Wer die Markttechnik erfolgreich handeln will findet hier eine einfache 5-Schritte-Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene.

Wenn man im Internet nach einer Definiton für das Wort „Markttechnik“ sucht findet man kaum brauchbares Material.

Um dir trotzdem einen kurzen Überblick zu verschaffen wage ich meine eigene Definition:
Markttechnik ist ein Ansatz im Börsenhandel, der Eigenschaften der technischen Analyse mit dem Fachwissen und dem Verständnis einer Marktstruktur und dem Abarbeiten eines Orderbuchs kombiniert.

Wichtig zu Beginn: Die Markttechnik ist kein starres Regelwerk, nach dem so viele Tradinganfänger verzweifelt suchen.

 

Vielmehr ist die Markttechnik eine Art Framework, das dem Trader zwar einen Rahmen vorgibt, aber den Handel verschiedener Strategien ermöglicht.

Dadurch wird die Markttechnik sowohl für nebenberuflich agierende Trader, als auch für Vollzeittrader mit unterschiedlichen persönlichen und monetären Eigenschaften interessant.

Was mich persönlich an der Markttechnik fasziniert, ist neben all dem sinnvollen Fachwissen die Beschäftigung mit dem Mindset eines Traders.

Trotz des Lesens diverser Tradingpsychologie-Bücher wurde mir erst mit Hilfe der Markttechnik bewusst, das Fehltrades im Trading einfach dazugehören und man sich als Trader nicht immer zu ernst nehmen sollte.

All diese Facetten und Feinheiten der Markttechnik lassen sich unmöglich in diesen Blogbeitrag integrieren.

Was du aber hier und jetzt erfährst ist das Verständnis und die richtige Anwendung der Markttechnik.

Einzelne Strategien nach Markttechnik schauen wir uns in diesem Beitrag ebenfalls an.

Also lass uns mit einer elementar wichtigen Frage starten…

 

Welche Marktteilnehmer gibt es überhaupt im Börsenhandel?

Wenn du diese Frage nicht adhoc beantworten kannst, nimm dir aufjeden Fall die Zeit, diesen Part aufmerksam zu lesen!

Du musst die einzelnen Marktteilnehmer zwingend kennen, um sowohl die Bewegungen in einem Markt verstehen zu können und vor allem antizipieren zu können.

 

Die bedeutendste Frage der Markttechnik lautet:

„Wer kauft nach mir?“

Um ehrlich zu sein baut die Markttechnik auf dieser Fragestellung auf, denn sie entscheidet darüber, ob, wann und wie du einen Trade gemäß Markttechnik-Setup eingehst!

Also lass uns schauen, wer die 3-4 Teilnehmergruppen sind, die uns täglich im „Haifischbecken Börse“ fressen wollen.

  1. Arbitrageur – Der Arbitrageur nutzt Preisdifferenzen eines Assets an unterschiedlichen Börsen. Er handelt i.d.R. Kasse gegen Future und sorgt damit für Liquidität im Markt.
  2. Hedger – Der Hedger sichert sich meistens über Terminkontrakte gegen bestimmte Ereignisse ab.
  3. Strategische Händler – Sie arbeiten Aufträge von Großkunden ab und sorgen für richtig Bewegung im Markt.
  4. Spekulanten – Wir, die kleinen Trader sorgen mit unseren Orders nicht für die große Bewegung, sondern für ausreichend Liquidität im Markt.

Alle Marktteilnehmer haben unterschiedliche Intentionen und dennoch landen alle im selben Orderbuch.

Je nachdem wer am Markt tätig ist, sind die Kurse langweilig ruhig oder eben verdammt volatil. Und ein Unterziel eines jeden Traders sollte es sein, zu wissen wann man im Markt dabei sein will und wann nicht.

Diesem Thema widmen wir uns gleich noch einmal. Jetzt schauen wir uns im nächsten Schritt die drei Formationen der Markttechnik an.

 

Die drei Formationen der Markttechnik:

Wenn du die Markttechnik erfolgreich handeln möchtest, musst du im ersten Schritt die Unterschiede der drei Begriffe Trend, Bewegung und Korrektur kennen.

