Scalp Trading ist ein besonders lebhafter Tradingstil mit exzellenten Renditechancen. Wie du erfolgreicher Scalp Trader wirst erfährst du in diesem Beitrag.

Der Traum eines jeden Tradinganfängers – Scalptrading. Kurz rein, schnell raus, Geld verdient. Danke, gleich nochmal!

Ich muss zugeben, dass auch ich zu Beginn meiner Tradingkarriere unter Scalptradern aufgewachsen bin und von der Schnelligkeit und Schlagzahl beeindruckt war.

Es ist nicht unüblich, dass der Scalper am Tag 20-30 Trades macht.

 

Doch was genau ist Scalp Trading? Ist es einfacher oder schwieriger als andere Tradingstile? Wie fängt man am besten an und worauf muss man achten?

Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Artikel. Dazu gibt es noch einen strukturierten 4-Schritte-Plan für Scalptrader und solche, die es werden wollen.

Zu Beginn müssen wir aber noch eine Einordnung vornehmen.

 

Wo lässt sich Scalp Trading im Rahmen der Tradingstile einordnen?

Die drei Tradingstile, die wir täglich anwenden können sind Scalptrading, Daytrading und Swingtrading.

Es ist durchaus möglich, dass weitere Begriffe und Randerscheinungen existieren, doch um einen guten Überblick über die verschiedenen Ansätze zu bekommen, reicht diese Kategorisierung definitiv aus.

Wir beginnen mit dem „gemütlichsten“ Tradingstil, dem Swingtrading.

Der Swingtrader hat eine zeitliche Perspektive für seine Trades von mehreren Tagen und Wochen. Er versucht tendenziell einen gesamten Trend in einem Basiswert mitzunehmen, ohne dabei bei jeder Zwischenkorrektur Panik zu kriegen, dass der Trade in die Hose geht.

Der Daytrader hadnelt vom Grundsatz her auf Tagesbasis. Der Trade wird oft nur für wenige Stunden gehalten, wobei natürlich der Markt entscheidet, ob und wann der Trade ins Take Profit läuft.

Kommen wir nun zum Scalper:

Der Scalp Trader hat von allen Handelsansätzen den kürzesten Zeithorizont. Scalp Trades werden in der Regel nach wenigen Sekunden oder Minuten geschlossen, wobei auch hier natürlich der Markt wieder das letzte Wort hat.

Nachfolgend habe ich einen Chart vorbereitet, der zeigen soll, wie die unterschiedlichen Tradingstile an einem x-beliebigen Basiswert angewendet werden.

Scalp Trading Stil

Was sehen wir hier im Chart?

Zum einen handelt es sich um das Währungspaar CAD/JPY, zum anderen ist die Skalierung „1-Stundenchart“ gewählt.

Wir sehen anhand des lila Trendkanals einen Abwärtstrend, beginnend beim orangenen Punkt 1 und bestätigt beim orangenen Punkt 3.

Der Swingtrader wählt seinen Short-Einstieg ggf(!) beim x1.1. Hier wurde der Trendkanal bestätigt und die Tendenz für fallende Kurse nimmt zu. Er will den Trend möglichst komplett mitnehmen und such sich einen Ausstiegspunkt in der Nähe der Trendkanalunterseite (x.1.2). Eine alleinige Begründung für einen Trade sollte (gerade im FX Markt) aber nicht nur auf Basis eines Trendkanals erfolgen.

Der Daytrader erkennt am Punkt x2.1 eine gute Shortmöglichkeit am orangenen Punkt 2, da hier nach Markttechnik potenzielle Stopps der Longtrader liegen, die durch das hohe erwartete Volumen den Abwärtstrend beschleunigen könnten. Zum Ende des Handelstages möchte er tendenziell aber „flat“ sein und beendet den Trade, bevor es zu einer stärkeren Gegenbewegung kommen kann (Punkt x2.2).

Der Scalper ist noch eher auf den orangenen Punkt 2 angewiesen (Punkt 3.1), da er im Chart nach genau den Bereichen sucht, wo das Volumen hoch ist und der Trade schnell in den Gewinn kommt. Er schneidet sich sozusagen ein kurzes Stück aus dem Markt heraus. Ihm reichen wenige Pips als Zielwert (Punkt 3.2).

Noch eine Anmerkung zu diesem Beispiel. Ich habe hier alle Tradingstile anhand des 1h-Chart demonstriert. In der Praxis liegen den Tradingstilen jedoch unterschiedliche Zeiteinheiten zu Grunde, worauf ich gleich noch einmal genauer eingehen werde.

Welche Analysemethode nutzen Scalptrader sinnvollerweise?

Nun haben wir einen ziemlich nackten 1h-Chart gesehen. Ist diese Skalierung denn für Scalper geeignet? Und müssen da nicht irgendwie Indikatoren rein?

Tja, da sind wir wieder beim Thema Charttechnik. Wer mich kennt weiß, dass ich eine gesunde Portion Skepsis gegenüber Trading Indikatoren habe. Nicht weil sie nutzlos wären (sie funktionieren durchaus), sondern weil speziell die deutschen Trader unglaublich viel Wert drauf legen und damit überhaupt keine Fortschritte erzielen.

