Trading Ideen zu generieren ist ein wichtiger Bestandteil im täglichen Job eines Traders. Welche Möglichkeiten es für dich gibt, erfolgsversprechende Werte einfach und schnell zu finden, erfährst du in diesem Beitrag.

Hast du dich schon einmal gefragt, ob du nur einen Basiswert oder lieber verschiedene Werte handeln solltest? Was du heute handeln sollst oder woher du einfach und stetig neue Trading Ideen bekommen kannst?

Trading Ideen entstehen in einem kreativen Prozess, den du als Trader in regelmäßigem Abstand alleine oder im Team durchführst, um Branchen, Aktien, Anleihen oder Rohstoffe zu durchsuchen und erfolgsversprechende Titel auf deine Watchlist zu nehmen.
Wie viele private Trader wenden dieses Verfahren regelmäßig an?

Ich weiß es nicht. Aber ich merke in diversen Gesprächen, dass viele sich lieber nur auf die gute alte Charttechnik verlassen und auf „Muster“ warten.

Viele Trader antworten auf die Frage „Was handelst du?“ häufig mit der selben Antwort: „Dax und EUR/USD“. Doch wie kann ich denn bitte profitabel handeln, wenn ich mir den ganzen Tag lang 1-2 Märkte anschaue? Wie oft kann das erhoffte Muster an einem Handelstag überhaupt vorkommen?

 

Der bekannte Ex-Goldman Trader Anton Kreil sagte einmal in einem Interview:

Es gibt eine ganz einfache Formel: Kannst du viele Trading Ideen generieren, wird dein Portfolio rentabel sein, kannst du kaum Trading Ideen generieren, wirst du sehr bald scheitern.

 

Diese (leicht überspitzte) Aussage trifft den Kern des Tradings relativ deutlich und gleichzeitig auch die typische Arbeitsweise von Hedgefonds und Investmentbanken.

Eins vorweg: Ich kenne keinen Trader von o.g. Instituten, der (nur) nach Charttechnik arbeitet. Die technische Analyse ist ein Teil des Prozesses der Selektion, aber niemals die Rechtfertigung für einen Trade.

Die typische Vorgehensweise sieht auch hier zunächst die Generierung von Trading Ideen vor.

Dabei gibt es die Möglichkeit einer Top-Down Analyse.

Weg 1: Top-Down-Analyse

Bei einer Top-Down Analyse betrachten wir zunächst das große Bild (Top) und arbeiten uns dann hinunter zum kleinen Bild (Down).

Was könnte das größtmögliche Bild für einen Trader sein?

Richtig, die Makroökonomie und noch genauer: Die ganze globalisierte Welt.

Wir fragen uns also im ersten Schritt, welche makroökonomischen Trends in der Welt aktuell zu erkennen sind.

Als Beispiel dafür fällt mir die Bevölkerungsentwicklung ein.

Während in Asien und Afrika die Population rasant zunimmt, haben die Westeuropäer mit stagnierenden Geburtenraten und demnach mit einer alternden Bevölkerung zu tun.

Unser makroökonomisches Oberthema ist also die Bevölkerungsentwicklung. 

Im nächsten Schritt fragen wir uns, ob ich das Thema global oder regional behandeln möchte. Wenn du in einem Team arbeitest, könntest du als Leiter des Tradingbüros einen Trader suchen, der sich mit asiatischen Mentalitäten auskennt, weil er dort aufgewachsen ist der studiert hat.

Er weiß vielleicht, ob und wie man relevante Statistiken besorgen kann und welche Entwicklungen in asiatischen Städten zu vernehmen sind. Er spinnt den Gedanken der wachsenden Bevölkerung weiter und fragt sich, welche Bedürfnisses die Menschen dort entwickeln werden.

Vielleicht landet er dann bei den beiden Themen „Ernährung“ oder „städtische Infrastruktur“ und sucht passende Unternehmen.

 

Ein anderer Trader darf sich dagegen mit dem Heimatmarkt beschäftigen und schaut sich Deutschland an.

