Ich zeige dir Ansätze zur Berechnung der Trefferquote im Trading, worauf du achten musst und welches Chance-Risiko-Verhältnis gut ist.

Im Trading gibt es sehr viele Mythen. Viele Mythen führen zu falschen Annahmen und somit zu völlig falschen Herangehensweisen. Das Missverständnisse besonders im Trading zu erheblichen Verlusten führen können, sollte jedem klar sein.

Ich kenne einen Trader, dessen Trefferquote bei 20% liegt. Würdest du einem Trader dein Geld anvertrauen (Social Trading etc.), der nur eine Trefferquote von 20% hat? Ich lasse die Frage noch unbeantwortet und gehe am Ende des Artikels wieder darauf ein. Je nachdem, wie dein Wissenstand aussieht, brauchst du die Erläuterungen und Hinweise aus diesem Text, um die Frage korrekt beantworten zu können.

Zuerst beschäftigen wir uns mit der Frage, was die Trefferquote überhaupt aussagt und wie man sie berechnet.

Anschließend schauen wir uns dann Beispiele aus der Praxis an und gehen auf verschiedene Tradingstile ein.

 

Was ist die Trefferquote im Trading?

Um die Frage zu beantworten machen wir zunächst einen kleinen Exkurs: Nehmen wir an, du spielst Fußball und bist der beste Elfmeterschütze aus deinem Team. Über die gesamte Saison bekommt dein Team 10 Elfmeter zugesprochen. Glücklicherweise verletzt du dich nicht und bist bei jedem Spiel dabei, sodass du die Elfmeter schießen kannst. Die möglichen Resultate sind „Treffer“ und „Kein Treffer“. Nehmen wir an, dass du 7 Elfmeter verwandelst und 3 verschießt. Deine Trefferquote liegt demnach bei 70%.

Ähnlich wie im Fußball wird auch die Trading Trefferquote anhand eines binären Ereignisses ermittelt. Ein „Treffer“ ist erreicht, wenn ein Trade im Gewinn geschlossen wird. „Keinen Treffer“ habe ich, wenn der Trade im Verlust beendet wird.

Der große Unterschied zwischen Treffer im Fußball und im Trading, ist das ein Tor im Fußball immer „1 Tor“ ist. Im Trading habe ich aber die Möglichkeit, einen „schlechten Treffer“ oder einen „guten Treffer“ zu erzielen. Ein schlechter Treffer ist beispielsweise der kleinstmögliche Gewinn von 0,1 Punkten/Pips oder 0,10 EUR. Ein guter Treffer ist theoretisch unendlich hoch, anschaulicher ist es aber, wenn wir ihn hier mit 1000 Punkten/Pips kennzeichnen.

Damit nähern wir uns schon ein wenig der Antwort auf die oben gestellten Frage, ob eine Trefferquote von 20% gut ist. Die Gegenfrage die wir hier stellen können, lautet: Sind die 20% Treffer eher der Kategorie „schlechter Treffer“ oder „guter Treffer“ zuzuordnen? Denn es sollte bereits jetzt offensichtlich sein, dass ein 1000-Punkte-Treffer eine andere Wertigkeit für dein Tradingkonto hat als ein 0,1-Punkte-Treffer (konstante Positionsgröße vorausgesetzt).

 

Wie berechne ich die Trefferquote im Trading?

Um die Trefferquote für deine Trades ausrechnen zu können, benötigst du eine komplizierte Formel… Nein, natürlich nicht. Wie im skizzierten Elfmeter-Beispiel geht es auch im Trading darum, dass Verhältnis zwischen Gewinn- und Verlusttrades zu ermitteln.

Die Formel für die Trading Trefferquote lautet:

Anzahl Gewinntrades / Anzahl Verlusttrades = Trefferquote

Beispiel: 20 Gewinntrades / 8 Verlusttrades = 2,5 Trefferquote (2,5 zu 1)

Du dividierst also die Anzahl der Gewinn- und Verlusttrades und nicht die erzielten Punkte oder Geldbeträge. Es geht hier lediglich um die Ermittlung, ob du mehr Gewinn- oder mehr Verlustrades erwirtschaftest.

Die 2,5 sagt mir, dass auf 2,5 Gewinntrades durchschnittlich 1 Verlusttrades folgt.

