache ich, wenn ich mir sicher bin, welche Maßnahme die Notenbank in Kürze ergreifen wird.
 
 
Ein Beispiel:

Heute ist Montag und ich gehe davon aus, dass die Bank of England (BoE) am Donnerstag im Rahmen des Zinsentscheids eine Leitzinssenkung von 0,25 Punkten verkündet. Der Markt hat dieses Event noch nicht vollkommen eingepriesen, da es immer noch Chancen auf eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinses gibt.

Nun verkaufe ich GBP/USD bereits Montagmorgen und gehe davon aus, dass die Markteilnehmer nach mir ebenfalls von einer Zinssenkung ausgehen und GBP im Vorfeld des Events abverkaufen.

Merke: je früher du in einen solchen Trade hinein kommst, desto größer ist der mögliche Gewinn. Dazu musst du auf Grund vorhandener Daten und Analystenstimmen aber auch eine große Portion Selbstvertrauen in diesen Trade haben.

Wo bietet sich ein Exit an?

Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, dann beende den Trade noch vor dem Zeitpunkt des Events. Anderenfalls kann deine Performance durch die hohe Volatilität vernichtet werden (oder aber noch deutlich verbessert, wenn der Kurs weiter in deine Richtung läuft).

Ein weiteres Beispiel vom 01.08.16 zeigt diese Vorgehensweise in der Praxis.

Das gehandelte FX Paar ist AUD/USD. Es wurde eine Zinssenkung der RBA erwartet. Wer morgens einen Verkauf auf dieses Paar getätigt hätte und kurz vor bzw. in den ersten Minuten nach der Verkündung der Zinssenkung) den Trade beendet hätte,  wäre reich beschenkt worden.

Trading news
 
 
 
 
Anhand dieses Charts erkennt man auch, dass ein Trade aus dem Event heraus möglich gewesen wäre. Dabei hätte man die Verkündung des Leitzinses abgewartet und nach Veröffentlichung der Zinssenkung den Trade platziert.

Allerdings entwickelte der Trade sich nicht so wie erwartet. Was war passiert?

Die RBA hat zwar die (erwartete) Zinssenkung verkündet, in der anschließende Rede aber nicht sonderlich viele Informationen über weitere Lockerungen der Geldpolitik, getätigt. Kurzum: Der Markt war nicht sonderlich zufrieden mit den Äußerungen bzw. hatte mehr erhofft.

Hier bietet es sich an, innerhalb der ersten 5 Minuten nach der Veröffentlichung einen Trade zu platzieren, wohlwissend dass die Volatilität in dieser Zeit nicht gerade nervenschonend ist. Hier hilft es einen klaren Plan für den Ein- und Ausstieg zu haben.
 
 

Wie und wo erkenne ich wichtige Trading Nachrichten wie zum Beispiel Zinsentscheide?

 
Um solche Events rechtzeitig zu erkennen und dementsprechend vorzubereiten, benötigen wir einen zuverlässigen Kalender für Wirtschaftsnachrichten.

Kostenlose Kalender mit detaillierten Aufführungen findest du zum Beispiel hier:
 

 
Die Kalender zeigen nicht nur die kommenden Veröffentlichungen von wichtigen Wirtschafsdaten, sondern zeigen auch Entwicklungen und Schätzungen sowie die Relevanz für die Märkte an.

Es gehört zur Pflicht eines jeden Traders, täglich in den Kalender zu schauen, bevor man mit dem Trading beginnt.

Neben Notenbank Events gibt es noch eine weitere Möglichkeit, Trading Nachrichten zu nutzen.
 
 

So funktioniert Daytrading mit Wirtschaftsdaten und Newsfeed

 
Notenbank Events stellen mit Sicherheit das Highlight einer Trading Woche dar, da eine hohe Volatilität gegeben ist und neue Tradingchancen entstehen.

Aber meistens steht von den bedeutenden Notenbanken (und nur diese interessieren uns) nur 1 Zinsentscheid pro Monat auf der Agenda und insgesamt somit nur 1-2 Events pro Woche.

Zum Glück gibt es noch weitere Ereignisse, die eine gesunde Volatilität erzeugen und uns die Möglichkeit geben, Trades sinnvoll zu platzieren.

Auch hier ist eine saubere Vorbereitung mit dem Wirtschaftskalender notwendig.

In dem nachfolgenden Beispiel sieht man den Kalender von tradingeconomics.com. Die wichtigen Events sind um die Uhrzeit herum rot markiert.

Wirtschaftskalender
 
 
 
Hier interessieren wir uns für die GB Inflationsrate um 10:30 Uhr. Da das übergeordnete Bild zu diesem Zeitpunkt bärisch für den GBP ist, versuchen wir einen Shorttrade zu platzieren.

Dazu brauchen wir noch ein starkes (oder zumindest neutrales) Währungspaar als Gegenpart. Damit haben wir ein FX Paar, das wir traden werden.

Wir warten nun auf die Veröffentlichung der Daten und hoffen dabei auf eine starke negative Abweichung zur gestellten Prognose.

Beispiel: Wenn die Inflationsrate anstelle der prognostizierten Rate von 0,6% nur bei <0,2% liegt, dann erwarten wir einen fallenden GBP.

Warum? Weil ein Wert <0,2% weit vom Ziel der BoE von 2% entfernt liegt und man somit mit weiteren Maßnahmen seitens BoE rechnen kann, mit denen die Währung geschwächt wird.

Hier geht es darum, nach der Veröffentlichung schnellstmöglich in den Markt zu kommen (innerhalb der ersten 5 Minuten) oder aber nach einem erfolgten Rücklauf per Fibonacci Retracement oder Widerstandszonen zu einem günstigeren Preis einzusteigen.

Man kann auch beide Strategien kombinieren in dem man zwei Trades platziert. Einen sofort und den Zweiten nach möglichem Rücklauf.
 
 

Fazit:

 
Day- oder Swingtrading mit Hilfe von Trading Nachrichten bietet sich vor allem im Forexmarkt an. Zinsentscheide von Notenbanken oder ähnliche Risk Events bieten hervorragende Möglichkeiten für Trader.

Es ist nicht so, dass nur Algotrader auf Grund ihrer unmenschlichen Schnelligkeit eine Chance haben. Die Auswirkungen eines solchen Risk Events sind auch Minuten, Stunden, Tage… nach der Veröffentlichung noch handelbar (Fakes sind natürlich auch hier möglich).

Eine saubere Vorbereitung ist hier sehr wichtig und ebenso das makroökonomische Verständnis, wie Ziele und Maßnahmen der Notenbanken und das Funktionieren von Volkswirtschaften.

Ein Tipp:

Auf bloomberg.com findest du täglich kostenlose und vor allem professionelle Artikel zu makro- und mikroökonomischen Themen. Dadurch erhältst du mit der Zeit ein gutes Gespür für das Sentiment an den Märkten und gesunde Einschätzungen zu potenziellen Maßnahmen der Notenbanken.

 

 

 

 

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2 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    ich habe Ihren Bericht gelesen und fand ihn sehr interessant und Hilfreich. Vorallem die im Fazit gennante Seite bloomberg.com ist sehr interessant. Gibt es solch eine Seite mit mikro- und makroökonomischen Artikeln auch auf Deutsch, welche Sie mir empfehlen könnten?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Info.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christof Raumer

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