Wir folgen nun gedanklich dem zweiten Trader und überlegen uns, welches volkswirtschaftliche Thema hier in Deutschland in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung gespielt wird.

Welche Überraschung: Der demographische Wandel auf Grund der alternden Bevölkerung.

Wie gehen wir nun mit unserem Wissen weiter vor?

Wir verlassen die Makroebene und schauen uns die Mikroebene an. Wo gibt es Unternehmen, die in Ihrer täglichen Arbeit mit der demographischen Entwicklung zu tun haben?

Dabei fallen mir sofort zwei Unternehmenstypen ein: Immobiliengesellschaften und Pflegedienste oder -Heime.

Wenn ich bei Spaziergängen durch meinen ländlich gelegenen Heimatort (ca 30 km vor Köln) an dem ein oder anderen Maklerbüro vorbei gehe fällt mir auf, dass viele Einfamilienhäuser aus den 70er und 80er Jahren zum Verkauf angeboten werden.

Die Inhaber dieser Häuser sind nun zwischen 60 und 70 Jahren alt und merken, dass Ihre 1000 m² Grundstücke und die 3 Stockwerke Wohnraum einfach zu viel Aufwand bedeuten.

Sie suchen nach kleinerem, pflegeleichterem Wohnraum mit Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und ärztliche Versorgungseinrichtungen. Ebenfalls müssen die Wohnungen altersgerecht konstruiert sein.

Das große Thema in Deutschland ist also: Seniorengerechtes Wohnen.

Wenn ich mir dann die Entwicklung in meinem Dorf mit 20.000 Einwohnern anschaue, dann sehe ich eine Menge an neuen, seniorengerechten Wohnungen und vielen weiteren in der Bauphase. Mir ist bewusst, dass diese Entwicklung gerade in ganz Deutschland stattfindet und noch lange nicht abgeschlossen ist.

Wie können wir von diesem Trend nun profitieren?

In dem wir nach Aktiengesellschaften suchen, die tagtäglich neue Wohnungen erschaffen und zwar im großen Stil.

Ein hilfreiches Tool dafür ist der Aktienfinder von Onvista:

Dort kann ich nach Gesellschaften aus vielen verschiedenen Branchen und Ländern wählen. Darüberhinaus kann ich direkt nach relevanten Kennzahlen wie Dividendenrendite, KGV, etc filtern.

Für unser Thema bietet sich die Branche „Baugewerbe“ an. Mit zwei Klicks erhalte ich entsprechende Vorschläge und stoße direkt auf einen Wert, der mich interessiert.
Helma Eigenbau AG (A0EQ57), ein Small Cap aus Deutschland ist ein kundenorientierter Full-Service-Dienstleister.

Nun folgt die Analyse der Unternehmensdaten. Wie sehen Eigenkapital- und Umsatzentwicklung aus? Mit welchem EBITDA rechnet man?

Um die Zahlen besser beurteilen zu können sollte man sich einen Wettbewerber anschauen und die Zahlen nebeneinander legen.

Wenn die mikroökonomischen Daten überzeugen, hast du einen potenziellen Tradingkandidaten gewonnen!
JETZT ist es Zeit für die technische Analyse des Wertes, um einen geeigneten Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt zu finden UND DANN das Risikomanagement zu berücksichtigen. Wichtig ist natürlich die Frage: Wer kauft nach mir? Wer „pushed“ den Wert nachdem ich gekauft habe?

Es dürfte klar geworden sein, dass diese Vorgehensweise für Scalptrader sinnlos ist sondern für Swingtrader mit einem Zeithorizont von ein paar Tagen bis hin zu 12 Monaten interessant ist.

 

Weg 2: Gewinner-Verlierer-Liste

Was braucht ein Trader, um vernünftig Traden zu können?

Liquidität und Volatilität. Der Markt muss einen zuverlässigen Kauf und Verkauf des Wertes ermöglichen und darüberhinaus eine gesunde Volatilität mitbringen.