Möchte ich die Quote in Prozent berechnen, nehme ich folgende Formel:

Anzahl Gewinntrades / (Anzahl Gewinntrades + Anzahl Verlusttrades) x 100 = Trefferquote in Prozent

Mit den oben genannten Zahlen ergibt sich eine Trefferquote von 71%.

 

Was sagt mir eine Trefferquote von 71%? Nicht viel, außer dass ich bei allen Trades 71% im Gewinn schließe. Kann ich daraus den Erfolg für mein Depot oder Tradingkonto ermitteln?

Nein. Um eine Tradingstrategie hinsichtlich des Erfolgs bewerten zu können, muss ich neben der Trefferquote auch auf das Chance-Risiko-Verhältnis achten. Wie das geht, zeige ich dir jetzt.

 

Was ist das Chance-Risiko-Verhältnis im Trading?

Wir haben bereits festgestellt, dass mir die Trefferquote alleine keine Aussage über den Erfolg einer Strategie ermöglicht. Deshalb nehmen wir das Chance-Risiko-Verhältnis, kurz „CRV“, ins Visier.

Das Chance-Risiko-Verhältnis kann ich bereits ermitteln, bevor ich weiß, ob der Trade im Gewinn oder Verlust geschlossen wird. Ich sollte das CRV schon deshalb vor dem Trade ausrechnen, um zu wissen, wie gut meine Chancen stehen, mit diesem Trade Geld zu verdienen. Wenn ich das weiß, überlege ich mir eher, ob ich den Trade überhaupt eingehe, oder nicht. Erst recht, wenn ich meine Trefferquote kenne.

Beim Chance-Risiko-Verhältnis handelt es sich um den Quotienten (Ergebnis einer Division) aus erwartetem Gewinn und erwartetem Verlust/Risiko. Als Frage formuliert: Mit welcher Wahrscheinlichkeit wird dieser geplante Trade mein Ziel erreichen?

Hierbei ist es wichtig, dass Ein- und Ausstiegsziel, was normalerweise Entry, Stop Loss und Take Profit sind, festgelegt werden. Plane ich zum Beispiel einen DAX Trade und möchte dabei 50 EUR gewinnen, bin aber bereit, 100 EUR zu verlieren, dann liegt mein Chance-Risiko-Verhältnis bei 0,50.

In diesem Fall benötige ich eine Trefferquote von >2, um in Summe ein positives Ergebnis erzielen zu können.  Denn wenn ich zwei Gewinntrades zu jeweils 50 EUR einbuche und dann einen Verlusttrade realisiere, steht meine GuV bei 0 EUR. Ich habe nichts gewonnen und nichts verloren. Die Trefferquote von 2 ist also das mindeste, was ich erreichen muss.

Du siehst, Trefferquote und CRV müssen immer zusammen betrachtet werden. Um dir einen einfachen Einstieg in die Berechnung für deine eigenen Trades zu geben, kannst du die genannten Rechenwege durchführen. Du findest nachfolgend aber auch einen „Spickzettel“, der dir zeigt, welche Trefferquote du bei gegebenem CRV benötigst, um in Summe positive Ergebnisse erzielen zu können.

CRV: 0,50   –  benötigte Trefferquote: 2 zu 1

CRV: 1,00   –  benötigte Trefferquote: 1 zu 1

CRV: 1,50   –  benötigte Trefferquote: 2 zu 3

CRV: 2,00  –  benötigte Trefferquote: 1 zu 2

 

So ließt du den Spickzettel:

„Wenn Take Profit bei 50 Punkten und SL bei 100 Punkten, dann mindestens 2 Gewinntrades notwendig, um 1 Verlusttrade auszugleichen.“

„Wenn Take Profit bei 100 Punkten und SL bei 100 Punkten, dann mindestens 1 Gewinntrade notwendig, um 1 Verlusttrade auszugleichen.“

“ Wenn Take Profit bei 150 Punkten und SL bei 100 Punkten, dann mindestens 2 Gewinntrades notwendig, um 3 Verlusttrades auszugleichen. “

 

Ich kann das CRV natürlich auch anhand des Charts ablesen, sobald ich meinen Entry, mein Stop Loss und mein Take Profit gesetzt habe. Im nachfolgenden Chart siehst du, dass das Buy Limit bei 12558 (Entry), der Stop Loss auf 12458 und der Take Profit auf 12658 gelegt wurden. Es ergibt sich ein CRV von 1,00.