Ein Trend ist ein andauernder Zustand, der im Börsenhandel long oder short sein kann. Um einen Trend zu erkennen nutzen wir die Charts der einzelnen Basiswerte (z.B: DAX, Gold, Einzelaktie, etc). Ein Chart ist dabei nichts anderes als die vergangenheitsbetrachtete Abarbeitung des Orderbuchs.

Die abgerechneten Kurse werden also im Chart dargestellt.

Ein Trend zeigt mir, ob der Markt in letzter Zeit steigende (long) oder fallende Kurse (short) bevorzugte.

 

Trading für Berufstätige

In diesem Chart sehen wir ausgehend vom lokalen Tiefpunkt (1) den Beginn eines Aufwärtstrends (also long).

Nun nutzen wir dieses Bild auch, um uns den beiden anderen Begriffen Bewegung und Korrektur zu widmen.

Die Bewegung kann ebenfalls Long oder short sein und zeigt in die gleiche Richtung wie der Trend. Im o.g. Bild ist es die Strecke von Punkt 1 zu Punkt 2.

Jede Bewegung und jeder Trend hat aber irgendwann ein zeitliches Ende (wir handeln schließlich an Märkten mit Angebot und Nachfrage). Das Ende einer Bewegung ist der ausgebildete Punkt 2. Gleichzeitig ist das Ende der Bewegung der Anfang der Korrektur.

Die Korrektur sehen wir hier zwischen Punkt 2 und 3. Am Punkt 3 kommt es nun zum Showdown. Wir das Ende der Korrektur mit einer Wiederaufnahme der Bewegung einhergehen? In diesem Fall würde sich der Trend fortsetzen.

Oder geht die Korrektur doch weiter und es wird sogar der gesamte Aufwärtstrend gebrochen? Diese Entscheidung obliegt einzig und alleine dem Markt.

 

Zusammenfassend halten wir fest, dass ein Trend immer aus Bewegung und Korrektur besteht.

Ich kann die Markttechnik erfolgreich handeln, in dem ich den gesamten Trend, die Bewegung oder die Korrektur trade.

Doch bevor wir uns voreilig für eine Tradingstrategie nach Markttechnik entscheiden, müssen wir uns noch den unterschiedlichen Zeiteinheiten widmen.

Welche Zeiteinheit ist die beste im Markttechnik Trading?

Mit Trading Zeiteinheiten sind die unterschiedlichen, zeitlichen Skalierungen im Chart gemeint.

Ich kann in der Regel den 1Min Chart, 5 Min Chart, 15 Min Chart, 1h Chart, 4h Chart, Tageschart, Wochenchart auswählen.

Wir können in jeder Zeiteinheit den Ansatz der Markttechnik erfolgreich handeln, doch nach meinen Erfahrungen sind die höheren Zeiteinheiten wie Stundencharts und Tageschart am zuverlässigsten.

 

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Mit diesem Wissen schauen wir uns nun in 5 Schritten die konkrete Vorgehensweise von Tradeplanung bis Tradeausführung an.

Schritt 1: Trend bestimmen

Bevor wir überhaupt entscheiden, ob wir Trend, Bewegung oder Korrektur handeln möchten, müssen wir erst einmal den Trend bestimmen.

Du fragst dich vielleicht: Ja aber von welchem Basiswert sprechen wir denn? EUR/USD, Apple, oder DAX?

Kurzum: Alle! Dazu aber später mehr.

Um uns von einem x-beliebigen Basiswert den Trend anzuschauen, gehen wir beispielsweise in den Tageschart. Wer schon Fortgeschrittener ist, erkennt den Aufwärtstrend mit bloßen Auge. Anderenfalls hilft die in der Markttechnik übliche Punktezählung 1-2-3 (wie oben erläutert).

Markttechnik erfolgreich handeln

Bei der 1 beginnt die (Long-)Bewegung.

Beim Punkt 2 endet die Bewegung und es folgt eine Korrektur des Aufwärtstrends.

Bei Punkt 3 endet wiederum die Korrektur und die Bewegung hin zum alten Punkt 2 wird wieder aufgenommen. Der Trend ist weiterhin intakt.

Diesen Aufwärtstrend wollen wir nutzen und einen Trade in Longrichtung planen.

