Dein Trading Erfolg hängt maßgeblich vom Trade Einstieg und Ausstieg ab. Gibt es den richtigen Zeitpunkt? Wie wähle ich Stop Loss und Take Profit?

Betrachte ich den kompletten Tradingprozess, spielt die Charttechnik bei mir eine eher untergeordnete Rolle.

Ganz einfach deshalb, weil ich ebenso auf Tradingpsychologie, Risikomanagement und vor allem die Fundamentalanalyse achte.

Tagtäglich!

Konkret bedeutet es, dass ich niemals eine Tradeentscheidung nur auf Basis einer charttechnisch interessanten Marke oder eines Indikators, treffe.

Wenn du mehr dazu wissen willst findest du hier einen Artikel über meinen favorisierten Handelsansatz.

Trotzdem wird es heute in diesem Artikel primär um die Charttechnik gehen, denn wir beschäftigen uns mit dem Thema Trade Einstieg und Trade Ausstieg.

Als Daytrader, Swingtrader und erst Recht als Scalper kannst du dabei einen ähnlichen Ansatz verfolgen.

Warum ist ein sauberer Trade Einstieg wichtig?

Für erfolgreiches Trading brauchen wir ein duplizierbares Setup. Anders ausgedrückt benötigen wir ein Regelwerk, was den Rahmen für unser tägliches Vorgehen vorgibt.

Dabei halten wir konkret fest, wann ein Trade eingegangen wird und wann nicht, welcher Tradingstil gewählt wird und welche Risikomanagement-Parameter zur Geltung kommen.

Auf Basis des Sentiments und der Chartanalyse können wir einen Trade Einstieg sehr gut planen.

Doch das ist der leichteste Part im täglichen Tradingprozess, wie wir im weiteren Verlauf sehen werden.

Warum ist ein sauberer Trade Ausstieg noch wichtiger?

Wir wissen doch beide, wie schwer es ist, die richtige Traderichtung auszuwählen bzw. die Bestätigung vom Markt zu bekommen.

Hat ein Trade erst einmal die von uns favorisierte Richtung aufgenommen, geht es uns gleich besser. Dieses positive Gefühl kommt besonders stark zum Vorschein, wenn es zuvor Minustrades hagelte.

Doch genau in diesem Fall neigen wir dann dazu, einen Trade vorschnell zu beenden, um überhaupt mal wieder ein positives Resultat erzielt zu haben.

Dabei wird vergessen, dass wir uns damit langfristig unser Trading Setup und unsere Performance kaputt machen, denn in Summe muss dieser Trade eigentlich zu höheren Gewinnen führen als die Verlusttrades (oder die Anzahl der Gewinntrades enorm hoch sein).

Viele Trader kümmern sich überwiegend um einen sauberen Trade Einstieg und setzen das Take Profit für den Ausstieg individuell nach Lust und Laune.

Anstelle des vorzeitigen Verkaufs sollte der Trader lieber versuchen, ein realistisches Zielfeld festzulegen und dieses zu erreichen.

Wer das emotional nicht schafft, weil er Angst hat, dass der aktuele Buchgewinn doch wieder aufgefressen wird, kann über Trailing Stopps oder Halbierungen der Positionen nachdenken, bis genug Selbstvertrauen da ist.

Kurze Anmerkung: Ich bin kein gutes Beispiel dafür und nehme auch gerne mal Gewinne zu früh mit;) Ich weiß darüber aber bescheid und arbeite dran – und habe als Ausgleich eine durchaus hohe Trefferquote.

Wie gehe ich bei meinen Trades konkret vor?

Wenn ich im ersten Schritt auf Basis meiner täglichen Recherche das Sentiment für die kommende Tradingsession bestimmt habe, habe ich eine erste Tradeidee gebildet.

Im zweiten Schritt schaue ich mir im Wirtschaftskalender die kommenden Events des Tages und der Woche an. Gibt es Veröffentlichungen zu einer der betrachteten Währungen, die einen Trade gefährden oder beschleunigen könnten?

Erst danach(!), also im dritten Schritt, schaue ich mir die Charts des analysierten Währungspaares an und suche nach einem sinnvollen Trade Einstieg und Ausstieg.

Weißt du, welche 7 kritischen Fehler dein Tradingkonto gefährden?






Beispielhafte Chartanalyse für Trade Einstieg und Trade Ausstieg

In dem nachfolgenden Beispiel betrachten wir den EURUSD. Wir nehmen an, dass die Schritte 1-2 dazu geführt haben, dass das Sentiment für den EUR und gegen den USD spricht und wir einen Daytrade machen möchten.

Nun werfen wir einen Blick in den 4-Stunden-Chart und sehen erst einmal nicht viel.

Die horizontale Linie zeigt nur das aktuelle Kursniveau an und ist keine Unterstützung oder Widerstand.

Die EMA200 (rote Linie) zeigt uns aber eine erste Kursmarke, die für einen Trade-Einstieg relevant sein könnte.

