Berechne deinen persönlichen Trading Hebel für CFD, Knockouts, Optionsscheine und Forex. Dazu gibt es wichtige Tipps und Hinweise zur optimalen Anwendung in der Praxis.

Ich habe kürzlich einen interessanten Satz gelesen:

„Profi-Trader brauchen kein großes Konto, um erfolgreich traden zu können.“

Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll, aber an der Aussage ist etwas Wahres dran.

Wenn du weißt was der Hebel im Trading ist und wie du ihn optimal nutzt, verstehst du diese Aussage zum Ende des Artikels.

Doch alles der Reihe nach…

Was ist der Trading Hebel?

Der Hebel wird in der allgemeinen Literatur auch durch den Leverage-Effekt erklärt. Leverage bedeutet dabei nichts anderes als Hebel.

Der Leverage Effekt beschreibt das Verhältnis von eingesetztem Eigenkapital zum Fremdkapital in einer Investition, durch das sich eine Hebelwirkung erzielen lässt. Firmen können durch den Leverage-Effekt eine höhere Eigenkapitalrendite erzielen, wenn der Fremdkapitalzins generell nicht höher ist als die EK-Rendite.

In Summe kann der Leverage-Effekt positiv und negativ ausfallen.

Im Trading bedeutet es, dass ich mit geringem Eigenkapital und hohem Fremdkapital eine hohe Rendite erzielen kann. Ebenso kann die Talfahrt aber auch beschleunigt werden, wenn ich falsch liege.

Handel ich ein Derivat mit Hebel 10, dann bewegt sich mein Derivat um das 10-fache In Relation zum (abgeleiteten) Basiswert.

Um uns dem Thema „Trading Hebel“ anzunähern, starten wir mit zwei Beispielen aus der Praxis, speziell im Forextrading.

Beispiele für Hebel im Trading

Im FX Trading wird in LOT gehandelt und in Pips abgerechnet. 1 LOT entspricht einem Handelsvolumen von 100.000 EUR bzw. Geldeinheiten. Die kleinstmögliche Einheit sind 0,01 Mikro-LOT (1.000 EUR).

Beispiel 1: Trading ohne Hebel

Wir wollen nun 1 LOT handeln (was ziemlich viel ist). Wenn wir keinen Hebeleffekt haben wollen, haben wir einen Hebel von 1. Das heißt, wir müssten 100.000 EUR Eigenkapital einsetzen. Bewegt sich das gehandelte FX-Paar in meine gewünschte Rechnung und wird zu 105.000 EUR abgerechnet, dann habe ich 5% Eigenkapitalrendite eingefahren.

Beispiel 2: Trading mit Hebel

Wir wollen wie im ersten Beispiel 100.000 EUR bewegen, aber sind nicht bereit (oder in der Lage), 100.000 EUR Eigenkapital aufzubringen. Wir leihen uns also Fremdkapital beim Broker für diesen Trade, in Höhe von 80.000 EUR.

Daraus ergibt sich ein Hebel von 1:5, da ich 20.000 EUR Eigenkapital eingesetzt haben und 80.000 EUR Fremdkapital.

Das Ergebnis ist wieder ein positiver Verlauf mit Abrechnung bei 105.000 EUR Kontostand.

Wie sieht nun meine Eigenkapitalrendite aus?

In diesem Fall rechne ich die 5.000 EUR Gewinn auf den geringeren EK-Einsatz von 20.000 EUR  und komme auf 25% Rendite.

Ist dir klar geworden, wie der Leverage-Effekt (Hebel) im Trading wirkt?

Ich kann einfach durch die Aufnahme von Fremdkapital eine Hebelwirkung erzielen, die im positiven Fall für eine höhere Eigenkapitalrendite sorgt.

Wenn ich nur ein 3-4stelliges Depotkonto habe, kann ich abhängig vom Broker, dennoch sehr große Summen bewegen. Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Sache, denn die Medaille hat wie immer zwei Seiten.

Zur richtigen Berechnung und zur risikoadjustierten Wahl kommen wir im weiteren Verlauf des Artikels. Als nächstes müssen wir uns erstmal mit weiteren Finanzinstrumenten befassen.

Optionsscheine, KO´s und CFD Trading mit Hebel

Nachdem wir ein erstes Beispiel für Trading mit Hebel im Forexmarkt gesehen haben, widmen wir uns nun dem Hebel bei Optionsscheinen, KO´s und CFDs, da diese Produkte sehr beliebt unter Tradern sind.

Der Hebel für einen Optionsschein wird mit folgender Formel berechnet:

Hebelwirkung = Kurs Basiswert / Bezugsverhältnis x Kurs Optionsschein

Nehmen wir an, dass eine Aktie (Basiswert) bei 50,00 EUR steht, das Bezugsverhältnis bei 1:10 liegt und der Optionsscheinkurs aktuell bei 1,50 EUR.