 

DAX Trefferquote

 

Je mehr ich den Stop Loss nach unten ausweite, alle anderen Parameter aber unverändert lasse, desto schlechter wird mein CRV. Je enger ich den SL an meinen Entry ziehe, den TP aber unverändert bei 100 Punkten belasse, desto besser wird mein CRV für den angestrebten Trade.

 

Wie sieht die Trefferquote in der Praxis aus?

Es gibt hier viele verschiedene Ansätze. Man muss sich die berechtigte Frage stellen, wie sinnvoll es ist, den Take Profit und den SL konsequent und immer wieder am CRV und der Trefferquote auszurichten.

Schau dir noch einmal den Chart an. Würde ich bei diesem Trade auf ein CRV von 1,5 setzen, müsste ich entweder den Take Profit um weitere 50 Punkte anheben oder den SL um 33 Punkte. Allerdings würde der SL dann genau an der Unterstützungszone liegen, die der Kurs leicht erreichen kann und von dem ein Rebound wahrscheinlich ist.

Aus charttechnischer Sicht macht es also nicht immer Sinn, bei jedem Trade das gleiche CRV anzuwenden.

Auch wenn viele Trader immer nach dem heiligen Gral oder einer „immer-funktionierenden“ Formel suchen, so gibt es auch hier kein richtig oder falsch. Die Tradingstrategie des Traders muss in sich stimmig sein und diesen Bereich des Risikomanagements abdecken.

Ich selbst achte darauf, dass mein CRV nicht unter 0,5 fällt und im Mittelwert die 1,0 erreicht. Dabei richte ich SL und Take Profit am Chart aus, wie soeben beschrieben. Damit ist auch klar, dass ich eine Trefferquote von > 50% benötige (was auch funktioniert).

Meine Trefferquote beträgt durchschnittlich 70%, was bei o.g. CRV langfristig profitabel ist. Dieses System kannst du von mir lernen. Mehr dazu erfährst du hier.

 

Zum Schluss möchte ich dir noch die Antwort auf die 20% Trefferquote des bekannten Traders geben. Wir haben im Laufe des Artikels gesehen, dass eine Trefferquote ohne Beachtung des CRV kein Messinstrument für den Erfolg des Traders bzw. der Strategie sein kann. Da der erwähnte Trader aber eine Ausbruchshandel-Strategie fährt, die ein CRV von 6 erzielt, ist er damit nachhaltig erfolgreich.

Dazu muss man aber sagen, dass nur die wenigsten mental in der Lage sind, so eine Reihe an Fehltrades zu verkraften und geduldig auf den Gewinntrade zu warten.

Damit du eine verlässliche Aussage zu deiner Trefferquote und deinem CRV machen kannst, musst du:

  1. Beide Indikatoren zusammen betrachten
  2. Eine relevante Anzahl an Trades gemacht haben (z.B. 50)

Analysiere deine Trades regelmäßig und optimiere deine Strategie, sobald du Fehler oder Potenziale erkannt hast.

Mache dir aber auch klar, dass es verschiedene Marktphasen gibt, in denen deine Strategie mal besser und mal schlechter funktioniert. Der Weitblick und die nötige Ruhe sind dabei eine große Hilfe:)

 

P.S: Ohne erprobte Strategie, wirst du nicht profitabel. Hier lernst du die Newstrading Strategie kennen.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Tim,

    mit Freue habe ich deinen Artikel gelesen. Allein schon, dass du am Anfang davon sprichst, dass „viele Mythen“ kursieren, hat mich zum Weiterlesen bewegt 🙂 Genau so sehe ich das auch.

    „Aus charttechnischer Sicht macht es also nicht immer Sinn, bei jedem Trade das gleiche CRV anzuwenden.“

    Einer der wichtigsten Sätze, wie ich finde. Es gibt sehr viele Anfänger, die ihren Stopp und ihr Ziel (unbewusst) völlig falsch setzen. Zum Beispiel setzen sie es statisch. 10 Punkte Risiko, 20 Punkte Ziel = CRV von 2:1, jo passt alles. Das Ganze womöglich noch in völlig verschiedenen Märkten, Stichwort Volatilität. 20 Punkte im S&P sind ja was ganz anderes als im EUR, geschweige denn Bitcoin 🙂

    Liebe Grüße
    David

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