Jeder erfolgreiche Trader hat mit der Zeit seinen eigenen Trading Stil entwickelt und zieht diesen eiskalt durch – Tag für Tag. Wie du deinen persönlichen Stil findest und welche Komponenten zwingend dazugehören, erfährst du in diesem Beitrag.

 

In einem Beitrag über mein erstes Jahr als Trader habe ich dir von meinem größten Fehler erzählt, der mir letztendlich mein Depot zerschossen hat.

Dieser Fehler war einzig auf meine Naivität zurückzuführen. Ich glaubte damals, einem sehr erfolgreichen Daytrader einfach blindlings folgen zu können.

Ich wusste, dass ich meine Depotgröße dementsprechend anpassen musste, hatte aber völlig vernachlässigt, dass seine Strategie ohne StopLoss arbeitete und er offene Positionen eine ganze Zeit lang gegen sich laufen lassen konnte.

Ich konnte das weder von der monetären Seite her aushalten, noch von der mentalen Verfassung. So kam es nach ein paar Monaten zum (beinahe) finalen K.O.
Seitdem habe ich mich mit Hilfe von Fachliteratur sowie der Erfahrung erfolgreicher Trader Stück für Stück zu meinem persönlichen Trading Stil gekämpft, der heute profitabel ausgereift ist und mir nachhaltigen Erfolg ermöglicht.

Zu meinem Trading Stil habe ich aber auch meine mentale Einstellung ändern müssen. Man kann sagen, dass mich das Trading bis heute in meinen  Charaktereigenschaften stark verändert hat.

 

Wie auch du auf der Suche nach dem heiligen Gral vorgehen kannst, zeige ich dir nun im weiteren Verlauf.

Es gibt unzählige Möglichkeiten im Trading. Diverse Assetklassen wie Indizes, Forex, Aktien oder Rohstoffe, zeitliche Komponenten wie Scalping, Swing oder Long Run sowie manueller, halbautomatisierter und vollautomatisierter Handel stehen dir zur freien Verfügung. Ebenso diverse Broker und die unterschiedlichsten Finanzinstrumente.

Der eine sagt dir, „nimm auf jeden Fall die Elliot Wave Theorie als Grundlage“, ein anderer schwört auf RSI und Fibonacci, ein letzter nutzt den „reinen“ Chart ohne irgendwelche Indikatoren.

Und welcher dieser ist nun erfolgreich?

Vielleicht alle Drei, oder keiner!? Jeder Indikator, jede Assetklasse und jede Zeiteinheit lässt Trader siegen oder verlieren. So viel soll dir von vorneherein gesagt sein: Es gibt kein richtig oder falsch, besser oder schlechter!

Generell musst du eine gewisse Zeit aufbringen, um zunächst einmal verschiedene Stile auszuprobieren, zu kombinieren und auch mal wieder über den Haufen zu werfen!

Unterschied Trading Setup zu Trading Stil

Diese Begrifflichkeiten werden gerne vermischt. Es ist aber wichtig, dass du die unterschiedliche Bedeutung kennst. Das hilft dir, sowohl deinen Trading Stil als auch dein Trading Setup zu gestalten.

Wo liegt also der Unterschied?

Beim Trading Setup legst du gewisse Parameter fest, die erfüllt sein müssen, um einen Trade auszuführen. Das können charttechnische Konstellationen in einem Markt sein, wie zum Beispiel eine Kerzenformation, das Berühren der EMA200 im 4h Chart, etc.

Nur wenn die von dir festgelegten Parameter auftauchen und dein Regelwerk erfüllt ist, wird ein Trade ausgeführt – ansonsten eben nicht!

Beim Tradingstil achten wir hingegen auf die zeitliche Ausrichtung eines Trades. Wollen wir den Trade nur für ein paar Pips/Punkte eingehen, dann handelt es sich wahrscheinlich um einen Scalp oder maximal einen Daytrade. Soll der Trade mindestens 300 Punkte oder Pips bringen, dann wird es wohl ein Swingtrade von mehreren Tagen oder Wochen sein.