Schritt 2: Übergeordneten Trend und untergeordneten Trend abgleichen

Wir haben in Schritt 1 bereits den Tageschart begutachtet und einen Longtrend festgestellt. Um nun einen guten Einstiegspunkt in eine Longtrend zu finden, gehen wir in den Stundenchart.

Auch hier ist der Trend Long. Wir müssen allerdings eine neue Zählung vornehmen, da der Stundenchart grafisch betrachtet ja ein anderes Bild zeigt, als der Tageschart.

Markttechnik Punkte 123

Doch wo positionieren wir uns sinnvollerweise? Im Chart zeigt die grüne Linie unsere Kaufzone. Warum?

Erinnern wir uns noch einmal an die wichtige Frage „Wer kauft nach mir?“. Wir möchten einen Einstieg finden, bei dem anschließend ein schneller und volumenstarker Anstieg erfolgt, damit unsere Position schnell in den Gewinn kommt.

Wenn du dir den Chart anschaust, wo wäre ein solches Szenario möglich?

Es ist das Kursniveau um den Punkt 2 herum.

Warum ist der Punkt 2 so interessant?

Stellen wir uns zuerst einmal vor, wir wären Shortseller in diesem Basiswert und würden auf fallende Kurse spekulieren. Der Einstieg wäre ebenfalls in Reichweite des Punkt 2 (der gierige Charttechniker sieht hier eine Trendwende), aber eben ein Short-Trade.

Wo würde der Shortseller seine Position absichern?

Genau, knapp über dem Punkt 2. Dort legt er einen Stopp Loss in den Markt. Und da diese Marke eine wahnsinnig schöne Anziehungskraft hat, legen noch viele andere Marktteilnehmer dort ihren Stopp Loss hin.

Ach, und was passiert eigentlich, wenn diese Stopp Loss Orders ausgelöst werden?

Richtig, dann werden reihenweise Kauforders „market“ ausgelöst, um den Short glattzustellen.

Damit nicht genug, denn auch die Longtrader wollen (genau wie wir) jetzt in den Markt.

Wir haben im Orderbuch also einen Long-Überhang (market). Schön, oder?

Einen kleinen Haken hat die Sache aber noch: Woher wissen wir, ob wirklich genug Orders an der Stelle platziert werden? Leider haben wir keine Gewissheit im Börsenhandel, aber wir erhöhen unsere Chancen, in dem wir nicht im 5-Min-Chart sondern in höheren Zeiteinheiten suchen.

Trotzdem kann es immer passieren, dass die Big Boys an solchen Punkten ebenfalls die Liquidität wittern und Ihre entgegengesetzten Orders in den Markt geben, sodass kein impulsiver Aufschwung zustande kommt.

Wir haben also nie eine Garantie auf einen Gewinntrade, sondern lediglich ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis!

Schritt 3: Trade planen

Jetzt wollen wir aus dem Stundenchart heraus einen Trade planen.

Bisher haben wir den Einstieg am Punkt 2 bei ca. 3,96 (grüne Linie) geplant. Doch damit wissen wir noch nichts über Stopp Loss und Take Profit sowie den möglichen Trading Stil.

Das Schöne am Markttechnik Trading ist der Handel verschiedener Tradingstile.

Der Scalper wird hier einen Ausbruchshandel bevorzugen, bei dem er die ausgelösten Stopp Orders für einen schnellen Schub nutzen will (10-20 Pips).

Der Daytrader wird die Bewegung hin zu alten Hochpunkten bevorzugen bzw. bis ein neuer Punkt 2 sichtbar entstanden ist.

Der Swingtrader wird hier noch einmal den Tageschart hinzuziehen um sich einen sinnvollen Stopp Loss und ein sinnvolles Take Profit zu suchen.

Das ganze könnte dann so aussehen.

Markttechnik Swingtrading

Du siehst hier, dass der Einstieg und der Stop Loss auf Basis des im Stundenchart festgestellten Punkt 2 und 3 platziert wurde (siehe oben) und das Take Profit auf Basis des im Tageschart sichtbaren Punkt 2.

Es ist sehr wichtig, dass du das Zusammenspiel der unterschiedlichen Zeiteinheiten verstehst und das Risikomanagement auf Basis des Tradingstils festgelegt wurde.