In höheren Zeiteinheiten ist die/der EMA200 ein beachtenswerter Indikator. Wenn wir uns den Chart anschauen, sieht man bereits das der Kurs bei Erreichen der Linie immer wieder abgeprallt ist. Dieses Szenario können wir uns nun beim nächsten Anlauf wieder vorstellen und wollen davon profitieren.

Doch die EMA alleine reicht uns nicht. Mit einem weitern Indikator wollen wir die Wahrscheinlichkeit auf einen Rebound und damit einen guten Trade Einstieg erhöhen.

Da wir im Chart eine nette Aufwärtstrecke sehen und diese nun seit geraumer Zeit korrigiert, kommt das Fibonacci Retracement wie gerufen.

Trade Einstieg

Wir zeichnen das Fibonacci Retracement vom lokalen Tiefpunkt zum Hochpunkt und sehen die einzelnen Level. Am 38er RT gab es bereits einen kleinen aber nicht nachhaltigen Rebound.

Da wir nun zwei Indikatoren haben, die am blauen Kreis zusammentreffen, ist die Chance auf einen nachhaltigen Rebound mit Kursen zurück zum lokalen Hochpunkt dort größer.

Anhand der grünen Linie sehen wir zusätzlich noch eine Unterstützungslinie. Dort lege ich nun meine Buy-Limit Order in den Markt.

Damit wäre der Einstieg geplant. Den Rest erledigt der Markt.

Kommen wir nun zum Trade Ausstieg.

Der Trade Ausstieg kann in drei Varianten erfolgen. Stop Loss, manuell oder via Take Profit.

Abhängig vom Tradingstil und dem Risikomanagement müssen wir ggf. in eine niedrigere Zeiteinheit gehen, um einen sinnvollen Stopp Loss zu positionieren.

Im nachfolgenden Chart habe ich deshalb sowohl für Daytrader als auch für Swingtrader einen möglichen Trade Ausstieg markiert.

Trade Ausstieg

Der Trade Einstieg ist für alle gleich (blauer Kreis).

Der Daytrader hat eine kürzere zeitliche Perspektive und orientiert sich an den grünen Kreisen (wohlwissend dass hier eher der 1h-Chart oder 15-Min Chart gewählt wird).

Der Swingtrader orientiert sich an den orangenen Kreisen.

Erkennst du ein Muster?

Beim Stop Loss versuche ich eine „tote Zone“ zu wählen, also nicht direkt an einem Widerstand oder einer Unterstützung.

Beim Take Profit orientiere ich mich an vergangenen Preislevels im Chart, an denen der Kurs nicht weitergekommen ist und erst einmal korrigierte.

Es gibt Trader, die sich nicht an den Preislevels ausrichten, sondern immer feste Werte (prozentual oder monetär) nutzen.

So kann sich jemand konsequent an die 1% Regel halten, wonach maximal 1% des Kontokapitals pro Trade riskiert wird und den SL genau dort hinlegt wo die 1% erreicht werden.

Andere wiederum sagen, dass sie bei jedem Trade 1% SL riskieren und dafür exakt 1,5% TP haben wollen, damit ein Gewinn-Verlust-Verhältnis von 50/50 trotzdem für nachhaltiges Kontowachstum sorgt.

Fazit:

Auch im Trading führen viele Wege nach Rom. Angefangen beim Trading Setup und dem Trading Stil bis hin zum Risikomanagement wo wir Trade Einstieg und Ausstieg einordnen, gibt es zahlreiche Varianten, die zum Erfolg führen.

Wichtig ist, dass jeder Trader einen Weg findet, der zu ihm passt und bei dem er sich rundum wohl fühlt.

Ich selbst habe in meinem Setup eine gewisse fachliche Unschärfe enthalten, sodass ich nicht immer den selben Stop Loss oder Take Profit wähle, sondern die Preislevels im Chart betrachte und daraufhin entscheide.

Teste verschiedene Varianten auf Demokonten über einen relevanten Zeitraum und schaue, mit welchen Parametern du erfolgreich bist.

Bei dieser Entwicklung werden dir die heutigen Erkenntnisse weiterhelfen.
Viel Erfolg und gute Trades!
Tim
[ABTM id=4911]

2 KOMMENTARE

  1. …herzlichen Dank, Tim, für den tollen Tipp und die anschauliche Illustration. Ja, das mit der 200-Tage-Linie scheint tatsächlich zu funktionieren, obgleich man sie nicht als einzigen Indikator verwenden sollte.

    Was den Ausstieg betrifft, höre ich immer wieder vom Parabolic SAR (Stop and Reverse = Anhalten und Umkehren), einem Trendfolgende Indikator zum Identifizieren des Umkehrpunkts der Kursbewegung. Damit scheint der Handel noch etwas entspannter möglich zu sein als mit einem manuell nachgezogenen oder Trailing Stop Loss.

    Setzt Du den Parabolic SAR auch ein und kannst diesen Effekt bestätigen?

    BG, Chris

    • Hallo Chris,

      danke für die Rückmeldung.

      Den Parabolic SAR habe ich bisher noch nicht genutzt, muss aber nichts heißen:)

      VG
      Tim

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