Fakt ist, dass Charttechnik anhand von Indikatoren, Widerstandslinien, gleitenden Durchschnitten, etc. helfen kann, einen Trade zu optimieren.

Fakt ist auch, dass der Scalptrader die Charttechnik mehr braucht als der Swingtrader. Doch auch die fundamentale Analyse sollte eine Rolle spielen.

Um die Balance zwischen Chartanalyse und Fundamentalanalyse zu finden, habe ich hier eine kleine Tabelle erstellt. Es ist meine subjektive Meinung.

TradingstilFundamentalTechnisch
Swingtrading90%10%
Daytrading50%50%
Scalping20%80%

Mit diesen Zahlen halte ich fest, welchen Anteil Fundamental- und Chartanalyse in der Entscheidung für einen Trade im Forexmarkt haben sollte. Fundamental bedeutet, dass ich mindestens weiß, wie die Zentralbanken des jeweiligen Währungsraums aufgestellt sind.

Im Index- und Aktienhandel kann die Charttechnik durchaus höher gewertet werden.

Doch auch das hängt in erster Linie von der Tradingstrategie und der Persönlichkeit des Traders ab.

Obwohl mein eigener Tradingstil zu 70% auf Daytrading beruht, habe ich heute einen Scalp Trade getätigt. Dieser Trade soll hier einmal als Beispiel dienen und dir zeigen, welche Überlegungen und Gedankengänge ich dabei generell habe.

Dieser Trade hat ca. 5 Minuten gedauert und +21 Pips Gewinn eingebracht. Warum habe ich mich hier für einen Scalptrade entschieden?

Zum einen habe ich mir auf Basis der Fundamentalanalyse die Handelsrichtung (Short) geholt, denn die FED ist hawkish, die BOE auf Grund von Brexit-Ungewissheit dovish.

Nun wurden um 10:30 Uhr Wirtschaftsdaten aus GB veröffentlicht, die als Indikator für die heimische Zentralbank dienen und für künftige Leitzinsentscheide wichtig sind. Diese Daten fielen durchweg schwächer aus als erwartet. Somit hat der GBP abgewertet und das habe ich genutzt.

Im Nachhinein betrachtet kann man natürlich sagen, „Tim, du bist viel zu früh rausgegangen“, doch einerseits ist man hinterher immer schlauer und zweitens gibt es heute noch ein wichtiges Ereignis auf der Agenda: Den FED Zinsentscheid.

Besonders solche Tage sorgen für hohe Volatilität in beide Richtungen, was für Scalper und Daytrader Fluch und Segen sein kann. Mir war es also wichtig, möglichst zeitnah wieder flat zu sein und die FED Sitzung abzuwarten.

Neben den genannten Voraussetzungen gibt es aber noch eine wichtigere Bedingung, die erfüllt werden muss, um erfolgreiches Scalp Trading zu betreiben.

Persönliche Voraussetzungen im Scalp Trading

Wenn man mit dem Trading beginnt neigt man dazu, viele Dinge auszuprobieren und Strategien laufend zu wechseln. Diese Phase ist wichtig und auch durchaus in Ordnung, denn als Trader muss man seinen persönlichen Tradingstil finden und nicht umgekehrt.

Nun wirkt sich Scalptrading durch heftige und volatile Bewegungen im Markt schnell auf das Gemüt eines Traders aus. Viele Anfänger sind zwar von der Schnelligkeit fasziniert, haben aber bei jedem Trade einen äußerst ungesunden Puls und die Gefahr des Overtradings steigt.

Besonders nach einem und erst recht nach zwei bis drei Fehltrades besteht die Gefahr, dass man das Geld schnell wiederholen will und geht blind in einen Kontertrade.

„Es sind ja nur 5 Punkte“ ist hier ein besonders gefährlicher Spruch, denn auf Basis des tendenziell hohen Hebels im Scalptrading kann die persönliche Achterbahnfahrt drastisch beschleunigt werden, wenn der Kurs wieder gegen einen läuft und man auch nur in einem Basiswert unterwegs ist.

Nutze diese Trading Tipps

Im Scalping wird die Disziplin auf eine harte Probe gestellt, doch wenn du geduldig bist und auf die besten Setups wartest, dann hat du sehr gute Renditechancen.

Dazu gehört aber auch ein striktes Risikomanagement mit konsequenter Stop-Loss-Nutzung.

4 Schritte von der Idee bis zum Review im Scalp Trading

Nachdem wir nun die Basics geklärt haben, schauen wir uns eine potenzielle Vorgehensweise im Scalptrading an.

Schritt 1: Finanzinstrument wählen

Für Scalptrader ist es besonders wichtig, ein transparentes und verständliches Finanzinstrument zu nutzen.

Diese Kriterien werden von CFDs, FX, Futures, Optionen sowie K.O Zertifikaten weitestgehend erfüllt. Dazu benötigst du natürlich einen zuverlässigen Broker, der saubere Kurse stellt und eine schnelle Orderausführung ohne Slippage ermöglicht.