Dieses Beispiel ist ein klassischer Fall für Bewegungshandel als Swingtrade. Für Scalper, die den Ausbruchshandel bevorzugen, habe ich hier einen separaten Beitrag.

Schritt 4: Duplizierbares Setup erstellen

Wenn du weißt, welcher Tradingstil und welcher Markttechnik Trading-Ansatz zu dir und deinen persönlichen Eigenschaften passt, geht es mit den ersten Praxiserfahrungen weiter. Du kannst dieses Setup mit verschiedenen Finanzinstrumenten handeln. Ich bevorzuge dafür CFD & FX.

Wie genau ich täglich vorgehe, um die besten Trading Setups zu finden zeige ich dir in meinem Webinar. Es ist kostenlos und sehr lehrreich!
Trading Webinar

 

Für den Test verschiedener Finanzinstrumente kannst du ein Demokonto bei einem Broker eröffnen und diesen Ansatz verfeinern. Das Demokonto hat den Vorteil des risikolosen Testens unter realen Bedingungen, weil es sich um „Spielgeld“ handelt.

Achte darauf, dass dein Broker eine große Produktpalette an Basiswerten bietet, denn im nächsten Schritt geht es um regelmäßiges „Screenen“ möglichst vieler Basiswerte.

Schritt 5: Arbeitsablauf und Schablone erstellen

Wenn du deine ersten Trades gemacht hast und an Erfahrungen dazu gewonnen hast, wird sich ein halbautomatisierter Prozess einstellen. Doch das ist mit Arbeit verbunden.

So sieht der Arbeitsablauf aus:

  1. Anschauen vieler, liquider Basiswerte und nach Setups suchen, die dem 1-2-3 Punktemuster entsprechen (sowohl Long als auch short!)
  2. Die Kandidaten, die vielversprechend aussehen, in einen neuen Ordner oder eine Watchlist legen.
  3. Tradingstil, Risikomanagement festlegen und Order platzieren
  4. Darauf achten, dass Longorders und Shortorders ausgeglichen sind (Korrelation, Diversifikation)
  5. Nicht dem Trade hinterherjagen, sondern neue Werte suchen oder Hobbys nachgehen…

Zusammengefasst wollen wir hier einen duplizierbaren Prozess entwickeln, der immer gleich abläuft. Ich schaue mir in der Regel Sonntags in aller Ruhe ca. 300 Charts an und selektiere dann, welche mir ein 5-Sterne-Setup bieten.

Das sind vielleicht 10-20 Kandidaten, die für einen Trade in Kürze in Frage kommen. Im Depot landen dann meistens nur 5-10.

Ich hoffe, es ist klar geworden, dass der Basiswert, den ich da handeln will, gar keine Rolle spielt, solange er liquide ist und vernünftige Kurse gestellt werden.

Der Zeitaufwand liegt mehr im Suchen & Finden von geeigneten Werten, als im nachverfolgen des Trades. Wenn die Order ausgeführt wurde, sollte die Zeit vor diesem Chart drastisch reduziert werden und nur in gewissen Abständen zur Anpassung des Stopps geöffnet werden.

Fazit:

Wer nach Markttechnik erfolgreich handeln will, hat mit diesem Artikel einen sehr guten Einblick in die Vorgehensweise und den Ablauf gewonnen.

Doch dieser Handelsansatz kann noch um viele weitere Aspekte ergänzt werden. Michael Voigt hat in seinem Werk „Das große Buch der Markttechnik“ und der anschließenden Reihe „Der Händler“ den kompletten Markttechnik-Prozess anschaulich abgebildet.

Ebenso widmen wir uns im TF Online Kurs unter anderem der Markttechnik mit ausreichend Praxisbeispielen und Lehrvideos.

Abschließend noch ein Hinweis.

Auch wenn wir ein mögliches 5-Sterne-Setup gefunden haben, bei dem alles nach einem sicheren Gewinntrade aussieht, müssen wir immer daran denken:

„Das letzte Wort hat immer der Markt“ 😉

 

In diesem Sinne viel Erfolg und bei Fragen oder Ergänzungen einfach die Kommentarfunktion nutzen.

 

 

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