Um zu wissen, welcher Stil dir liegt, musst du sowohl verschiedene Setups, als auch verschiedene Stile testen.

 

Ich habe den Text bewusst „Wie DU deinen eigenen Stil findest genannt und nicht: „Dieser Stil macht dich reich“.

Denn welches Setup du am langen Ende für dich ausgearbeitet hast, hängt nicht nur von ein paar Zeiteinheiten und Indikatoren ab, sondern vor allem von deiner Psyche, deinen Erfahrungen, deinem Lebensstil, deinen Glaubenssätzen und und und..

Trotzdem möchte ich dir nun einen Strukturplan vorstellen, der dir bei der Stilfindung helfen soll.

 

  • Sammle Erfahrungen in den unterschiedlichsten Märkten und mache bewusst Fehler

Das ist vielleicht nicht das, was du als vollmotivierter Trading-Anfänger hören möchtest, aber du wirst es eh nicht vermeiden können. Was du aber vermeiden kannst ist „Überhebelung“. Mache deine ersten Gehversuche also bewusst mit kleinen Positionsgrößen.

  • Wenn du nach ein paar Wochen sowohl 5-Min Charts als auch 60-Min Charts  und vielleicht auch Tagescharts ausprobiert, den ein oder anderen Indikator verwendet und mehrere Assetklassen getestet hast, dann halte nun für dich fest, welche Zeiteinheit, welche Assetklasse und welcher Indikator dir am ehesten liegen.

Zu diesem Zeitpunkt kann man noch nicht von einem definierten Setup sprechen sondern nur von einer Idee. Du wirst vielleicht eine hohe Affinität zu Forexpaaren entwickeln, während dich einzelne Aktien nicht reizen. Diese Annäherungen sind alle erlaubt und auch wichtig. Sie hängen tief im Inneren mit deinen Überzeugungen und Eigenschaften zusammen, ohne dass dir das zu diesem Zeitpunkt bewusst ist.

  • Du konzentrierst dich fortan auf den oder die Märkte, die dir liegen und entscheidest darüber hinaus, in welcher Zeiteinheit du diesen Markt handeln willst und welche Absicherungsstrategie und welche Indikatoren/Hilfsmittel dazu passen. Ebenso definierst du dein Punkteziel.

Du musst ein Setup finden, welches sich als Regelwerk festschreiben lässt und welches du beständig anwenden kannst. Dabei geht es nicht darum, dass jeder Trade ein Treffer wird, das wird gar nicht machbar sein denn letztendlich entscheidet nur der Markt!

Aber wenn du von 100 Trades bei exakter Regelanwendung deinen Depotwert steigern konntest, dann hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit ein funktionierendes Setup. Du wirst also eine höhere Datenmenge (resultierend aus den Trades) sammeln müssen, um ein finales Urteil bilden zu können.

  • Du hast jetzt ein Grundgerüst geschaffen und musst nun den Feinschliff vornehmen. Anders ausgedrückt: Jetzt perfektionieren wir dein Setup, um die Trefferquote zu erhöhen.

Wenn du dich zum Beispiel für den Handel von Indizes aus dem 5-Minuten Chart mit Hilfe einer 1,2,3 Punktezählung entschieden hast, dann ist es trotzdem unabdingbar, sowohl den 1-Min/Tick-Chart als auch die übergeordnete Ebene (1h/4h-Chart) zur Festlegung eines Trades, hinzuzuziehen. Stelle dir die Frage, ob du wirklich Short gehen willst, wenn der übergeordnete Trend long ausgerichtet ist.

  • Als nächstes sollst du lernen zu verzichten und somit an deiner Disziplin zu arbeiten.