Setzen wir diese Werte in die Formel ein, ergibt sich folgender Hebel:

50 / 10 x 1,50 = 4

Dieses Beispiel habe ich hier aufgeführt, da leider viele Privatanleger dem Reiz der Optionsscheine verfallen, ohne überhaupt zu wissen, wie sich der Hebel des Scheins berechnet (ganz zu Schweigen vom Wert..).

Wenn du schon ein paar Artikel von mir gelesen hast, dann kennst du meine Abneigung gegen Optionsscheine du das es viel transparentere Finanzinstrumente gibt. Hier habe ich meine Gründe dargelegt.

Kommen wir nun zu den Knockouts.

Der Hebel für ein Knockout-Zertifikat (KO) wird folgendermaßen berechnet:

Ähnlich wie beim Optionsschein spielen auch hier Basiswert, Bezugsverhältnis und Kurs des Zertifikats eine wichtige Rolle.

Aktueller Hebel = Kurs Basiswerts x Bezugsverhältnis / Kurs KO

Ein Beispiel:

Das Knock-Out bezieht sich auf den DAX mit einem Basispreis bei 10.000 Punkten. Das Bezugsverhältnis liegt bei 1:100 und der aktuelle Kurs des KOs ist 3,50 Euro. Das Aufgeld wird der Einfachheit nicht berechnet.

10000 x 0,01 / 3,50 = 28,57 (Hebel)

Zur Anmerkung:

Du kannst dir Scheine aussuchen, die einen konstanten Hebel haben, oder solche mit zu-/abnehmendem Hebel.

Wenn dieser veränderlich ist, wird der Hebel größer, wenn der Kurs des Basiswerts sich vom Basispreis weg bewegt und umgekehrt.

Wenn du deine eigenen KO-Zertifikate erstellen möchtest, findest du hier eine Schritt-für-Schritt Anleitung von Andreas.

Der Hebel für CFDs wird wie folgt berechnet:

Keine Sorge, es wird nicht komplizierter sondern einfacher:) Kein Bezugsverhältnis, kein Zeitwert, kein Basispreis mehr…

Im CFD Segment nähern wir uns wieder der Berechnungsmethode aus dem Forexmarkt an. Allerdings gibt es im CFD Handel zwei unterschiedliche Hebel:

1. Positionshebel

Wir wollen den DAX handeln und haben einen aktuellen Kursstand bei 10.000 Punkten. Wir können CFD Kontrakte ab 0,1 Stück handeln. Wenn wir 1 CFD handeln, bewegen wir 1x den DAX, also aktuell 10.000 Punkte.

Nun berechnet sich der Hebel wieder auf Basis meines Eigenkapitals. Steht mein Konto bei 5.000 EUR und ich handel 1 CFD Kontrakt, dann habe ich einen Hebel von 2.

Indexstand x Stückzahl / Eigenkapital = Hebel

10.000 x 1 / 5.000 = 2

Nun kommen wir zum Produkthebel

2. Produkthebel

Der Produkthebel berechnet sich auf Basis der zu hinterlegenden Margin. Diese Sicherheitsleistung wird vom Broker festgelegt und kann von Asset zu Asset variieren. Tendenziell wird für liquidere Basiswerte eine geringere Margin verlangt, was einen höheren Produkthebel ermöglicht.

Liegt die Margin im DAX CFD bei 1% des Handelsvolumens, dann habe ich bei 1 CFD eine Sicherheitsmargin von 100 EUR hinterlegt (ausgehend vom DAX-Stand bei 10.000 Punkten). Der Broker „blockt“ diesen Betrag vom eingezahlten Tradingkapital für die Dauer des Trades.

Beträgt mein Kontokapital 5.000 EUR, habe ich nach Abzug der Margin noch 4.900 EUR für weitere Trades zur Verfügung.

Die folgende Tabelle verdeutlicht dieses Thema noch einmal aus einer anderen Perspektive.

 

Kontokapital

LOT

1.000 5.000 20.000 50.000 100.000 300.000
0,01 1,00

0,20

0,05

0,02

0,01

0,003

0,1

10

2

0,5

0,2

0,1

0,03

0,5

50

10

2,5

1

0,5

0,17

1

100

20

5

2

1

0,3

2

200

40

10

4

2

0,67

5

500

100

25

10

5

Nachdem du nun weißt, was der Hebel ist und wie er bei verschiedenen Finanzinstrumenten berechnet wird, kommen wir nun zur Ermittlung der richtigen Positionsgröße.

Als Ergänzung habe ich hier noch einen Link zum Hebel- und Margin-Rechner von GKFX.

So berechnest du DEINEN Hebel

Nichts vernichtet Tradingkonten so schnell und regelmäßig wie ein zu hoher Hebel.

Viele Einsteiger erliegen dem Reiz des schnellen Gewinns. Oft werden auf Demokonten in 2-3 Tagen 500% und mehr erreicht, was Tradinganfänger dazu verleitet, diese Performance nun mit echtem Geld erzielen zu wollen.

