Welche Trading Zeiteinheiten sind optimal? Ist es der 5 Minuten-Chart, der 4-Stunden-Chart oder doch ein ganz anderer? Hier erfährst du, welche Zeit zu deinem Tradingstil passt

Die gewählte Trading Zeiteinheit beeinflusst die Trading Strategie eines Traders und damit auch die Gesamtperformance.

Was genau ist mit Trading Zeiteinheiten gemeint?

Dabei geht es nicht um die Dauer eines Trades, sondern um die Charteinstellung. Wenn du in deinem Broker-Konto nachschaust, dann wirst du beim Öffnen eines Charts mehrere Zeiteinheiten wählen können. Mit einem Klick verändert sich das Bild des Charts.

Welche sind die gängigen Trading Zeiteinheiten?

Jeder Broker bietet unterschiedliche Skalierungen an, wobei die gängigen Zeiteinheiten die folgenden sind:

Tick-Chart, 1-Min-Chart, 5-Min-Chart, 10-Min-Chart, 15-Min-Chart, 1-Stunden-Chart (1h), 4-Stunden-Chart (4h), 1-Tages-Chart, 1-Wochen-Chart, 1-Monat-Chart.

Der Tick-Chart bildet jeden neuen Tick einzeln ab. Jeder neu gehandelte Kurs wird also in einer eigenen „Kerze“ abgebildet. Wobei es halt keine Kerze im klassischen Sinne sondern nur ein Strich oder Punkt ist.

Der Tick-Chart ist also die kleinste wählbare Zeiteinheit. So sieht das Ganze beispielsweise bei ETX-Capital aus:

Trading Zeiteinheit

Ich muss gestehen, dass ich bisher nie einen Trade auf Grund von Formationen im Tick-Chart eröffnet habe. Da ich auf Kerzenformationen achte, würde mein Daytrading Setup hier keine Signale liefern.

Der 5-Minuten und der 15-Minuten-Chart sind die beliebtesten Zeiteinheiten von Daytradern. Hier lassen sich bereits zuverlässige Trends und Widerstände erkennen und auch der ein oder andere Indikator kann wertvolle Signale liefern (z.B. RSI, Fibonacci RT, etc.). Doch auch hier sind noch viele „Fakes“ vorhanden.

Swingtrader nutzen vornehmlich die Stunden-Charts, üblicherweise 1h und 4h. Hier liegt der Zeithorizont nicht auf wenigen Minuten sondern einige Stunden bis hin zu ein paar Tagen. Swing-Trader nehmen gerne eine komplette Trendbewegung mit und nicht nur einen Ausschnitt (Scalp).

Was sind übergeordneter und untergeordneter Trend im Trading?

Von einem übergeordneten Trend spreche ich, wenn es in meiner gewählten Zeiteinheit noch „höhere“ Zeiteinheiten gibt. Zum Beispiele handel ich gerne im 15-Minuten Chart. Dann sind alle niedrigeren Zeiteinheiten untergeordnet (Tick-Chart bis 5-Min-Chart) und alle höheren Zeiteinheiten (15-Min, 1h, 4h,…) übergeordnet.

Wichtig zu wissen ist, dass der Trend im 5 Minuten-Chart zwar Short sein kann, aber im übergeordneten Trend (weiterhin) Long.

Du musst verstehen, dass die Zeiteinheiten voneinander abhängig sind.

Wenn du am liebsten im 10-Min-Chart handelst, dann macht es trotzdem Sinn, den 1-Min-Chart parallel geöffnet zu haben, um einen möglichen Ein-oder Ausstieg besser treffen zu können.

Trends kündigen sich immer in der niedrigeren Zeiteinheit an und gehen dann (bei Fortsetzung) in die übergeordnete Zeiteinheit über.

Zu jeder Zeiteinheit gibt es, mit Ausnahme von Tick-Chart und Monatschart, einen oder mehrere unter- und übergeordnete Zeiteinheiten.