Schaffst du es, mal eine Stunde, einen Tag oder eine ganze Woche lang keinen Trade einzugehen? Ich hoffe es für dich, denn Disziplin ist eine der wichtigsten Fähigkeiten erfolgreicher Trader. Dazu gehört die Disziplin, solange auf dein definiertes Setup zu warten, bis es schließlich auftaucht.

  • Nächster Punkt: Aktionismus vermeiden

Du musst es schaffen, nicht jeden Mist zu traden und vor allem nach einem, zwei, drei,..,sieben verkorksten Trades den Mut und die Tugend zu besitzen, deinem erprobten Setup zu vertrauen und nicht um jeden Preis das gesammelte  Minus wieder ausgleichen zu wollen!

Dann wirst du nämlich irgendeinen Einstieg finden, der überhaupt nichts mit deinem Stil zu tuen hat und der Negativtrend setzt sich mit 100% Sicherheit fort. Stelle dir einfach jedes Mal die Frage: „Was bin ich mir Wert“?

  • Ausgleich finden und bewusst leben

Auch diese Punkte gehören zu deinem Trading Stil. Die meisten erfolgreichen Trader sitzen nicht 17 Stunden vor dem Bildschirm! Der Erfolg definiert sich auch nicht über die Anzahl der Trades. Trading erfordert selbstverständlich hohe Konzentration, aber auch ein 4h-Tag ist machbar, eben je nach Setup. Trotzdem kann auch ein kurzer Trading-Tag so dermaßen schlauchen, dass du dir vorkommst als hättest du einen Marathon hinter dir!

Doch wie findest du Ausgleich zum Trading? Drei Möglichkeiten sind Sport, Yoga, Meditation. Auch durch diese regelmäßigen Tätigkeiten erlangst du Disziplin, die du für dein tägliches Trading brauchen wirst. Zusätzlich solltest du dringend auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten und mindestens 2 Liter Wasser pro Tag trinken.

  • Bücher, Videos, Online Kurse nutzen, um die Kernelemente deines Setups zu verfeinern und deren Wirkungen zu verstehen

Wenn du dich zum Beispiel auf Hilfsmittel wie Fibonacci Retracements konzentrieren willst, dann suche dir die passende Lektüre dazu und erweitere dein Wissen. Lege nicht zuviel Gewicht in die Meinung anderer Trader. Wenn du Short gehst kann ein anderer gerne long gehen. Er hat nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ganz anderes Zeitziel als du.

 

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Fazit:

Die genannten Punkte sind kein komplett ausgereiftes Setup, sondern vielmehr eine Anleitung, wie du deinen Trading Stil finden kannst und welche Hürden du meistern musst.

Nach einer Testphase, in der du verschiedenste Assets, Zeiteinheiten und Indikatoren ausprobiert hast und du deinen Favoriten gefunden hast,  kommt die Phase, in der deine eigene Psyche mit dir macht, was sie will. Das Vertrauen in deine Stärke und Disziplin ist wichtig, um an deinem erprobten Setup festzuhalten.

Lasse dir an dieser Stelle nochmal gesagt sein, dass auch 5-8 Minus-Trades in Folge durchaus vorkommen können und auch dürfen (sofern die Trades auf Basis deines Setups erfolgten).

Lerne in weiteren Schritten, dass Trading nicht nur das „richtige“ Interpretieren von Charts ist, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung, die deinen ganzen Charakter umkrempeln wird. Wenn du diese Herausforderung annimmst und in Demut dem Markt gegenüber agierst, dann hast du sehr gute Chancen, ein erfolgreicher Trader zu werden. Natürlich nur mit DEINEM Setup!

 

 

 

3 KOMMENTARE

  1. Ein interessanter Ansatz! Das Schwierigste wird wie immer sein, die festgelegten Parameter konstant beizubehalten und den Stil bzw das Setup nicht leichtfertig zu verändern.

  2. Hallo Franco,

    du hast vollkommen Recht, Disziplin und Tugend sind schwieriger zu finden als den eigenen Handelsstil. Wünsche dir viel Erfolg dabei!

    Gruß
    Tim

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