Was einmal geht, klappt doch auch noch einmal oder?

Nein leider nicht und wenn doch, dann ist es pures Glück und wird über die zunehmende Anzahl an Trades definitiv revidiert! Dabei spielt die Trading Psychologie eine entscheidende Rolle.

Im Trading geht es nicht darum, mit einem Monstertrade schnell reich zu werden. Erfolgreiche Trader haben ein duplizierbares Setup, was täglich angewendet werden kann und konstante (kleine) Profite ermöglicht.

Wenn ich von kleinen Positionsgrößen spreche, dann meine ich die 1% Regel im Trading.

Danach riskierst du pro Trade nur 1% deines aktuellen Kontokapitals.

Hast du 1.000 EUR zur Verfügung, dann darfst du pro Trade nur 10,00 EUR riskieren. Damit kannst du dein Setup ausgiebig testen und optimieren und theoretisch 100 Fehltrades am Stück produzieren (was sehr unrealistisch ist).

Bei solch kleinen Konten ist der CFD Handel in der Regel geeigneter, da dort je nach Basiswert keine Ordergebühr anfällt.

Auf Basis dieser 10,00 EUR errechnest du dann eine sinnvolle Positionsgröße. Bist du im DAX unterwegs, dann musst du dir abhängig von deinem Tradingstil überlegen, wie viele CFDs du handelst.

Der Swingtrader wird auf Basis eines weiteren Stopp Loss tendenziell eine Stückzahl um 0,2 CFDs nutzen. Bei 10,00 EUR Risiko könnte er sich dann einen SL von 50 Punkten leisten. Sein Trading Hebel liegt bei 2.

Der Scalper wird auf Basis eines engen Stopp Loss und wenigen Punkten bis zum Take Profit wahrscheinlich 0,7 CFD handeln, was ihm ca. 15 Punkte bis zum SL ermöglicht. Sein Hebel ist 7.

Du siehst, dass du den Hebel immer über die Positionsgröße und das eingegangene Risiko

Neben der 1% Regel gibt es aber noch weitere Möglichkeiten der Bestimmung des richtigen Hebels.

Ein Hinweis, der mir in einem der Bücher „Der Händler“ von Michael Voigt in Erinnerung geblieben ist, ist die Existenz des persönlichen Rumrutschfaktors.

Danach hat jeder Trader einen persönlichen Rumrutschfaktor. Man kann ihn als psychologische Hürde oder Grenze bezeichnen. Ist diese Grenze erreicht, werden Trader oft emotional und treffen falsche Entscheidungen.

Er sagt aus, ab welchem Buchverlust (in EUR) ich zittrig werde und anfange nervös auf dem Bürostuhl hin und her zu rutschen. Bei Trader A kann das bei -50 EUR der Fall sein, bei Trader B ab – 200 EUR, usw.

Du musst deinen persönlichen Rumrutschfaktor ermitteln, damit du weißt, welchen Buchverlust du psychologisch verkraften kannst. Das ist natürlich abhängig von deiner Kontogröße und deiner Erfahrung.

Doch eine Sache müssen wir noch klären.

Der erste Satz des Artikels lautete:

„Profi-Trader brauchen kein großes Konto, um erfolgreich traden zu können.“
 
Jetzt, wo du weißt, was der Hebel ist und wie er angewendet werden kann, kannst du für dich entscheiden, ob und wie du diese Aussage bewertest.

Für mich ist sie teilweise richtig, aber auch gefährlich. Trader kleiner Konten neigen dazu, einen höheren Hebel zu nutzen, um monetär betrachtet „große“ Gewinne einzufahren. Die 1% Regel wird dabei oft nicht eingehalten und eine Reihe von Fehltrades führt dann in eine Abwärtsspirale.

Hebel hin oder her. In erster Linie muss eine profitable Trading Strategie gegeben sein, sonst ist der Hebel sinnlos.

Fazit:

Der Trading Hebel ist ein verlockendes Instrument. Er kann deinen Aufstieg als Trader definitiv beschleunigen, doch nur die wenigsten beherrschen ihn. Dazu gehört auch das Wissen über die unterschiedlichen Trading Hebel.

Nimm dir die Zeit, jeden Aspekt des genutzten Finanzinstruments zu verstehen und kalkuliere deine Positionsgröße auf Basis eines intelligenten Risikomanagements.

Abschließend würde ich gerne wissen, wie groß dein Hebel durchschnittlich ist und welche Erfahrungen du damit gemacht hast. Nutze einfach die Kommentarfunktion!

Viele Grüße und gute Trades!
Tim

[ABTM id=4911]   

2 KOMMENTARE

  1. Update: Durch die neuen Hebelbegrenzung der ESMA gibt es teilweise Veränderungen in der Produktlandschaft der EU Broker. Die Berechnung der Hebel bleibt natürlich gleich, es muss ab August 2018 allerdings eine höhere Margin pro Trade hinterlegt werden.

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