Ebenso macht es Sinn, vor einem Trade-Einstieg, die übergeordnete Zeiteinheit zu betrachten.

Zeiteinheit 4h-Chart

Hier sieht man in der oberen Bildhälfte den 10-Minuten-Chart des FTSE 100 (hier UK100).

Der gleiche Markt wird in der zweiten Bildhälfte als 4-Stunden-Chart abgebildet. Die beiden umkreisten Kerzen sind der Tagesverlauf im 10-Minuten-Chart (obere Hälfte).

Der Trend im 4h-Chart ist zweifelsohne Long, wobei es nun nach einer Seitwärtskorrektur aussieht. Im 10 Minuten-Chart habe ich ein wunderschönes Short-Setup, allerdings nur intraday!

Ich hätte intraday also Short handeln können, stelle mich damit aber gegen den übergeordneten Trend (siehe 4h-Chart). Ist das sinnvoll?

Ja, wenn ich intraday scalpe oder die tagesaktuelle Bewegung mitnehmen möchte.

Nein, wenn ich damit bereits als Swingtrader auf eine längerfristige Talfahrt setze.

Natürlich sind das keine Pauschalaussagen, sondern immer nur Wahrscheinlichkeiten. Doch es gibt eine allgemeingültige Aussage, die ich dir hiermit auf den Weg geben möchte:

Die übergeordnete Zeiteinheit ist aussagekräftiger als die untergeordnete Zeiteinheit.

Ich habe daraus gelernt, dass ich meine Ausrichtung (Long oder Short) vor jedem Trade mit der übergeordneten Zeiteinheit abgleiche. Ist der übergeordnete Trend Long, dann handel ich auch in niedrigeren Zeiteinheiten nur Long.

Nun darf man es aber nicht übertreiben und den 5-Min-Chart mit dem Wochenchart abgleichen, sondern beispielsweise:

  • 5-Min: mit 1h oder 4h (Long) oder 1-Min (Short)
  • 1h: mit 4h oder 1T (Long) oder 10-Min (Short)

Dabei handelt es sich nicht um starre Regeln sondern um einfache Praxistipps, die sich mehrfach bewährt haben.

Welche Trading Zeiteinheit ist nun am Zuverlässigsten?

Auch hier gibt es (wie immer im Trading) keine Hop-oder-Top Aussage. Fest steht jedoch, dass die niedrigeren Trading Zeiteinheiten (Minutencharts) eher Fakes zu lassen als die höheren Zeiteinheiten (ab Stundenchart).

Natürlich kann ich mir Oszillatoren und andere Indikatoren im 1-Min-Chart anschauen, aber kann man diesen Informationen wirklich eine relevante Aussagekraft beipflichten? Meines Erachtens nicht.

Auch Unterstützungen und Widerstände schaue ich mir hauptsächlich im Stunden- und Tageschart an, denn dann hatten genug Marktteilnehmer die Möglichkeit, Ihre Trades an diesen Marken zu platzieren und den Kurs dementsprechend zu bewegen.

Letztendlich spielen die Trading Zeiteinheiten eine wichtige Rolle in jedem (Day-)Trading Setup.

Welche Zeiteinheit zu dir passt, hängt generell von deinem eigenen Trading-Stil, deiner Zeit vor den Bildschirmen und dem bevorzugten Finanzinstrument ab.

Viel Erfolg dabei!

Tim

 

 

 

 

4 KOMMENTARE

  1. Vergleiche ich die extrem vielen Anleitungen im Web, die sich alle an absolute Anfänger richten, mit der normalen Schule, so wollen viele selbsternannten Gurus einem Grundschüler in der ersten Klasse das Bruchrechnen mit drei Unbekannten erklären. Hier jedoch, ist alles genau auf den Punkt erklärt, nichts wurde ausgelassen, und man hat alles verstanden.
    Respekt vor einem solchen Talent!
    Ja, Talent. Denn erklären wollen viele, aber können nur wenige. Was man auch an unseren Schulen bei den Lehrern sehen kann 🙁

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