Eine ebenfalls wichtige Rolle spielen die Konditionen in Form von Spread und der Kommissionen. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich im DAX 2 Punkte Spread an den Broker bezahle oder 1 Punkt, denn bei ca 1000 Trades im Jahr sind des 4-5 stellige Beträge.

Auch die Handelszeiten müssen beachtet werden, da es ärgerlich wäre, wenn ein Trade kurz vor Toresschluss eingegangen wird, der Broker aber kurz danach Handelsschluss verkündet. Dann noch ein schönes Gap in die falsche Richtung am nächsten Morgen… naja, egal.

Schritt 2: Setup aufschreiben

Wir haben oben einen Punkt 2 im Stundenchart als potenzielles Scalp Trading Setup gewählt. Letztendlich gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um einen Scalp Trade zu tätigen. Neben den Punkten 2, die im Scalping als Ausbruchshandel genutzt werden, gibt es auch die Möglichkeit des News Trading oder Formationstrading (Dreiecke und Co).

Schreibe dir dein Setup so detailliert wie möglich auf und berücksichtige sämtliche Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit du einen Scalp Trade eröffnest. Dazu gehören auch Fragen, wie:

Welche(r) Basiswert(e)? Welche Zeiteinheit? Welche Session/Zeit? Indikatoren – ja/ nein?

Die bevorzugte Zeiteinheit für Scalper ist der 5- oder 15 Minutenchart. Trotzdem sollte eine höhere Zeiteinheit als Abgleich mit berücksichtigt werden.

Bevor du einen Trade eingehst, solltest du dir schon zwingend Gedanken über Stopp Loss und Take Profit gemacht haben, denn daher resultiert auch, mit welcher Positionsgröße du tätig sein wirst.

Schritt 3: Risikomanagement

Nachdem das Setup festgelegt wurde geht es nun um Risiko- und Moneymanagement. Ich bin kein Freund von starren Kennzahlen, wie einem immer gleichgroßen SL. Der Markt erlaubt mir eine gewisse Flexibilität und diese ist auch sinnvoll.

Trotzdem gilt auch hier, dass die Positionsgrößen dem Kontostand entsprechen müssen und die 1%-Regel ein guter Anhaltspunkt ist. Nach diesem Ansatz werden maximal 1% des Tradingkapitals pro Trade riskiert.

Auffällig ist, das Scalper eine durchaus hohe Trefferquote haben, die gut und gerne bei 60-70% liegt, aber dafür mit einem Verlusttrade mehr verlieren, als mit einem einzelnen Gewinntrade. In Summe muss es natürlich positiv aussehen.

Schritt 4: Evaluierung

Dieser Aspekt wird gerne vernachlässigt, dabei ist er sehr wichtig. Anhand deines Trading Tagebuchs  und des Trading Plans protokollierst du deinen Ergebnisse und Gedanken.

Doch wenn du die Daten nicht auswertest, kannst du keine Fehleranalyse machen und weißt somit nicht, wo es Knackpunkte gibt und welche Potenziale ausgebaut werden können.

Mir ist bei meinem eigenen Handelsansatz aufgefallen, dass ich die besten Ergebnisse in der London Session erziele (FX Newstrading) und nicht mehr im US-Handel. Daraus folgte, dass ich meine Trades zunehmend am Morgen durchführe und damit mein Gesamtergebnis steigere.

Oft fallen einem auch Verhaltensweisen auf, die einem im ersten Moment nicht bewusst waren (z.B. auffällige Emotionen).

Trading Tipps

Fazit:

Scalp Trading ist ein spezifischer und interessanter Handelsansatz mit einer hohen Trade-Frequenz. Dabei werden täglich viele kleine Gewinne von 10-20 Pips oder Punkten mitgenommen.

Der Scalper wartet nicht auf den großen, einzelnen (Mega-)Trade.

Wichtig ist mir an dieser Stelle, dass nicht jeder für Scalp Trading gemacht ist, da man hier schnell zu emotionalen Reaktionen neigt, die eine enorme Fehlerkette auslösen können.

Dazu ist es wichtig zu wissen, dass kein Trading Stil besser oder schlechter ist. Wenn der Scalp Trader mit 50 Trades 500 Pips/Punkte einfährt, der Daytrader mit 50 Trades 500 Pips/Punkte gemacht hat und der Swingtrader mit 3 Trades 500 Pips/Punkte gemacht hat, haben alle gleichviel verdient.

Nun könntest du sagen, dass es sich dann ja gar nicht lohnt, soviel Zeit vor dem Schirm zu verbringen und das der Swingtrader ja mit weniger Aufwand das gleiche Ergebnis erzielt.

Lass mich dich hier noch einmal daran erinnern, dass jeder Trader seinen persönlichen Trading Stil finden muss und dass viele es nicht schaffen, einen Trade über eine lange Distanz von Tagen und Wochen konsequent zu halten.

Dem einen liegen viele Trades mit kleinen Gewinnen, dem anderen wenige Trades mit größeren Gewinnen.

Der Markt bietet uns täglich 100er Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Wie, wann und wo entscheidest DU ganz alleine.

Viel Erfolg und gute Trades!

Tim

[ABTM id=4911]

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