Auch einem Swingtrader ist es recht, wenn er die angestrebten 20% Rendite in 3 Tagen anstatt in 12 Monaten einsammelt. Volatilität hilft ihm dabei.

Wie kannst du Werte finden, die die beiden Kriterien Volatilität und Liquidität erfüllen?

Hier bietet sich die tägliche Gewinner-Verlierer-Liste an. Diese Liste findest du auf vielen Wirtschaftsportalen oder Webseiten von Brokern. Ja tatsächlich auch noch in der gedruckten Tageszeitung, aber in Zeiten des Hochfrequenzhandels wollen wir nicht mehr auf die Zeitung von Morgen warten:)

In diesen Listen befinden sich üblicherweise die Top 5 und Flop 5 eines Aktienindex wie dem DAX. Die Werte sind in diesem Ranking, da mit hoher Wahrscheinlichkeit marktrelevante News veröffentlicht wurden, die die Investoren zum Kauf oder Verkauf bewegt haben.

Das Gute ist: Diese Volatilität hält in der Regel ein paar Tage an und bietet damit Tradingchancen in unterschiedlichen Zeiteinheiten.

Für den Scalper lohnt sich vielleicht ein kurzer Trade, für den Swingtrader ein Einstieg für den Korrekturhandel und für den Long-Run-Investor der Aufbau einer ersten Position.

Und die Liquidität?

Wir können davon ausgehen, dass Werte aus den gängigen und geregelten Indizes genug Liquidität haben, um zuverlässig kaufen und verkaufen zu können. Es lassen sich also auch einige Smallcaps vernünftig traden.

 

Weg 3: Twitter und Google Trends

Auch über Social Media Kanäle wie Twitter lassen sich Trading Ideen generieren.

Wir haben unseren Tradingfreaks Account erst seit kurzem bei Twitter und ich bereue den späten Entschluss, denn hier werden mir täglich interessante Charts und Marktinformationen geboten.

Wie kannst du von Twitter profitieren?

Eröffne einen Account und wähle die Themenbereiche aus, die dich interessieren. Wenn du Börse, Trading, etc auswählst, bekommst du direkt Vorschläge von passenden Usern.

Du kannst den relevanten Kanälen dann „folgen“ und erfährst von jedem neuen Tweet.

So sieht das zum Beispiel aus:

Trading Ideen Twitter

Du kannst Twitter ebenfalls zur Generierung von Ideen nutzen, in dem du dir von themenrelevanten Portalen Informationen anzeigen lässt und daraus neue Investmentmöglichkeiten kennenlernst.

Ebenfalls habe ich dort täglich einen schnellen Überblick über kommende Wirtschaftsdaten, die für die Märkte wichtig sind.

Dazu gehören Zinsentscheide von Notenbanken, Non-Farm-Payrolls, etc.

Man kann sich darüberhinaus auch einfach nur mit anderen Usern austauschen, wobei das B2B Geschäft hier eher im Fokus steht.

 

Neben Twitter gibt es aber auch noch eine weitere Möglichkeit, um Trading Ideen zu sammeln.

Die Rede ist von Google Trends.
Google Trends zeigt dir, wie der Name es schon verlauten lässt, die aktuellen Suchtrends an. Da Google mit einem Marktanteil von über 90% die größte Suchmaschine der Welt ist, kann man sich auf die Relevanz der Daten durchaus verlassen.

Auf der Startseite kannst du zwischen mehreren Kategorien auswählen.

Du kannst gezielt in der Kategorie „Business“ suchen, du kannst aber auch nach Schlagzeilen, Wissen, etc. sowie regional oder global filtern.

Trading Ideen Google Trends

 

 

 

 

Wenn die Suchanfrage so hoch ist, dass der Begriff es in die Top 3 geschafft hat, kannst du davon ausgehen, dass ein marktbewegendes Thema aufgekommen ist. Damit sind wir wieder beim Thema Volatilität angekommen, die uns Tradern so wichtig ist.

 

Neben der soeben beschriebenen Top-Down-Variante wollen wir uns nun einmal die entgegengesetzte Richtung anschauen, um Trading Ideen zu generieren.

Trading Ideen generieren mit der Bottom-Up Methode

Die Bottom-Up Methode ist das Gegenteil des Top-Down Verfahrens.

Hier schauen wir uns zuerst das „Spezifische“ an und gehen dann hoch zum Allgemeinen. Mit anderen Worten:

Der erste Blick geht in den Chart eines Basiswertes und wenn uns dieser gefällt und einen Trade in Kürze ermöglicht, dann gleichen wir die allgemeineren Daten wie Bilanz, Branche und globale Trends im weiteren Verlauf ab.

In der Praxis sieht das wie folgt aus:

1. Wir screenen zuerst eine ganze Menge an Charts. Dabei legen wir fest welche Zeiteinheit wir betrachten wollen (1h- Chart, 4h-Chart, Tageschart, etc..).

2. Wenn ich einen Kandidaten gefunden habe, schaue ich mir die Branche und die Fundamentaldaten an. Wenn auch hier der Trend mit der Entwicklung des Charts übereinstimmt, habe ich einen potenziellen Trading-Kandidaten gefunden.

3. Die Charts, die uns ein schönes Muster präsentieren und in Kürze einen Trade mit gesundem Chance-Risiko-Verhältnis anbieten, drucken wir aus und legen sie auf einen separaten Stapel (oder verzichten auf das Papier und bilden einfach eine Watchlist). Wir wollen nur die Leckerbissen und keine halbfertigen Kandidaten.

4. Die Werte, die einen Trade rechtfertigen schaue ich mir nun noch einmal genauer an und überlege, wie und wo ein Entry sowie Stop Loss und Take Profit platziert werden können. Dieser Schritt ist wichtig, denn ein schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis könnte doch noch einmal zum Ausschluss führen.

Dies wäre der Fall, wenn der Kurs nach einem möglichen Einstieg vor einer Wand von Widerständen stehen würde, der Stop Loss aber nur sehr weit vom Entry entfernt Sinn machen würde. Tipp: Hier macht es Sinn den Chart in höheren Zeiteinheiten zu betrachten, um diese Gefahren zu erkennen.

Nach Abschluss des Prozesses habe ich vielleicht 300 Basiswerte an mir vorbeiziehen sehen und es bleiben nur ca. 10 Trading-Kandidaten übrig. Das sind dann aber die wahren Könige, die meine Gewinnchance deutlich erhöhen.

Je nach gehandelter Zeiteinheit habe ich mehr oder weniger Aufwand bezüglich Recherche und Überprüfung der Werte. Im Tageschart habe ich vielleicht 2 x 1 Stunde Aufwand pro Woche. Im Stundenchart wesentlich mehr.

Fazit:

Ich hoffe du hast verstanden, dass Trading nicht nur aus ein paar „Kaufen-und-Verkaufen-Klicks“ besteht, sondern aus disziplinierter, regelmäßiger Arbeit.

Wer generell nur 1-2 Werte handelt, wird meines Erachtens nicht lange überleben, da das ausgearbeitete Setup gar nicht so oft auftauchen kann.

Du benötigst Trading Ideen, um viele verschiedene Werte auf deiner Watchlist platzieren zu können und dann mittels Chartanalyse im Anschluss den potenziellen Trade zu konkretisieren (Top-Down). Die Bottom-Up Variante beginnt hingegen mit der Chartanalyse und endet beim Abgleich mit globalen Trends und Zukunftsperspektiven.

Teste die einzelnen Möglichkeiten um den für dich besten Weg zu finden und letztendlich vernünftig zu traden.

Du suchst noch nach einer funktionierenden Trading Strategie? Dann nutze unser kostenloses Trader Training und du bekommst einen erprobten Handelsansatz aufgezeigt.

Gute Erkenntnisse!

Tim

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